Unterricht in freier Natur

Eltern enttäuscht: Meggen muss die Waldschule verkleinern

Anita von Rotz, 22. November 2022, 08:48 Uhr
Nach knapp zwei Jahren ist in Meggen für viele Kinder schon wieder Schluss mit Unterricht im Wald. Die Gemeinde hat sich entschieden, die Naturbasisstufe teilweise wieder abzuschaffen – obwohl diese viel Anklang fand.

Quelle: Tele 1

Anzeige

Es ist nur knapp zwei Jahre her, als die Gemeindeschule Meggen voller Stolz zur Besichtigung der ersten öffentlichen Naturbasisstufe der Schweiz einlud – also altersdurchmischtes Lernen in freier Natur vom Kindergarten bis zur 2. Klasse. Nun sind die Tage der Naturschule im Gebiet Tschädigen in dieser Form gezählt.

Ab Sommer 2023 betreibt die Gemeinde dort «nur» noch einen Naturkindergarten wie davor. Dies, da es ein befristetes Pilotprojekt bis Sommer 2023 war und einige Rahmenbedingungen nicht eingehalten werden konnten. Die Gemeinde informierte die Eltern der betroffenen 50 Kinder schriftlich darüber. Die Enttäuschung ist für viele Eltern gross.

«Hinterlässt einen faden Beigeschmack»

«Ich finde es sehr schade», sagt Lukas Gehrig, Vater eines betroffenen Kindes. Die Schule und die Lehrpersonen hätten die letzten Jahre viel in dieses Projekt investiert und nun soll alles so abrupt vorbei sein. «Das verstehe ich nicht. Ich hatte auch das Gefühl, dass die Lernziele von den Kindern erfüllt wurden.»

Die Schulleitung und die Gemeinde hätten ausserdem mehrfach betont, wie begeistert man von der Naturbasisstufe ist. «Das hinterlässt bei mir einen faden Beigeschmack», sagt Gehrig weiter. Zudem seien für ihn die Argumente gegen eine Weiterführung der Naturschule bis in die 2. Klasse nicht hieb und stichfest.

Wald wurde zu stark beansprucht

Die Gemeinde begründet das Ende der erweiterten Waldschule damit, dass gewisse Bauten nicht der gesetzlichen Norm entsprechen und der Wald zu stark beansprucht wird. Dies vor allem, weil man die Schule von zwei auf drei Klassen vergrössert hat.

«Mit der Redimensionierung des Naturschulangebotes auf den ursprünglichen Naturkindergarten schafft die Schule Meggen wieder einen Zustand, welcher von den kantonalen Stellen bewilligt werden kann», schreibt die Gemeinde weiter. Dies sei möglich dank weniger Bauten und Nutzung. Mit zwei Kindergartenklassen könne man zudem rund 20 Kinder pro Jahr aufnehmen, doppelt so viele wie bei der Basisstufe.

Die Begründung, dass der Wald von den Kindern zu stark beansprucht wird, kann Lukas Gehrig nicht nachvollziehen. Er ist nicht nur ein betroffener Vater, sondern auch der zuständige Förster für das Gebiet Tschädigen und hatte somit viel mit den Kindern im Schulalltag zu tun. Er habe selbst gesehen, dass der Wald mit Respekt behandelt werde. «Beispielsweise als Brutzeit für die Vögel war, durften die Kinder nicht in den Wald. Dies haben die Kinder akzeptiert und eingehalten.» Die Waldbeanspruchung sei sehr gezielt und gesteuert gewesen.

Doch Fakt ist: Gewisse Bauten haben nicht den gesetzlich korrekten Abstand zum Wald und die Bauzonen wurden teils nicht eingehalten. Darum ist im Sommer 2023 definitiv Schluss mit der Waldschule bis in die 2. Klasse in Meggen.

Baar will auch eine Waldschule – aber für alle Altersstufen

Anders in Baar. Dort hat die Bevölkerung im September einem Baukredit von 330'000 Franken für eine Waldschule zugestimmt. Ein altes Munitionsdepot im Naherholungsgebiet Höllwald soll zu einem Waldschulhaus für gut 2200 Schülerinnen und Schüler umgebaut werden.

In Baar soll es im Gegensatz zu Meggen dann Raum für alle Schulstufen geben. Also vom Kindergarten bis in die Oberstufe. «Der Standort eignet sich auch gut für ältere Schülerinnen und Schüler für Projekthalbtage, Projekttage und ganze Projektwochen», sagt Rektor Paul Stalder gegenüber PilatusToday und Tele 1. So könne die Waldschule für mehrere Tage genutzt werden, um grössere Unterrichtseinheiten durchzuführen.

Dieses alte Munitionslager an der Höllstrasse in Baar soll zur Waldschule werden.

© Zuger Zeitung / Christian H. Hildebrand

Keine Angst zu scheitern

Stalder hat keine Bedenken, dass die Waldschule das gleiche Schicksal wie in Meggen erleiden könnte. «Im Vorfeld wurde eine breite Bedarfsabklärung bei den verschiedenen Nutzergruppen durchgeführt, welche aufzeigt, dass die Waldschule ein echtes Bedürfnis ist. Gerade auch der Standort der Waldschule im Naherholungsgebiet Höllwald ist dafür sehr geeignet», erläutert er.

Doch bevor jemand im und um die Waldschule unterrichten kann, muss die Gemeinde Geld in die Hand nehmen: für einen neuen Anstrich, neue Dachziegel, Strom und Wasserleitung, Innendämmung oder einen neuen Boden.

Bezugstermin ist der Sommer 2023

Auch die Schülerinnen und Schüler sollen ihren Beitrag zur neuen Waldschule leisten, etwa, indem sie bei Isolation oder beim Streichen mithelfen. «Bei der Instandstellung der Waldschule will die Schule durch diverse Eigenleistungen einen engeren Bezug zum Projekt schaffen und die Kosten senken.» Vor allem die Oberstufe soll in den Projektwochen in den Umbau miteinbezogen werden. Die Waldschule in Baar soll dann im Sommer 2023 einzugsbereit sein.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 21. November 2022 18:36
aktualisiert: 22. November 2022 08:48