Rauer Ton der Fans

Experte erwartet keinen Impf-Boom – trotz prominenten Aushängeschildern

Anita von Rotz, 15. November 2021, 15:07 Uhr
Immer mehr Prominente äussern sich auf Social Media zum Impfthema – ob nun dafür oder dagegen. Von Fans gibt es dafür in den Kommentaren zunehmend Kritik. Wir haben bei einem Medienpsychologen nachgefragt, wie er die Diskussionen einordnet.
Kunz erntet von Fans Kritik, dass er an der nationalen Impfwoche ein Gratiskonzert gegeben hat.
© Boris Macek
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Der Luzerner Musiker Kunz zum Beispiel erntete von Fans Kritik, dass er sich an der nationalen Impfwoche beteiligte (PilatusToday berichtete).  Kommentare wie: «Ich weiss gerade nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Aber potzhässig macht es mich sowieso.» Oder: «Ich bin sehr enttäuscht, dass ihr da mitmacht», waren unter der Ankündigung des Künstlers zu lesen.

Marco Kunz war überrascht von dem teilweise rauen Ton seiner Fans. Gegenüber PilatusToday und Tele 1 sagte er, dass es wichtig sei, das Gespräch zu suchen und gemeinsam eine Lösung zu finden, wenn man nicht derselben Meinung ist. Das findet der Luzerner Medienpsychologe Stefan Caduff jedoch schwierig. «Die Impfgegner wollen sich nicht auf einen konstruktiven Diskurs einlassen und lassen andere Meinungen als ihre eigene mehrheitlich nicht zu.»

Auch als Promi muss man sich nicht alles gefallen lassen

Trotzdem findet er es gut und wichtig, dass man auch als Person des öffentlichen Lebens, wie Kunz eine ist, seine Meinung zum Impfthema kundtut. Aber: «Informiert euch richtig», betont Caduff. Denn gerade die Impfgegnerinnen und Impfgegner hätten vielfach Argumente, die nicht belegt sind. Doch wenn man selbst nicht richtig informiert ist, kann das auch nach hinten los gehen.

Und man müsse sich auch als Promi nicht alles gefallen lassen. «Man sollte nicht zu sehr auf Provokationen reagieren. Denn genau das wollen in dem Fall die Impfgegner.» Wenn es wirklich klare Angriffe gegen die Person sind, sollte man diese ignorieren. Und alles was im strafbaren Bereich ist, immer zur Anzeige bringen, findet Caduff. «Denn Leute, welche bedrohen oder beleidigen sollte man bestrafen.»

Grosser Impf-Boom dank Promis nicht realistisch

Letzte Woche hat sich auch 10vor10-Moderator Arthur Honegger an die Impfskeptiker gewendet. Auf Twitter schrieb er: «Liebe Impfskeptiker: Ich verstehe euch. Mehr noch: Ich war einer von euch. Letztes Jahr, als klar wurde, dass die Impfung kommt, hatte ich eine Menge Fragen: So schnell wurde das entwickelt? Mit neuer Technologie? Brauche ich das wirklich? Seitdem ist viel passiert.»

Solche Aussagen seien ein grosser Gewinn für die Impfkampagne, sagt Caduff. Denn wenn man die Person mag, könne es schon sein, dass das gewisse Leute umstimmen kann. «Aber auch solche Statements, wie jenes von Honegger, werden nicht zum grossen Impf-Boom in der Schweiz führen», ist sich Caduff sicher. Dafür gäbe es zu viele Impfkritiker in der Schweiz.

Das wird auch in den Kommentaren auf Twitter ersichtlich. User schreiben unter dem Post zum Beispiel: «Arthur, was qualifiziert dich zu einer Empfehlung einer medizinischen Intervention? Überlass doch das den Ärzten. Die Impfpropaganda von euch SRF Journalisten kann ich nicht mehr hören.» Oder: «Du bist und bleibst der grösste bildungsfremde Voll......usw.!! Nur Ungeimpfte sind frei!!» Oder auch: «Hoffe sie können gut schlafen mit dieser Werbung für gefährliche und schädliche Impfung ohne Nutzen (doppelt geimpft und doch Corona auf Intensivstation und sogar gestorben).»

So hat Tele1 über das Impf-Konzert mit Kunz in Luzern berichtet

Quelle: Tele1

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 15. November 2021 15:07
aktualisiert: 15. November 2021 15:07