50 Jahre Watergate-Skandal

Wie ein Stück Klebeband den amerikanischen Präsidenten das Amt kostete

Lothar Lechner Bazzanella, 17. Juni 2022, 12:57 Uhr
Vor genau 50 Jahren wurde die Watergate-Affäre um den amerikanischen Präsidenten Nixon losgetreten und beendete schliesslich seine politische Karriere. Es ging um Spionage, Abhörwanzen und Spezialeinheiten der CIA. Alles begann jedoch mit einem Stück Klebeband.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Juni 1972 entdeckt Frank Willis, Wachmann im Watergate-Gebäudekomplex in Washington – der Zentrale der Demokratischen Partei –, dass mehrere Schlösser mit Klebeband manipuliert worden waren. So konnten die Türen nicht ins Schloss fallen. Er verständigt um 1:47 die Polizei, die kurz darauf fünf Einbrecher im Haus festnehmen kann.

Der Grund für den Einbruch bei den Demokraten: Die Männer wollten scheinbar eine defekte, drei Wochen zuvor installierte Telefonwanze austauschen. Ausserdem wollten sie Fotos von geheimen Dokumenten machen. Es ist der erste Stein, der die Watergate-Affäre rund um den damaligen Präsidenten Richard Nixon ins Rollen bringt.

Spuren führen ins Weisse Haus

Nachdem das FBI sich der Sache annimmt, wird mehr und mehr klar, dass die Spuren der Spionageaufträge allesamt zum republikanischen Präsidenten führten. In Hinblick auf die Wahlen im November 1972 war diesem wohl jedes Mittel Recht, um sich einen Vorteil gegenüber den Demokraten zu sichern.

Das Problem: Als die Straftaten publik gemacht werden, ist Nixon schon erneut zum Präsidenten gewählt worden. Ab 1973 kommen immer mehr Verbrechen ans Licht, die in den Jahren zuvor teils auf direkte Anweisung des Weissen Hauses begangen worden waren. Präsident Nixon gerät gewaltig unter Druck.

Der erste und einzige Rücktritt eines Präsidenten

Dieser denkt aber gar nicht daran, mit der Justiz zu kooperieren. Im Gegenteil: Er nutzt all seine Macht, um die Ermittlungen zu behindern oder zu begrenzen. Schliesslich kommt es zum Impeachment gegen den Präsidenten. Dieses endet am 9. August mit dem bisher einzigen Rücktritt eines US-Präsidenten.

Die Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein im Büro der «Washington Post».

© Keystone

Einen enormen Einfluss auf die Aufdeckung der Skandale hatten dabei die Medien, allen voran die «Washington Post». Deren Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein arbeiteten sich hartnäckig an der Story ab. Und dies, obwohl die untersuchenden Staatsanwaltschaften den Vorfällen im Watergate-Komplex nur wenig Aufmerksamkeit schenkten.

Der FBI-Direktor liefert geheime Informationen

Bei ihren Recherchen erhielten die Journalisten Woodward und Bernstein verdeckte Hinweise von ihrem Hauptinformanten Mark Felt: Unter dem ihm verliehenen Decknamen Deep Throat hatte dieser die Ergebnisse geheimer Ermittlungen an die Zeitung weitergeleitet, nachdem er bis 1973 stellvertretender Direktor des FBI war.

Der ehemalige stellvertretende FBI-Direktor Felt versorgte die Presse mit strenggeheimen Informationen. 

© Getty

Für ihre Berichterstattung erhielten die Reporter im selben Jahr den Pulitzer-Preis, die wohl wichtigste Auszeichnung der Medienwelt. Ihr Engagement und ihre Hartnäckigkeit werden bis heute als Triumph der Pressefreiheit gedeutet. Und als Zeichen, dass die Medien als vierte Gewalt – mit ein wenig Hilfe eines pflichtbewussten Wachmanns – selbst einen amerikanischen Präsidenten in die Schranken weisen können.

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 17. Juni 2022 12:55
aktualisiert: 17. Juni 2022 12:57
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