Deshalb solltest du deine Krankenkassenabrechnungen besser kontrollieren | PilatusToday
Versicherungskosten

Deshalb solltest du deine Krankenkassenabrechnungen besser kontrollieren

24.09.2023, 07:07 Uhr
· Online seit 24.09.2023, 06:05 Uhr
Am Dienstag hat die Suva bekannt gegeben, wie viel durch ihre Rechnungskontrollen eingespart werden konnten. Auch die Krankenkassen prüfen ihre Rechnungen und sparen somit Unmengen an Geld. Doch es könne noch mehr gespart werden, meint ein Experte.
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Zehn Prozent der Rechnungen seien fehlerhaft, hat die Suva in einer Medienmitteilung am Dienstag geschrieben. Stell dir vor, du befindest dich an der Supermarktkasse und weisst, dass jede zehnte Quittung falsch ausgestellt wird. Bestimmt würdest du reklamieren und unter Umständen beim nächsten Einkauf ein anderes Geschäft berücksichtigen. Doch warum schauen wir bei unseren Gesundheitskosten nicht ebensogut hin?

Mehrere hundert Millionen gespart dank Algorithmen

Wir haben bei den Krankenversicherungen nachgefragt, wie sie bei den Rechnungskontrollen vorgehen. Tatsächlich sind die Krankenkassen da mehrheitlich auf die Patienten angewiesen. Indem man Rückmeldungen von Fehlern in den Abrechnungen den Versicherungen melde, könne schon viel eingespart werden. Die Mehrheit der Rechnungen wird aber automatisch von Algorithmen geprüft und bei Auffälligkeiten nachkontrolliert. Wenn dann etwas nicht stimmt, senden die Versicherungen die Rechnung an den Absender zurück. Die Concordia allein hat dadurch im Jahr 2022 ganze 381 Millionen, die Helsana sogar rund 500 Millionen gespart und die CSS spricht sogar von 743 Millionen Franken, welche jährlich eingespart werden können.

Der Gesundheitsexperte Felix Schneuwly erklärt gegenüber PilatusToday, dass die Ersparnisse der Suva im Verhältnis trotzdem gut seien. Diese hat im Gegensatz zu den Krankenkassen ein kleineres Leistungsvolumen. Die Quote von zehn Prozent aller Rechnungen, die retourniert werden, ist ebenfalls im guten Durchschnitt.

Nicht immer Betrug

All dies als Versicherungsbetrug abzutun, sei falsch, sagen die Versicherungen. Es gäbe auch immer wieder Missverständnisse, falsche Tarife oder versicherte Leistungen, die trotzdem verrechnet werden. Das alles müsse erkannt und entsprechend retourniert werden. Betrugsfälle seien dennoch nicht auszuschliessen, sagt die Mediensprecherin der CSS. «Zusätzlich haben wir 2022 durch unsere Betrugs- und Wirtschaftlichkeitsprüfung 233 Fälle aufgedeckt und damit einen Betrug in der Höhe von 31 Millionen Franken verhindert», schreibt die CSS auf Anfrage von PilatusToday und Tele 1. Die Versicherungen würden gegen Fälle von Betrug auch gerichtlich vorgehen.

Kontrolle könnten Prämien entlasten

Die daraus entstandenen Mehrkosten bezahlen schliesslich wir alle. Denn die Versicherungen wälzen das in Form von Prämien auf die Versicherten ab. Was also machen, damit die Prämien nicht noch mehr steigen? Für den Versicherungs- und Gesundheitsexperten ist klar: Zusätzliche Kontrolle von Seite der Prämienzahler könnte helfen. Denn: «Die Leistungsnehmende und die Leistungsbezahlende ist nicht dieselbe Person», so Felix Schneuwly gegenüber PilatusToday und Tele 1.

Genau da liege auch das Problem. Nur die Patienten wissen, wann sie wo bei welchem Arzt waren und was für Leistungen sie bezogen haben. Für die Versicherungen ist es also sehr schwierig, da Ungereimtheiten zu entdecken. Um dieses Problem zu umgehen, braucht es eine genauere Kontrolle der Patienten über ihre eigenen Abrechnungen.

Es gibt Hilfsmittel, die der Person die Abrechnungen verständlicher machen können. Langfristig müsse aber ein Umdenken im System stattfinden, findet Felix Schneuwly. Warum machen wir es nicht wie im Supermarkt? Da gibt es eine Quittung, um zu wissen, was man bekommt und demnach bezahlen muss.

(jas.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 24. September 2023 06:05
aktualisiert: 24. September 2023 07:07
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