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Tödliches Ereignis

Als es vor 60 Jahren auf der Rigi brannte

Sven Brun, 9. Februar 2021, 11:52 Uhr
Vor exakt 60 Jahren, am 9. Februar 1961, ereignete sich auf der «Königin der Berge» eine Katastrophe. Elf Menschen kamen beim Brand des «Grand Hotel Rigi-Kaltbad» ums Leben. Die Ära des Luxus-Tourismus auf dem Berg nahm ein jähes Ende.
Das brennende «Grand Hotel Rigi-Kaltbad» am 9. Februar 1961.
© Keystone, str

Ein brennendes Nobel-Hotel, um Hilfe schreiende Menschen und ein betrunkener Brandstifter. Der Grossbrand des «Grand Hotel Rigi-Kaltbad» jährt sich heute zum 60. Mal. In der Nacht auf den 9. Februar 1961 kam für elf Menschen jede Hilfe zu spät.

Ausgebrannt bis auf die Grundmauern: Viel blieb vom Grand Hotel nicht übrig. 

© Keystone, str

Die Geschichte des Wellness-Tourismus auf der Rigi geht weit zurück. Wie auf der Webseite des heutigen Hotel Rigi-Kaltbad zu lesen ist, gab es bereits 1540 erste Erwähnungen der angeblichen heilenden Kraft der «Kaltbad-Quelle». 1600 sollen so täglich über 100 Badegäste den Weg auf die Rigi gefunden haben.

Auch einer der bedeutendsten Dichter der deutschsprachigen Geschichte, Johann Wolfgang von Goethe (u.a. «Faust»), hat 1775 die Rigi besucht. «Rings die Herrlichkeit der Welt!», notierte er in seinem Tagebuch über die «Königin der Berge».

Nicht ganz 100 Jahre nach Goethes Besuch, 1868, wurde das «Grand Hotel Rigi-Kaltbad» mit 240 Betten, einem grossen Speisesaal und mehreren Salons eröffnet. Wieder fast ein Jahrhundert später, in dieser verhängnisvollen Nacht des 9. Februars 1961, ereignete sich dann die wohl grösste Katastrophe in der Geschichte der Rigi.

«Um 4 Uhr in der Morgenfrühe zeichnet sich über der Rigi eine mächtige Brandröte ab. Das Grand Hotel brennt!», werden auf der Webseite des Hotels die Geschehnisse beschrieben. Die Feuerwehr wurde alarmiert, musste jedoch zuerst noch mit der Dampflock den Berg hinauf chauffiert werden. Rund 240 Menschen sollen sich im Gebäude aufgehalten haben – das Hotel war voll besetzt.

Viele konnten sich nur im Pyjama vor den tödlichen Flammen retten. Wie eine Augenzeugin dem SRF berichtet, sprangen sie in den Schnee, kletterten die Regenrohre entlang hinunter oder seilten sich mithilfe von Leintüchern ab. Für elf Menschen, sechs Gäste und fünf Angestellte, kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Der Brand war jedoch kein tragischer Unfall, es war Brandstiftung. Ein damals 28-jähriger Angestellter des Grand Hotel gab zu, Feuer gelegt zu haben. Der Betrunkene zündete in einem Putzraum mehrere Matratzen an. Die Frage warum, konnte jedoch nie geklärt werden. Der zu 15 Jahren Haft verurteilte Mann konnte sich während dem Prozess nicht mehr daran erinnern.

Elf Menschenleben auf dem Gewissen: Dieser Mann (links) war der Brandstifter und wurde folglich zu 15 Jahren Haft verurteilt. 

© Keystone, KREBS

Der Brand des Grand Hotel Rigi-Kaltbad führte zum Ende einer Ära. Der Luxus-Tourismus auf der Rigi war vorbei. Die Blütezeit der «Belle-Époque-Hotels» abgelaufen – die extravagante Rigi ausgebrannt.

Sven Brun
Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 9. Februar 2021 11:54
aktualisiert: 9. Februar 2021 11:52