Mittel gegen Stromknappheit

Hier hat die Zentralschweiz noch Potenzial bei der erneuerbaren Energie

Marcel Jambé, 29. September 2022, 09:47 Uhr
Bald könnte der Strom aus der Steckdose knapp werden. Deshalb wird aktuell im Ständerat über den Ausbau der erneuerbaren Energien diskutiert. Die Zentralschweizer Stromlieferanten sehen durchaus noch Potenzial.
Bald könnte der Strom aus der Steckdose knapp werden. Deshalb wird aktuell im Ständerat über den Ausbau der erneuerbaren Energien diskutiert.
© KEYSTONE/VALENTIN FLAURAUD
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Luzern

Im Kanton Luzern sind für die Stromversorgung in erster Linie die CKW und die ewl zuständig. Das Potenzial, zusätzlichen Strom im Kanton zu produzieren, sieht die CKW in verschiedenen Bereichen. Sie will beispielsweise neue Windparks im Kanton bauen. Insgesamt sollen dafür 20 Turbinen auf drei Hügelzügen in Pfaffnau, Willisau und Ruswil installiert werden. Diese würden über 30'000 Haushalte mit Strom versorgen. Kommendes Jahr soll darüber abgestimmt werden. Ausserdem sieht die CKW bei der Sonnenenergie und der Biomasse enormes Potenzial. Dafür baut sie diese Bereiche laufend aus.

Bei Energie Wasser Luzern ewl sieht man das grösste Potenzial in der Sonnen-, Wind- und Wasserenergie. Kurzfristig lasse sich allerdings nur die Solarenergie ausbauen, da die Wind- und Wasserenergie aufwendiger im Planungs- und Bewilligungsverfahren seien.

Nidwalden

Der Nidwaldner Strom setzt sich aus verschiedenen Quellen zusammen. Einerseits aus Wasserenergie und kantonalen Privatproduzenten, andererseits aus gefördertem Strom und zum Teil aus Kernenergie. Hauptlieferant des Stroms für den Kanton sind die Elektrizitätswerke Nidwalden EWN.

Als zusätzliches Potenzial bei der Stromgewinnung nennt der Kanton die Solarenergie und der dazugehörige Ausbau der Photovoltaikanlagen. Das neue kantonale Energiegesetz, welches seit 2021 in Kraft ist, schreibt bei Neubauten vor, dass ein Teil des Strombedarfs selbst produziert werden muss oder dass man sich an einer Gemeinschaftsanlage beteiligt. Wenig Potenzial sieht Nidwalden aus topografischer Sicht in der Windenergie.

Obwalden

Das Elektrizitätswerk Obwalden EWO ist für die Stromversorgung im Kanton verantwortlich. Die Obwaldner Haushalte können zwischen Natur- und Mix-Strom wählen. Der Mix besteht zu 60 Prozent aus Krenkraft und 40 Prozent aus Wasserkraft. Gemäss Angaben des Kantons ist man daran zu prüfen, welche Möglichkeiten für eine Speicherkapazitätserhöhung vorhanden sind. Welche Bereiche ausgebaut werden könnten, wurde nicht genannt.

Schwyz

Im Kanton Schwyz wurden im Jahr 2020 insgesamt 539 Gigawattstunden Strom produziert. Dies entspricht gemäss dem Kanton fast 60 Prozent des jährlichen kantonalen Strombedarfs.

Laut der laufenden Richtplanrevision des Kantons Schwyz wäre noch ein Windkraftpotenzial von etwa 65 Gigawattstunden pro Jahr vorhanden. Ausserdem könnte man den gesamten Strombedarf im Kanton abdecken, wenn man sämtliche geeigneten Dachflächen für Solarenergie nutzen könne, so der Kanton.

Uri

Der Kanton Uri produziert viel erneuerbare Energie, die hauptsächlich aus Wasserkraft gewonnen wird. Der Kanton betont, dass die Urner Werke deutlich mehr Strom produzieren, als verbraucht wird. Als Beispiel: Von der Reusskaskade kommt 40 Prozent des gesamten Bahnstroms der Schweiz.

Ein weiterer wichtiger Produzent in Uri ist die CKW, konkret beim Kraftwerk Göschenen mit dem Göscheneralpsee. Bei einem Überschuss wird Wasser in einem höher gelegenen Pumpspeicherkraftwerk gespeichert. Allerdings muss man mit einem Verlust von 20 bis 25 Prozent rechnen.

Der Göscheneralpsee ist ein Stausee, der zum Betrieb des Kraftwerks Göschenen genutzt wird.

© KEYSTONE/Urs Flueeler

Im Rahmen der Gesamtenergiestrategie will der Kanton Uri in verschiedenen Bereichen die Produktion ausbauen. So sind unter anderem neue Wasserkraftwerke geplant. Dadurch könnte die Wasserkraft um bis zu 100 Gigawattstunden ausgebaut werden. In der Solarenergie besteht laut dem Kanton ein grosses Potenzial bei überbauten Flächen.

Ausserdem soll im Bereich Windenergie vor allem am Gütsch der Windpark erneuert und ausgebaut werden. Auch sieht die Gesamtenergiestrategie Massnahmen im Effizienzbereich vor. Bereits heute lasse sich viel Energie sparen, ohne mit einem Komfortverlust rechnen zu müssen, schreibt der Kanton.

Zug

Der Strom, der im Kanton Zug erzeugt wird, stammt zu fast 48 Prozent von Solarstromanlagen, zu 40 Prozent aus Wasserkraft und zu 12 Prozent aus Biomasse. Weiter erklärt der Kanton, dass jedes Jahr rund 90 Gigawattstunden erneuerbarer Zuger-Strom produziert wird. Dies entspreche etwas mehr als 10 Prozent des Strombedarfs des Kantons. Dabei beliefern mehrere Verteilnetzbetreiber den Kanton mit Strom.

Als einzig namhaftes Potenzial für Stromproduktion nennt der Kanton Zug die Photovoltaik. Das Potenzial für Wasserkraft sei bereits nahezu ausgeschöpft. Dasselbe gelte für die Stromerzeugung aus Biomasse. Als geringes Potenzial für die Stromproduktion wird die Windenergie angegeben. Es gebe schlicht zu wenig Standorte mit genügend Wind.

(mja)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 29. September 2022 09:50
aktualisiert: 29. September 2022 09:50