Wegen Personalmangel

Erste Restaurants müssen Öffnungszeiten reduzieren

Marcel Jambé, 17. Juni 2022, 08:00 Uhr
Weil in der Gastronomie schweizweit Fachkräfte fehlen, sehen sich viele Lokale gezwungen, den Betrieb reduziert zu führen oder ganz zu schliessen. Trotzdem sind Restaurantbetreiber und Verbände zuversichtlich, dass es bald wieder bergauf geht.
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Quelle: Tele 1

Auf 1’575 Meter über dem Meer liegt das Berggasthaus Niederbauen in Emmetten. Normalerweise werden hier die Gäste sieben Tage die Woche bedient. Nicht so im Moment: «Dieses Jahr bleiben wir an den Montagen zum ersten Mal seit 14 Jahren geschlossen, weil wir zu wenig Personal haben», erklärt Christine Ineichen, Geschäftsführerin des Niederbauen. Vor allem im Service mangelt es an Personal. Studierende, die normalerweise aushelfen, oder Hausfrauen, die stundenweise arbeiten, würden dieses Jahr besonders fehlen.

«Das Restaurant Niederbauen bei Emmetten ist ein Ausflugsziel, dementsprechend benötigen wir bei schönem Wetter mehr Personal», meint Ineichen. Durch den Personalengpass wird die aktuelle Belegschaft noch mehr belastet als sonst. Auch die Geschäftsführerin selbst muss anpacken: Christine Ineichen arbeitet aktuell sechs Tage die Woche.

30'000 Fachkräfte fehlen in der Schweiz

Das Berggasthaus Niederbauen steht mit diesem Problem nicht allein da. «Rund 30'000 Gastro-Mitarbeiter fallen schweizweit weg», erklärt Ruedi Stöckli, Präsident von GastroLuzern. Derzeit sei die Situation dramatisch:

Dies habe unter anderem mit Corona zu tun. Wir erinnern uns: Während der Pandemie mussten die Gastro-Betriebe für eine längere Zeit geschlossen bleiben. «Dadurch wechselten viele die Branche. Jetzt fehlt uns dieses Personal», erklärt Stöckli.

Auch neue Fachkräfte zu finden, ist laut dem Präsidenten von GastroLuzern nicht einfach. «Viele haben Angst, dass ein solches Szenario wie während der Pandemie nochmals eintreten könnte, sprich dass Lokale wieder schliessen müssen.» Einige Leute würden schon von der nächsten Pandemie-Welle sprechen, die im Herbst auf uns zukommen könnte. «Das ist Gift für uns!»

Höhepunkt des Fachkräftemangels wohl erreicht

Trotzdem zeigt sich Ruedi Stöckli zuversichtlich, dass es bald wieder bergauf geht. «Ich glaube, die Talsohle des Fachkräftemangels ist erreicht.» Hoffnung macht ihm auch der Fünf-Punkte-Plan, der Ende Mai an der Delegiertenversammlung von GastroSuisse beschlossen wurde. Mit diesem will man die Fachkräfte wieder zurückbringen und neue Leute rekrutieren (siehe Box unten). Stöckli ist sich aber auch bewusst, dass dies nicht von heute auf morgen geschieht. «Das braucht seine Zeit.»

«Gastronomie ist ein sehr schöner Beruf»

In den Medien ist zum Teil zu lesen, dass die Gastro-Branche ein schlechtes Pflaster ist. Dem widerspricht Christine Ineichen vom Berggasthaus Niederbauen. «Die Gastronomie ist ein sehr schöner Beruf. Auch die Löhne stimmen. Keine Ahnung, warum dies immer kritisiert wird. Es gibt andere Branchen, in denen die Löhne viel tiefer sind.»

Christine Ineichen lässt sich die Stimmung trotz Personalmangel nicht verderben. Die Sommersaison fängt erst jetzt richtig an. «Die Leute werden zurückkommen. Und wenn man die Gastro-Leidenschaft im Blut hat, wird man auch selbst zurückkommen», zeigt sich Ineichen zuversichtlich. Ausserdem hofft sie beim Personalmangel auf das Verständnis der Gäste.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 17. Juni 2022 06:15
aktualisiert: 17. Juni 2022 08:00
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