Gesundheitsbranche

Die Schweiz braucht über 11'000 zusätzliche Fachkräfte

4. April 2022, 18:45 Uhr
In der Schweiz gibt es zu wenig Pflegefachpersonal. Dies hat sich insbesondere in der Corona-Pandemie gezeigt. Die Gesundheitsbranche will deshalb mehr Menschen für eine Ausbildung im Pflegebereich motivieren. Trotz Erfolgen sind die Ziele noch in weiter Ferne.
Trotz neuen Ausbildungsabschlüssen: In der Gesundsheitbranche braucht es mehr Personal.
© KEYSTONE/GAETAN BALLY
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Während der Corona-Pandemie wurde als Zeichen der Wertschätzung für das Pflegefach-personal geklatscht. Doch es zeigte sich schon damals: Das Personal ist am Anschlag – und Applaus kann das Problem nicht lösen.

Der Pflegemangel ist schon lange eine Realität. Dementsprechend ist die Gesundheitsbranche auf der Suche nach neuem Personal. Sie möchten die Leute zu einer Ausbildung motivieren. Wie Tobias Lengen, Direktor des Bildungszentrums XUND sagt, würde dies auch funktionieren: «Durch verschiedene Aktivitäten im Berufsmarketing konnten wir die Nachfrage am Beruf steigern. Mittlerweile ist die Ausbildung zur Fachperson Gesundheit die zweitbeliebteste Grundausbildung nach dem KV.»

Über 70 Prozent mehr Ausbildungsabschlüsse

Im Jahr 2012 schlossen noch 580 Personen eine Ausbildung zur Fachperson Gesundheit (FAG) oder Pflegefachperson HF ab. Im Jahr 2020 sind es über 70 Prozent mehr, insgesamt wurden über 980 Ausbildungsabschlüsse verzeichnet.

Für die Zentralschweizer Gesundheitsdirektorenkonferenz ist diese Entwicklung erfreulich, doch es gäbe weiterhin viel zu tun. Damit in Zukunft genügend Pflegefachpersonal vorhanden sei, müssten zwischen 2019 und 2029 über 11'000 Personen eine Ausbildung im Gesundheitsbereich abschliessen. «Die Schweizer Bevölkerung wird immer älter, dementsprechend gibt es immer wie mehr Pflegebedürftige. Weiter stehen wir vor einer Pensionierungswelle. Das bedeutet, viele Fachkräfte werden pensioniert und die fehlen uns dann wieder», so Tobias Lengen.

Bestehende Ausbildungen bekannt machen 

Um noch mehr Personal zu rekrutieren, werden die bestehenden Ausbildungen ständig optimiert. Zudem möchte Tobias Lengen die bestehenden Ausbildungen bekannter machen. Wie Lengen vom Bildungszentrum XUND sagt, ist die Gesundheitsbranche gerade für Quereinsteiger sehr attraktiv: «Wenn jemand ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis als Koch oder als Elektrikerin hat, so kann diese Person in nur drei Jahren eine Ausbildung als diplomierte Pflegefachperson HF machen. Egal wie alt sie ist. Diese Möglichkeit müssen wir noch bekannter machen.»

Doch damit nicht genug. In Zusammenarbeit mit den sechs Zentralschweizer Kantonen möchte die Zentralschweizer Gesundheitsdirektorenkonferenz gezielte Massnahmen erarbeiten. Dies sei auch mit dem Blick auf die Umsetzung der nationalen Pflegeinitiative bedeutend. Wie Tobias Lengen sagt, wird mit der Pflegeinitiative nicht nur in die Ausbildung investiert, sondern auch in bessere Arbeitsbedingungen.

(mbi)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 4. April 2022 18:45
aktualisiert: 4. April 2022 18:45