Lehrermangel

Ehemaliger Lehrer: «Gute Lehrpersonen gibt es auch ohne Ausbildung»

21. August 2022, 16:14 Uhr
Die freien Lehrerstellen zu besetzen, ist für die Schulen dieses Jahr besonders schwierig. Deshalb werden auch nicht ausgebildete Personen eingestellt. Das sei nicht nur schlecht, sagt Alfred Neff, der über 40 Jahre unterrichtete. Quereinsteigende unterrichten zu lassen, bringe auch Chancen.
Leere Klassenzimmer wird es zum bevorstehenden Schulanfang zwar nicht geben, aber das Problem des Lehrermangels ist nicht nachhaltig gelöst. (Symbolbild)
© Keystone/SALVATORE DI NOLFI
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Wenn am kommenden Montag wieder in den meisten Zentralschweizer Gemeinden die Schule beginnt, ist es auch für viele Lehrpersonen ohne entsprechendes Diplom der erste Schultag. Denn: Der Schweiz mangelt es an Lehrkräften. Wie der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz in einer Mitteilung schreibt, hat etwa jede zehnte Lehrperson im Kanton Zug bei Schulbeginn keinen entsprechenden Ausweis.

Damit die Qualität nicht leidet, wollen die Kantone Abhilfe schaffen, indem sie etwa mehr Klassenhilfen engagieren und dies neu auch auf allen Stufen der Volksschulen. Zudem sollen die Lehrkräfte von administrativen Aufgaben entlastet werden.

Auch im Kanton Schwyz sei es schwierig gewesen, die offenen Stellen mit ausgebildetem Fachpersonal zu ersetzen, so Tanja Grimaudo Meyer vom Amt für Volksschulen und Sport Schwyz. Man sei nicht drumrum gekommen, Lehrkräfte ohne entsprechende Ausbildung einzustellen, wolle diese aber so gut wie möglich entlasten. «Die Schulleitungen werden ihr Bestes tun, um Lehrpersonen ohne vollständige oder stufengerechte Ausbildung in ihrer Arbeit zu unterstützen. Die Arbeit in den Schulen bleibt weiterhin anspruchsvoll, nichtsdestotrotz sehen wir dem Schulstart positiv entgegen.»

Alfred Neff sieht die Besetzung der Stellen durch Quereinsteigende als Chance. Der ehemalige Oberstufenlehrer hat in seiner Lehrerkarriere von 42 Jahren einige Erfahrung gesammelt.  «Manchmal bringt der Sprung ins kalte Wasser mehr, als eine Pädagogische Hochschule zu besuchen», sagt der 72-Jährige, der die meiste Zeit an der Mittelpunktschule Schwyz unterrichtete.

Neff weiss noch gut, wie es war, als auch er den Sprung ins kalte Wasser wagen musste: «Ich kann mich noch erinnern, als ich an einer Oberstufenschule für den Physikunterricht einspringen musste. Da hatte ich knapp einen Monat Vorlaufzeit.» Obwohl er am Anfang viel Stoff nachholen musste, sei er mit der Klasse zusammen gewachsen.

Schülerinnen und Schülern fehlt es immer mehr an Respekt

Komme hinzu: Vieles, was eine Lehrperson ausmache, lerne man im Unterricht selbst und nicht in der Hochschule, so etwa die Kontrolle über die Klasse. Gerade während Alfred Neffs ersten Jahren als Lehrer musste er sich immer wieder beweisen: «Oberstufenschüler testen oft die Grenzen, da braucht es ein dickes Fell.» Das Wichtigste sei der Aufbau einer Beziehung zu den Jugendlichen. Auch Intuition, Flexibilität und die Freude am Unterrichten, so Neff. «Ein Rezept, um als Lehrperson respektiert zu werden, gibt es nicht». Das sei für ihn auch mit ein Grund, warum Abgängerinnen und Abgänger der Pädagogischen Hochschule den Beruf wechseln.

(str)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 21. August 2022 11:58
aktualisiert: 21. August 2022 16:14