Gestiegene Nachfrage

Gefragte Lebensmittel: Schweizer Tafel ist am Anschlag

25. November 2022, 17:48 Uhr
Der Ukraine-Krieg, die Inflation und Nachwirkungen der Corona-Pandemie verringern das verfügbare Budget von Zentralschweizer Familien. Deshalb wird vermehrt das Angebot der Schweizer Tafel genutzt – eine Institution, die Lebensmittel vor Foodwaste schützt und an Bedürftige verteilt.

Quelle: PilatusToday/Andreas Wolf

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Die Schweizer Tafel sammelt in der gesamten Schweiz Speisereste von Detailhändler ein, sortiert diese und gibt sie an Bedürftigen ab. In der Zentralschweiz können so täglich bis zu vier Tonnen Lebensmittel vor Foodwaste gerettet werden. Von den Lebensmittel profitieren unter anderem Geflüchtete, Familien in Armut oder die Gassenküche.

Nachfrage steigt

Die Helferinnen und Helfer der Schweizer Tafel sind jedoch zunehmend am Anschlag. «Die Nachfrage nach Lebensmitteln ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen», sagt Sabrina Munz, Verantwortliche Marketing und Kommunikation der Schweizer Tafel.

Aber nicht nur die gestiegene Nachfrage, auch das abnehmende Angebot an Lebensmittel macht der Stiftung zu schaffen. «Viele Detailhändler sind bemüht, Foodwaste zu reduzieren und haben eigene Programme dafür.» Dies sei zum einen gut, zum anderen könne die Tafel weniger Lebensmittel einsammeln.

Munz erklärt: «Wir fahren daher immer mehr Detailhändler und Filialen an, damit wir auf dieselbe Menge kommen wie früher.» Dazu werden mehr Ressourcen und weitere Fahrzeuge, die weitere Touren fahren, benötigt. «Wir müssen deshalb zusätzliche Spenden generieren, um die Schweizer Tafel finanzieren zu können», fasst sie zusammen.

Nachfrager sind Geflüchtete, aber auch Schweizer

Eine der belieferten Institutionen ist die Pfarrei in Littau. «Für uns ist das Angebot sehr wichtig», betont Angelika Koch, Sozialdiakonieverantwortliche. Auch sie spüre die steigende Nachfrage. «Wir haben mittlerweile 40 bis 60 Menschen, die sehr dankbar sind, bei uns Essen abholen zu können.» Davon seien viele Geflüchtete aus der Ukraine, Syrien, Eritrea oder Afghanistan. «Aber zunehmend auch Schweizer Familien», ergänzt Koch.

Rege nachgefragt wird auch beim Paradiesgässli in Luzern. «Vor allem Milchprodukte und spezielle Güter, wie beispielsweise Smoothies, sind sehr beliebt», meint Vero Beck. Laut der Betriebsleiterin werden aber auch die restlichen Lebensmittel rasch abgeholt. «Meistens kommt alles weg. Und falls nicht, legen wir es in einen Kühlschrank von Madame Frigo

Pensionär beliefert die Zentralschweiz

Geliefert werden die Lebensmittel und anderem von Georg Wieser. Er ist Jungpensionär und seit elf Monaten bei der Schweizer Tafel als freiwilliger Helfer dabei. Etwa einmal pro Woche ist er für die Tafel unterwegs. «Ich will der Gesellschaft etwas zurückgeben», erklärt er. Es sei ihm wichtig, dass die Lebensmittel nicht einfach so weggeworfen würden. «Lebensmittel sind Mittel zum Leben – es ist doch super, wenn sie so weiterhin verwertet werden können.»

Georg Wieser von der Schweizer Tafel beliefert Institutionen in der ganzen Zentralschweiz.

Wieser mag seine Beschäftigung. «Wenn ich ein Lächeln erzeugen kann, wenn ich die Lebensmittel abgebe, ist das wunderbar. Es ist eine sehr dankbare Aufgabe, den einen oder anderen Glanz in den Augen zu sehen oder wenn mir jemand sagt: Heute ist wie Weihnachten.»

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 25. November 2022 17:48
aktualisiert: 25. November 2022 17:48