Erstmals unter 95 Rappen

Wie weit der Euro noch fallen könnte

22. September 2022, 09:29 Uhr
Der Euro ist angesichts der Verschärfung des russischen Vorgehens im Ukraine-Krieg unter Druck geraten. In der Schweiz äussert sich dies in einem Anstieg des Frankens. Am Donnerstagmorgen kostet ein Euro nur noch 0,9473 Rappen.
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Vor Ankündigung der Teilmobilisierung durch Wladimir Putin war der Euro noch mehr als 96 Rappen wert. Nun setzt die Zinspolitik der US-Notenbank Fed den Euro massiv unter Druck. Sie geht energisch gegen die Inflation vor und daran dürfte sich absehbar auch nichts ändern. Bereits am Mittwoch sackte der Euro auf einen Wert von 0,95235 Franken, ein historischer Tiefstand. Am Donnerstag fiel er unter 95 Rappen.

Talfahrt bis 90 Rappen möglich

Der Schweizer Aktienmarkt dürfte am Donnerstag seinen Abwärtstrend fortsetzen. Gemäss den vorbörslichen Notierungen der IG Bank markiert der Leitindex SMI im Bereich von derzeit knapp 10'280 Punkten ein neues Jahrestief.

Die ING Bank geht davon aus, dass die SNB für die Erhaltung der Preisstabilität angesichts der unterschiedlich hohen Inflation in der Schweiz und in Europa den Euro im vierten Quartal 2022 bis in den Bereich von 93 Rappen sinken lassen würde, ohne zu intervenieren. Bis im zweiten Halbjahr 2023 könnte der Euro demnach gar bis auf 90 Rappen sinken, wie die Bank in einer Einschätzung schreibt.

Dritter grosser Zinsschritt

Die Fed erhöhte am Mittwoch ihren Leitzins erneut um 0,75 Prozentpunkte. Damit erreicht der Leitzins den höchsten Stand seit 14 Jahren. Fed-Chef Jerome Powell machte deutlich, dass mit den grossen Zinsschritten noch lange nicht Schluss ist. «Ohne Preisstabilität funktioniert die Wirtschaft für niemanden», sagte er.

Doch die Entscheidung der Zentralbanker hat nicht nur Auswirkungen auf die grösste Volkswirtschaft der Welt, sondern auch auf wirtschaftsschwächere Staaten. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgiewa, warnt seit Monaten vor einer Schuldenkrise für Länder mit mittlerem und niedrigem Einkommen. «Wir müssen erkennen, dass es eine tektonische Verschiebung gibt», sagte sie etwa im Juli. Die Welt sei schockanfälliger geworden.

(sda/hap)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 22. September 2022 09:29
aktualisiert: 22. September 2022 09:29