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Jagdsaison

Hirsche sollen in der Zentralschweiz reduziert werden

Marcel Jambé, 30. September 2021, 08:56 Uhr
Wir stehen mitten in der Jagdsaison. Im Visier stehen unter anderem Hirsche, Rehe und Gämse, die unterschiedlich reguliert werden. Wir haben die Zahlen einfach und verständlich zusammengetragen und zeigen auf, was sie überhaupt bedeuten.
In der Schweiz stieg die Zahl der Rothirsche in den letzten zehn Jahren kontinuierlich an.
© PilatusToday

Eine Nachfrage bei den Zentralschweizer Kantonen zeigt ein klares Bild: Der Rothirsch ist als Abschussziel von grosser Bedeutung. Vier der sechs Kantone wollen einen sinkenden Bestand der Tiere. In der ganzen Schweiz stieg die Zahl der Rothirsche in den letzten zehn Jahren fast kontinuierlich an. Bei den Rehen zeichnet sich auf der anderen Seite bezüglich dem Abschussziel eine Stabilisierung ab. Bei den Gämsen ist der Trend von Kanton zu Kanton unterschiedlich – jedoch liegt die Tendenz eher bei einer Stabilisierung.

Jagd schützt vor Überpopulation und Wildverbiss

Nicht selten werden Jägerinnen und Jäger wegen der Jagd auf Wildtiere kritisiert – meistens zu Unrecht. Denn eine kontrollierte Regulierung oder Eingriff in den Wildbestand schützt die Natur. Die Wildtiere haben keine natürlichen Feinde wie beispielsweise Wölfe oder Bären, was zu einer Überpopulation führen würde. Dies würde bei den Wäldern zu einem übermässigem Wildverbiss führen, also dem Abreissen von Knospen, Blättern oder Zweigen. Ein hoher Wildverbiss wiederum verhindert die Verjüngung und das Nachwachsen eines Waldes. Gleichzeitig sind Knospen, Blätter und Zweige der Waldbäume Teil der Nahrung der Waldtiere. Ist der Wildbestand angepasst, sichert dieser in der Winterzeit vielen Tieren das Überleben und schützt sie vor dem Verhungern.

Wildbestand in der Zentralschweiz

In den nachfolgenden Grafiken wird einerseits der Bestand aufgezeigt, der im Frühjahr getätigt worden ist. Ganz exakt ist eine solche Zählung aber nie, da es unmöglich ist, alle Wildtiere zu erwischen. Das Ziel zeigt auf, wie man den Bestand in einer Saison regulieren will. Der Eingriff beschreibt den geplanten jagdlichen Eingriff, also wie viele der Tiere reduziert werden sollen. Der Trend beschreibt die Entwicklung der Population der Wildtiere in den letzten Jahren.

Der Kanton Luzern hat als einziger Zentralschweizer Kanton das Revierjagdsystem – alle anderen haben das Patentsystem. Das Revierjagdsystem erlaubt mehr zeitlichen Spielraum, um die Abschussziele zu erreichen. Laut Christian Hüsler, Fachbearbeiter Jagd und Wildhüter Kanton Luzern, war nie eine Nachjagd notwendig, da das Ziel beim Reh jeweils knapp und beim Rotwild (Jägersprache für Rothirsche) bisher gut erreicht worden war. Beim Gamswild (Jägersprache für Gämse) wird in der Regel das Kontingent nicht ganz ausgeschöpft, jedoch haben sie eine langsamere Fortpflanzungsbiologie als beispielsweise das Reh und deswegen je nach Winter eine viel höhere Sterberate. Deshalb wird bei den Gämsen nicht überall zwingend verlangt, alle freigegebenen Tiere erlegen zu müssen.

Aktuell werden nicht mehr so viele Gämse zur Jagd freigegeben, da die Zahl in den letzten Jahren zurückgegangen ist, erklärt Fabian Bieri, Leiter Jagd und Fischerei Kanton Nidwalden. Somit soll die Grundlage geschaffen werden, dass der Bestand sich erholen kann. Da die Zahl der Rothirsche in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen hat, möchte man sie reduzieren. Die Zahl der Rehe bleibt in den vergangenen Jahren stabil. Wenn man bei den Rothirschen das Regulierungsziel nicht erreichte, griff man in der Vergangenheit nochmals mit einer Nachjagd im Winterbestand ein. Ein weiterer Grund dafür ist, dass Rothirsche im Sommer in einem anderen Gebiet sind als im Winter. Gleichzeitig kann auch der Anhäufung von mehreren Rothirschen an den gleichen Wintereinständen entgegengewirkt werden. Als Einstandsgebiet wird der Lebensraum der Tiere bezeichnet.

Bei den Rothirschen ist eine Nachjagd im Winter notwendig, so der Jagdverwalter des Kantons Obwalden, Cyrill Kesseli. Bei den Gämsen wurden in dieser Saison 108 Tiere erlegt. Deswegen ist bei diesen Tieren auch keine Jagd im Winter notwendig, da der Bestandsanstieg gewollt ist. Beim Rehwild (Jägersprache für Reh) ist eine Stabilisierung des Bestandes erwünscht.

Seit 2018 verfolgt man im Kanton Schwyz für die Bejagung des Rothirsches ein Projekt, mit dem Ziel den Bestand zu senken. Dies teilt Tamara Braun vom Amt für Wald und Natur Kanton Schwyz mit. Dafür wird in einem Zeitraum von fünf Jahren das Abschussziel bei 500 Tiere beibehalten.

2020 wurde die Vorgabe bei der Rehwildjagd vollumfänglich erfüllt, während die Gamswildjagd unter dem Ziel blieb. Um das Streckenresultat quantitativ zu verbessern, wurde in der Wildregion, in der die Ziele nicht erreicht wurden, Anfang November die Rothirschjagd nochmals eröffnet. Es gab also eine sogenannte Nachjagd.

In Uri gibt es nur für den Hirsch eine Nachjagd, teilt Josef Walker vom Amt für Forst und Jagd Kanton Uri mit. Während der zwei Wochen Hochwildjagd im September werden jeweils optimalerweise rund 65 Prozent des Kontingents, das zum Abschuss freigegeben wird, im grossen Sommereinstandsgebiet erlegt. Ab November gibt es während Einzeltagen eine Nachjagd auf Hirsche im kleineren Wintereinstandsgebiet, bei dem noch der Rest der Abschüsse getätigt werden sollen. Das Ziel beim Rotwild in den letzten Jahren ist, dass der Bestand sicher nicht weiter anwächst, beziehungsweise leicht sinken soll. Beim Reh- und Gamswild will man den Bestand stabil halten, teilweise sogar erhöhen. Dementsprechend soll der Abschuss auch unter dem Zuwachs liegen.

Gemäss Priska Müller vom Amt für Wald und Wild konnten sowohl beim Rot- und Rehwild die Abschussziele in den letzten Jahren immer erreicht werden, ohne das zusätzliche Reduktionstage freigegeben werden mussten. Das Gamswild wird im Kanton Zug erstmals in einem kleinen Gebiet bejagt.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 28. September 2021 18:04
aktualisiert: 30. September 2021 08:56