Schlafen am Abgrund

Die Tiny House Gondel im Test – so war's

David Migliazza, 13. Juni 2021, 11:17 Uhr
Es ist nicht das erste Mal, dass ich an verrückten Orten oder in den Bergen schlafe. Und auch das Innere von Seilbahnkabinen ist mir bestens bekannt. Trotzdem gab es für mich bei dieser Übernachtung in der Tiny House Gondel der Brunni-Bahnen viel Neues zu erleben.
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Quelle: Pilatus Today

Mein Vorhaben: In einer Gondel übernachten und erzählen, wie es war. Nach einer Seilbahn- und Sesselliftfahrt von Engelberg zur SAC Brunnihütte, konnte ich dort einchecken. Anschliessend wurde mir vom Personal kurz erklärt, was beachtet werden muss und wie ich zur Tiny House Gondel gelange.

Ankunft bei der Gondel

Obwohl ich mich mit meinen vier Taschen Gepäck eher wie auf dem Rückweg vom Einkaufen als bereit zum Wandern fühlte, waren die letzten Höhenmeter schnell geschafft. Nach einer rund zehnminütigen Mini-Wanderung erreichte ich mein Ziel.

Da stand sie: Eine knallrote Gondel auf einem Felsvorsprung. Im Hintergrund das Engelbergertal und Berge mit schneebedeckten Gipfeln – was für ein Anblick.

Mein kleines Königreich für eine Nacht.

© PilatusToday

Nachdem ich meine Taschen auf dem Tisch im eingezäunten Vorplatz der Tiny House Gondel deponierte, wollte ich mir ein Bild von meinem Schlafplatz machen. Mit einem elektronischen Chip öffnete ich die Schiebetür der Gondel und musste erstmal die Vorstellung, die ich vom Inneren der ehemaligen Seilbahnkabine hatte, über den Haufen werfen.

Alles, was man braucht

Eine ausgemusterte Gondel in einem Wandergebiet – man könnte meinen, die Ausstattung wäre so schroff und rustikal wie die sie umgebende Landschaft. Doch mich erwartete ein Bild, das eher an ein Luxus-Hotel erinnert: Kaffeemaschine, Kühlschrank, Küche, fliessend Wasser und Strom, eine elektrische Heizung, Wi-Fi, LED-Lichter, Google-Assistant und zu guter Letzt ein Bett, welches gut die Hälfte der Kabine ausfüllt und zu einem Tisch mit Sitzbank umfunktioniert werden kann.

Gut ausgestattet ist aber nicht nur die Tiny House Gondel. Auch der dazugehörige eingezäunte Vorplatz bietet mit Feuerstelle, Sitzgelegenheiten und einer biologischen Trockentoilette einen Ort zum Entspannen.

Geschlafen wie ein Stein

Bevor ich mich in meinem Tiny House zur Ruhe legte, verbrachte ich den Nachmittag damit, die Gegend zu erkunden. Vom vielen Laufen und dem langen Tag wurde ich dann aber schnell müde und wollte dann auch endlich das machen, wofür ich herkam – schlafen. Die Wanderschuhe ausgezogen, die Heizung aufgedreht und mit Vorfreude aufs Aufwachen schmiss ich mich ins Bett und betrachtete die Sterne, bis mir die Augen zufielen.

Am nächsten Morgen brauchte ich einige Sekunden, bis ich realisierte, wo ich war. Ein Blick nach links offenbarte den von der aufgehenden Sonne bestrahlten Titlis-Gletscher und darunter Engelberg – traumhaft! Schnell zog ich mir etwas an und setzte mich für eine Weile in die Sonne. Das Frühstück kann man sich direkt zur Tiny House Gondel bringen lassen, oder zur Brunnihütte laufen und es dort geniessen.

Frühstück bei der Brunnihütte mit wundervoller Aussicht.

© PilatusToday

Fazit

Die Übernachtung in der Tiny House Gondel ist ein schönes Erlebnis, bei welchem man richtig gut Entspannen kann. Mit einem Preis von rund 500 Franken pro Nacht wird es aber kaum etwas fürs normale Wanderwochenende sein, sondern ein einmaliges Luxus-Erlebnis in den Bergen. Als gute Alternative gibt es die SAC Brunnihütte beim Herzlisee.

Vor meiner Abreise besuchte mich noch der Geschäftsführer der Brunni-Bahnen und erzählte mir mehr über die Tiny House Gondel. Hier das Video dazu:

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Quelle: Pilatus Today

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 10. Juni 2021 18:06
aktualisiert: 13. Juni 2021 11:17
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