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Kanton Zug

Breite Allianz gegen längere Ladenöffnungszeiten

Sven Brun, 8. Februar 2021, 20:47 Uhr
Am 7. März 2021 stimmt das Volk im Kanton Zug über längere Ladenöffnungszeiten ab. Die Initiative wird von einem überparteilichen Komitee bekämpft. Dieses ist der Meinung, dass die Arbeitsbedingungen nicht aufs Spiel gesetzt werden dürfen.
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Quelle: PilatusToday

«Die langen Warteschlangen in den Bahnhofs- und Tankstellenshops zeigen: Das Bedürfnis für längere Ladenöffnungszeiten im Kanton Zug ist vorhanden.» So begründet das Komitee «Offen-bleiben» seine Initiative, welche am 7. März 2021 vor das Zuger Stimmvolk kommt. Die gesellschaftlichen Bedürfnisse hätten sich gewandelt, modernere Familienstrukturen und veränderte Arbeitszeiten verlangten nach einer Anpassung (PilatusToday berichtete).

Das Zuger Kantonsparlament hat den Entwurf im vergangenen August mit 46 zu 25 Stimmen jedoch abgelehnt. Das letzte Wort hat nun das Volk.

Tele 1 Beitrag mit Pro und Contra Stimmen zur Initiative (27. August 2020):

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Quelle: tele1

Die Gegner der Initiative haben am Montag Vormittag per Zoom zu einer Pressekonferenz eingeladen. Angefeführt von Luzian Franzini, Präsident des Zuger Gewerkschaftsbundes und Grünen-Kantonsrat, sprechen sich auch Zari Dzaferi (SP), Benny Elsener (CVP) und Emil Schweizer (SVP) gemeinsam gegen eine Verlängerung der Öffnungszeiten aus.

Von der Juso über die Grünen zur CVP und SVP - die Gegner der Initiative stammen aus vielen verschiedenen politischen Lagern. Heute haben sie per Zoom zur Pressekonferenz eingeladen.

© Luzian Franzini

Luzian Franzini meinte: «Die Arbeitsbedingungen sollen im Detailhandel nicht weiter verschlechtert werden». Daher würden sich auch 90 Prozent der Angestellten gegen eine Verlängerung stellen. «Wir wehren uns gegen Liberalisierungen auf dem Buckel der Angestellten», sagt er.

Dieser Meinung ist auch Amélie Krause von der Juso Zug. «Das Familien- und Vereinsleben der Angestellten würde darunter leiden», sagt sie. Ausserdem sei die Initiative widersprüchlich. Corona habe gezeigt, dass die Detailhandelsangestellten einen systemrelevanten Job hätten. «Für sie zu applaudieren, um später die Arbeitszeiten auszuweiten, geht nicht», betont Krause.

Auch das Argument der Initianten, dass längere Öffnungszeiten für Läden freiwillig bleiben würden, lässt Benny Elsener, CVP-Kantonsrat, nicht gelten. Die Detailhändler würden so automatisch unter Druck gesetzt. «Die Läden hätten sofort das Gefühl, sie müssen mitziehen, um konkurrenzfähig zu bleiben», sagt er.

Emil Schweizer, SVP-Kantonrat, zeigt sich dementsprechend optimistisch. «Für mich gibt es kein wirkliches Argument dafür», meint er und fügt hinzu: «Die Anspruchshaltung, dass immer alles verfügbar sein muss, ist egoistisch», erklärt er. Deshalb sage er klar Nein zur Initiative.

Nicht nur Schweizer, auch die weiteren Teilnehmer der Pressekonferenz zeigten sich optimistisch, dass die Initiative scheitern wird. Längere Ladenöffnungszeiten seien auch in der Vergangenheit schon mehrfach vom Volk abgelehnt worden. «Dies stimmt mich zuversichtlich», sagt Luzian Franzini.

Sven Brun
Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 8. Februar 2021 15:09
aktualisiert: 8. Februar 2021 20:47