Wildtiere

Bald wird es in der Zentralschweiz immer mehr Wölfe geben

· Online seit 25.02.2023, 13:32 Uhr
Vermehrt tauchen Fotos und Videos von ihm auf, wie er durch Dörfer oder an Scheunen vorbei schleicht: der Wolf. Doch wieso kommt es immer häufiger zu Begegnungen mit dem Raubtier? Hat er sich etwa an die Menschen gewöhnt? Wir haben nachgefragt.
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Obwohl das neue Jahr noch nicht weit fortgeschritten ist, hat der Wolf sein Übel schon angerichtet: Im Januar wurde er in Littau gesichtet und im Februar hat er ein Muttertier in Neuenkirch gerissen. Ist es Zufall oder wird der Wolf tatsächlich heimisch in der Region?

Darum sehen wir in der Zentralschweiz mehr Wölfe 

«Mittlerweile muss man im gesamten Schweizer Mittelland mit dem Auftauchen von Wölfen rechnen», so Christian Hüsler, Wildhüter der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (lawa) des Kantons Luzern. Die Wolfspopulation in der Schweiz nehme laufend zu. Sobald die Jungtiere selbstständig sind, legen sie lange Strecken zurück, um entweder einen noch nicht besetzten Lebensraum oder einen Geschlechtspartner zu finden.

Da es immer mehr Jungtiere gibt und viele Gebiete in den Alpen und Voralpen schon besetzt sind, müssen die Tiere sehr lange Strecken zurücklegen. So kann es gut sein, dass man mal einen Wolf vorbeiziehen sieht. Wölfe sind jedoch sehr menschenscheu, vorsichtig und selten zu sehen.

Die meisten Wölfe, die in der Zentralschweiz gesichtet werden, gelangen aus dem Alpenraum und Italien in die Zentralschweiz. Unklar ist, ob die Wölfe dann auch bleiben. «Sobald ein Wolf in ein neues, noch unbesetztes Gebiet kommt, das die Voraussetzungen bietet, die er benötigt, besteht die Möglichkeit, dass er in der Region bleibt», so Hüsler. Jedoch sucht sich der Wolf sein Territorium so aus, dass er ein ausreichendes Nahrungsangebot und Rückzugsmöglichkeiten hat. Darum lassen sich Wölfe oftmals nicht am erstbesten Ort nieder, sondern halten sich an verschiedenen Orten auf und legen dazwischen grosse Distanzen zurück.

Das sagt die Statistik der LAWA

Die Statistik des Amtes für Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern bestätigt, dass der Wolfsbesuch zugenommen hat. Im Vergleich zum Jahr 2020 wurde der Wolf im Jahr 2022 mehr als doppelt so oft gesichtet. Beweise dafür sind Fotos, Videos und gerissene Tiere. Im Jahr 2022 gab es drei Nutztierrisse mehr als im Jahr 2020. Was heisst das für die Herdenschutzmassnahmen?

Gemäss dem Wildhüter reichen die empfohlenen Herdenschutzmassnahmen grundsätzlich aus. Denn die meisten Vorfälle passieren, weil entweder keine Herdenschutzmassnahmen getroffen worden sind oder falsch umgesetzt wurden. Sobald man die Zäune zu wenig kontrolliert oder nicht richtig aufstellt, kann es rasch dazu kommen, dass ein Wolf diese überwindet und Schafe oder Ziegen reisst.

Doch ist es wirklich immer der Wolf?

Der Riss von Nutztieren wird aktuell oft dem Wolf zugeschrieben. Doch ist es wirklich immer der Wolf oder kann ein Wolfsriss mit einem Luchsriss verwechselt werden? «Wenn es sich um einen ‹typischen› Luchsriss handelt, ist eine Verwechslung eigentlich ausgeschlossen», so der Wildhüter. Denn der Luchs hat eine andere Vorgehensweise, wie er seine Beute verzehrt als der Wolf. Wenn es aber ein junger Luchs ist, der das Töten seiner Beutetiere noch nicht perfektioniert hat, dann kann das die Bestimmung erschweren. Von den Wildhütern wird erwartet, dass sie das Tier anhand der Bisswunden identifizieren können. Eine genetische Analyse wird in erster Linie zur Bestimmung des Individuums durchgeführt.

Wie sieht es in anderen Kantonen aus?

Wie Christian Hüsler sagt, muss man in Zukunft mit dem Auftauchen des Wolfes im gesamten Schweizer Mittelland rechnen. Da Wölfe jedoch sehr menschenscheu und vorsichtig sind, sind sie sehr selten zu sehen. Anders scheint es im Kanton Uri zu sein, wo die Bevölkerung den Wolf öfters zu Gesicht bekommt. Zwischen Mai und September 2022 wurden in Uri insgesamt 58 Tiere vom Wolf gerissen. Noch höher ist der Wolfbesuch im Kanton Wallis und Graubünden.

Mit der Änderung im Jagdgesetz vom Dezember 2022 soll der wachsende Wolfsbestand im Land kontrolliert werden. Schäden und Gefährdungen sollen durch Abschüsse verhindert werden, solange sie die Population nicht gefährden. Abschüsse können auch getätigt werden, wenn ein Herdenschutz weder möglich noch zumutbar ist. Ein Beispiel dafür sind Tessiner Täler und Hochgebirgsweiden. Die sind oft steinig, weglos und unzugänglich, sodass Zäunen nicht möglich ist, so Silvio Guggiari, Fachberater aus dem Tessin gegenüber «SWI swissinfo».

(pch)

veröffentlicht: 25. Februar 2023 13:32
aktualisiert: 25. Februar 2023 13:32
Quelle: PilatusToday

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