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Nach «Köpfler» querschnittsgelähmt

«Ich merkte relativ schnell, dass etwas mit meinem Körper nicht stimmt»

15. Juni 2021, 17:15 Uhr
Vor rund einem Jahr sprang der Zentralschweizer Nico Schmid mit einem Köpfler in den See und wachte Tage später querschnittsgelähmt auf. Das Paraplegiker-Zentrum in Nottwil warnt: «Jedes Jahr enden ‹Köpfler› mit einer Querschnittslähmung.» Tendenz steigend.
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Quelle: SPZ Nottwil / PilatusToday

Die heissen Temperaturen locken viele an Seen und Flüsse. Aber genau hier ereignen sich neben den Pisten die meisten Sportunfälle, die im Schweizer Paraplegiker Zentrum (SPZ) in Nottwil behandelt werden. Es sind vor allem junge Männer, die sich schwer verletzen. Mit einem Köpfler ins Wasser springen kann fatal enden, wenn das Wasser nicht genügend tief ist.

Das musste der Zentralschweizer Nico Schmid vor rund einem Jahr am eigenen Leib erfahren. Mit ein paar Freunden war er am See. Seine Freunde sprangen ins Wasser und tauchten wieder auf, erinnert er sich. Dann springt er mit einem Köpfler rein – und taucht nicht wieder auf. Das Wasser war nicht tief genug, er schlug sich den Kopf an und verlor das Bewusstsein. Seine Freunde fischen ihn aus dem Wasser. Nach einigen Tagen wacht er im Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil wieder auf und spürt seinen Körper ab dem Schlüsselbein nicht mehr.

Folgen fürs ganze Leben

Seither ist Nico Schmid ab dem fünften Halswirbel gelähmt. An den Unfall selbst kann er sich nicht mehr erinnern, er weiss nur aus Erzählungen seiner Freunde, was da passiert ist. «Das passiert innerhalb von Sekunden, hat aber Folgen auf das ganze Leben», sagt Anke Scheel, Leitende Ärztin am SPZ.

Meistens sind es zwei Kopfverletzungen, die zur Lähmung führen: Man schlägt an der Stirn an und der Kopf wird nach hinten überdehnt. Oder – wie in Nico Schmids Fall – knallt man flach auf den Kopf. Dabei werden wird das Rückenmark und die Wirbelsäule zusammengedrückt. «Freude und Lust, dann merkt man plötzlich, dass das Wasser nicht so tief ist, wie man dachte.»

Sechs Regeln beachten

In den letzten zwei Jahren verzeichnete die Nottwiler Klinik einen Anstieg an Patienten, die nach einem Badeunfall querschnittsgelähmt sind. «Dabei könnten einige dieser Unfälle vermieden werden», heisst es von Seiten der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG). Dazu gehört, eben nicht in trübe oder unbekannte Gewässer zu springen.

Weiter sollte man Kinder nicht unbeaufsichtigt lassen, nie unter Alkohol- oder Drogeneinfluss oder überhitzt ins Wasser gehen, nicht mit Luftmatratzen ins Tiefe Wasser und lange Strecken nicht alleine schwimmen. Um junge Menschen dafür zu sensibilisieren, führt die SLRG auch dieses Jahr wieder eine umfangreiche Präventionskampagne zur Wassersicherheit durch.

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 15. Juni 2021 17:11
aktualisiert: 15. Juni 2021 17:15