Zentralschweiz

Genug Lehrkräfte fürs neue Schuljahr – mit Kompromissen

18. August 2022, 08:58 Uhr
Ab nächster Woche beginnt für viele Schülerinnen und Schüler in der Zentralschweiz das neue Schuljahr. Damit diese auch unterrichtet werden können, brauchte es Kreativität der Schulen: Alle freien Stellen in der Zentralschweiz sind besetzt, wenn auch zum Teil durch Lehrpersonal ohne Diplom. Und: Krankheitsausfälle können nicht in jedem Fall kompensiert werden.
Der Lehrermangel ist nicht mehr so akut wie noch zu Beginn des Jahres.
© Keystone/Gaetan Bally
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Vielerorts mussten Pensen aufgestockt oder Personen ohne entsprechende Diplome angestellt werden. Jede zehnte Lehrperson hat beispielsweise im Kanton Zug bei Schulbeginn keinen entsprechenden Ausweis, so der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz in einer Mitteilung. Etwas Entlastung bringen sollen mehr Klassenhilfen – neu auf allen Stufen der Volksschule. Zudem sollen die Lehrkräfte von administrativen Aufgaben entlastet werden.

Schwyz kämpft mit Personalmangel

An einem Lösungsmodell arbeitet der Kanton Schwyz, denn der Lehrermangel in den Schulen habe sich zugespitzt, so Tanja Grimaudo Meyer vom Amt für Volksschulen und Sport. Dies sei für die Schulen eine grosse Herausforderung. Für dieses Schuljahr konnten genug Lehrkräfte eingestellt werden, trotzdem bleibe die Situation angespannt. Allerdings verfügen nicht alle Personen über den vorausgesetzten Ausbildungsabschluss. Zudem mussten Klassen teilweise zusammengelegt werden, so Meyer.

Im Kanton Luzern haben zahlreiche Massnahmen geholfen, die Klassenlehrstellen bis auf eine Stelle zu besetzen, so Martina Krieg, Leiterin der Dienststelle für Volksschulbildung im Kanton Luzern. Dazu gehören die Aktivierung von pensionierten Lehrpersonen, Werbung bei PH-Abschlussklassen aller Stufen oder telefonische und schriftliche Beratung.

«Die Besetzung der Stellen war eine grosse Herausforderung. Die Schulleitungen werden ihr Bestes tun, um Lehrpersonen ohne vollständige oder stufengerechte Ausbildung in ihrer Arbeit zu unterstützen. Die Arbeit in den Schulen bleibt weiterhin anspruchsvoll, nichtsdestotrotz sehen wir dem Schulstart positiv entgegen», so Martina Krieg. Für den Herbst 2023 werde zudem analysiert, warum der Kanton gerade unter Lehrermangel leiden. Es sollen die Anstellungsbedingungen, die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie die Belastungssituation von Lehrpersonen untersucht werden.

Schulen in Obwalden bereit

Auch in Obwalden zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Gemeinde Alpnach ist aktuell gut ausgerüstet. «Im Moment sind alle Stellen mit Personen mit Lehrdiplom besetzt», so die Schulleitung auf Anfrage. Nur wenige Stellenprozente seien durch Lehrpersonen in Ausbildung besetzt. Bereits nach den Herbstferien seien aber noch Stellvertretungen zu besetzen.

Knapper ist die Situation in Lungern. Hier wurden zwei Teilpensen mit Personen ohne Lehrdiplom besetzt, schreibt Gesamtschulleiter Andreas Kneubühler auf Anfrage: «Die Besetzung der offenen Stellen war sehr anspruchsvoll.» Er warnt: «Unvorhersehbare Ausfälle werden wir nur schwer auffangen können.»

Auch in Sarnen sei die Personalrekrutierung sehr anspruchsvoll, schreibt Rektorin Cornelia Slattner. So konnten die Klassenlehrpersonenstellen mit ausgebildeten bzw. qualifizierten Lehrpersonen besetzt werden, eine Klassenlehrperson befinde sich in Ausbildung. Slattner dazu: «Wir können ohne Vakanzen in das Schuljahr starten. Darüber sind wir sehr froh.»

Eine positive Bilanz ziehen auf Anfrage die Kantone Uri, und Nidwalden. Alle freien Stellen konnten besetzt werden.

(str/zno)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 18. August 2022 06:36
aktualisiert: 18. August 2022 08:58