Nach Superspreader-Vorfall

Genauere Rückverfolgung dank ID-Pflicht

Mario Trlaja, 30. Juni 2020, 13:58 Uhr
Der Zürcher Superspreader-Event wirft Fragen auf. (Symbolbild)
© Keystone
Der Zürcher Superspreader-Event wirft hohe Wellen. Die Öffnung der Klubs und Bars sei zu früh erfolgt, beanstanden die einen. Experten fordern eine ID-Pflicht. Der Luzerner Klub Rok zeigt, wie man Contact Tracing besser umsetzen kann und wieso man als «Donald Duck» nicht reinkommt.

Der Superspreader-Event von letzter Woche hat nicht nur für die angesteckten Personen Folgen. Der Fall zeigt auch die Lücken der Schutzkonzepte auf. Viele Gäste hätten falsche Personalangaben gemacht und könnten deswegen nicht von den Contact Tracing Teams kontaktiert werden. Marcel Salathé von der Corona-Taskforce des Bundes forderte deswegen eine ID-Pflicht an den Klub-Türen (PilatusToday berichtete).

Im Luzerner Klub «Rok» gehört die ID-Pflicht bereits zum Schutzkonzept. «Wir nehmen die Angaben jeder Person auf und überprüfen diese mit dem Personalausweis. Und zwar sowohl beim Eintritt als auch beim Verlassen des Klubs», erklärt Phil Kathriner. Dies sei zwar umständlicher, ermögliche aber eine viel genauere Rückverfolgung darüber, wer wen zu welchem Zeitpunkt angesteckt haben könnte.

Sichereres Contact Tracing mittels QR-Code

Gleichzeitig setze man zur Aufnahme der Personendaten auf QR-Codes, die am Eingang angebracht sind. Dazu brauche es auch keine App. «Der Code kann mit der Smartphone-Kamera gescannt werden. Dies sendet automatisch eine SMS-Nachricht an uns. Die Gäste müssen lediglich ihren Namen angeben», so Kathriner. Dadurch sei sichergestellt, dass man zumindest die richtige Telefonnummer der Gäste erhält. Die Daten werden 14 Tage lang aufbewahrt und danach automatisch gelöscht, so der Klubbetreiber.

QR-Code, ID-Pflicht - alle diese Massnahmen sollen der genauen Datenerfassung dienen. Bundesrat Alain Berset will sich zu einer möglichen ID-Pflicht aber nicht äussern, so der Gesundheitsminister am Dienstagabend vor den Medien. Wichtig sei, dass das Contact Tracing wirklich funktioniere. «Die Qualität der Listen ist match-entscheidend. Eine Liste mit falschen Angaben bringt nichts. Keine Distanz, keine Maske und dann auch noch keine Liste – dann haben wir ein Problem!», so Berset. Kein Wunder, kommt es dann zu Superspreader-Events.

Zuger Kantonsarzt äussert Bedenken

Für den Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri kommt der Zürcher Vorfall nicht überraschend. «Gerade bei den Klubs gab es immer Bedenken». Beim Feiern komme man sich zwangsläufig näher und dies berge ein erhöhtes Infektionsrisiko. Für die Frage, ob die Wiedereröffnung der Klubs und Bars zu früh erfolgte hat der Kantonsarzt Verständnis. «Wenn wir die erneute Ausbreitung des Virus verhindern möchten, so müssen wir diese Diskussion führen.» Rudolf Hauri empfiehlt Klubgängern auch im Nachtleben die Abstandsregeln und Hygienemassnahmen unbedingt einzuhalten, auch wenn es schwerfällt: «Dafür kann man beruhigter den übrigen Teil des Nachtlebens geniessen.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 30. Juni 2020 06:17
aktualisiert: 30. Juni 2020 13:58