Zentralschweiz

Auch in diesen Kantonen fehlen die Polizisten

Irene Müller, 3. April 2020, 13:38 Uhr
In der Zentralschweiz sind die Kantone vergleichsweise eher spärlich mit Polizeibeamten bestückt. (Symbolbild)
© ZVG
Einen Polizisten auf rund 620 Einwohner hat der Kanton Luzern. Das ist einer der schlechtesten Werte der Schweiz. Doch wie ist die Lage in den übrigen Zentralschweizer Kantonen? Zum Teil noch prekärer.

In der nationalen Statistik der Polizeibestände sind gleich mehrere Zentralschweizer Kantone auf den hintersten Rängen zu finden. Der Kanton Luzern, der kürzlich kommuniziert hat, sein Korps aufstocken zu wollen, befindet sich bereits im untersten Drittel. Die Kantone Ob- und Nidwalden sowie Schwyz sind aber noch weiter unten in dieser Statistik. Nur die Kantone Aargau und Thurgau weisen (Stand 1. Januar 2020) eine noch geringere Polizeidichte auf.

Polizeidichte der Zentralschweizer Kantone im Überblick:

Uri: 405 Einwohner/PolizistenInnen/(Stand 2. April 2020)

Zug: 536 Einwohner/PolizistenInnen (Stand 1. Januar 2020)

Luzern: 617 Einwohner/PolizistenInnen (Stand 1. Januar 2020)

Nidwalden: 656 Einwohner/PolizistenInnen (Stand 1. Januar 2020)

Schwyz: 672 Einwohner/PolizistenInnen (Stand 1. Januar 2020)

Obwalden: 687 Einwohner/PolizistenInnen (Stand 1. Januar 2020)

Der Kanton Obwalden bildet das Schlusslicht in der Zentralschweiz. Ganze 687 Einwohner muss dort jeder Polizist betreuen. «Wir haben es mit den genau gleichen Problemstellungen im 24-Stundenbetrieb, Spezialisierungen, Einsatzspitzen usw. zu tun, wie auch andere Kantone mit einer so niedrigen Polizeidichte», so der Kommandant der Kantonspolizei Obwalden Stefan Küchler. Eine Stellenaufstockung sei momentan politisch kein Thema, auch nicht in Zeiten von Corona. «Wir legen aktuell unser Schwergewicht auf die Aussenpräsenz, was momentan gut funktioniert, da in anderen Bereichen (etwa im Verkehr, Anm.d.Red.) vorübergehend reduziert werden konnte.»

Sind die Zentralschweizer weniger kriminell?

Auch der Kanton Schwyz weist eine äusserst niedrige Polizeidichte auf. Sind die Zentralschweizer schlichtweg weniger kriminell als andere? «Die Kriminalitätslage im Kanton Schwyz liegt in der Tat unter dem schweizerischen Durschnitt», berichtet der Chef Prävention und Kommunikation, Florian Grossmann. Mit den heute zur Verfügung stehenden Mittel könne die Kantonspolizei den Grundauftrag weitgehend erfüllen. Hingegen seien die Mittel bei der Bekämpfung neuer Kriminalitätsfelder eher knapp.

Ausbildung wird immer anspruchsvoller

Auch genügend gut geeignete Polizeianwärter zu finden sei nicht einfach. «Erfahrungsgemäss bestehen nur rund 10 Prozent der Bewerber das Auswahlverfahren», so Grossmann. «Die Anforderungen werden jedoch nicht herabgesetzt, da gute Polizistinnen und Polizisten sehr wichtig sind. Hier können keine Abstriche gemacht werden.»

Die Kantonspolizei Nidwalden beklagt ähnliche Probleme: Die Anforderungen an den Polizeiberuf wachsen stetig und seien sehr anspruchsvoll, lässt Leutnant Dario Habermacher verlauten. Dies habe zur Folge, dass «neue» Polizisten dementsprechend aus- und weitergebildet werden müssen, was mit entsprechendem Zeitaufwand verbunden sei. «Ebenfalls steigen – infolge Gesetzesanpassungen respektive neuer Gesetze, sowie der sich verändernden Gewohnheiten der Bevölkerung die Ansprüche an die Polizeikorps.»

Spitzenreiter Uri

Die Kapo Uri hingegen weist mit rund 405 Einwohnern pro Polizist in der Zentralschweiz mit Abstand die höchste Polizeidichte auf. Stabschef Gustav Planzer nennt dazu die zwei wesentlichsten Gründe: «Einerseits wird unser Kanton stark durch den Strassen- als auch den Schienenverkehr der Gotthard-Achse beeinflusst und nimmt dadurch wichtige Präventions- und Interventions-Tätigkeiten im Zusammenhang mit dem internationalen Verkehr und der Kontrolle neuralgischer Infrastrukturen wahr.» Andererseits arbeiten zusätzliche 13 Polizeiangehörige für das Schwerverkehrszentrum (SVZ), welches als Abteilung zur Kantonspolizei Uri gehört.

Obwohl die Urner prozentual mehr Polizisten stellen als andere Kantone, haben sie zurzeit keine Nachwuchsprobleme. «Erschwerend ist nur, dass von der Auswahl bis zur Aufnahme rund zweieinhalb Jahre vergehen», so Planzer. Daher sei es stets eine Herausforderung, kurzfristige Vakanzen rasch zu besetzen.

Der Kapo Zug bereiten vor allem Cybercrime und Terrorthematik Kopfzerbrechen

Auch im Kanton Zug liegt die Polizeidichte untern dem Schweizerischen Durchschnitt von 454 Einwohner pro Polizist. Sie hat in den letzten Jahren auch aufgrund des Sparprogrammes des Kantons abgenommen. Die Zuger Polizei hat für dieses Jahr mehrere spezialisierte Polizeistellen erhalten. Die weitere Entwicklung ist abhängig vom Bevölkerungswachstum und den dadurch erforderlichen zusätzlichen Stellen. Die Bevölkerungszahl wächst prozentual schneller als jene der Polizisten.

Wichtig sei, dass spezialisierte Polizistinnen und Polizisten zu Cybercrime, Terrorthematik, Gewaltschutz und Bedrohungsmanagement aufgebaut werden sollten ohne, dass die polizeiliche Grundversorgung darunter leidet, heisst es von der Kapo Zug. Das nur wenn dem Polizeikorps zusätzliche Stellen zukommen, können die umfassenden Aufgaben tatsächlich ohne Abstriche bewältigt werden.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 3. April 2020 05:50
aktualisiert: 3. April 2020 13:38