Studie zeigt

In der Zentralschweiz fehlen Plätze für gewaltbetroffene Mädchen

30. Juni 2022, 11:26 Uhr
Die Zahl der Gewaltstraftaten an Mädchen und jungen Frauen hat zugenommen. Laut einer Studie fehlen in den nächsten fünf Jahren bis zu 36 zusätzliche Schutzplätze, um den steigenden Bedarf zu decken. Betroffen ist auch die Zentralschweiz.
Unterkünfte für Mädchen, welche sich mit häuslicher Gewalt konfrontiert sehen, fehlen in der Zentralschweiz.
© Keystone

Von den schweizweit geschätzten 1043 Gewaltbetroffenen zwischen 14 und 17 Jahren wurde rund die Hälfte an Not- bzw. Schutzunterkünfte zugewiesen. Dies zeigen Zahlen aus dem Jahr 2020, die der Bundesrat am Mittwoch veröffentlicht hat. In der Zentralschweiz waren es gemäss Schätzungen 18 Personen.

Das Problem: In der Zentralschweiz gibt es aktuell keine Schutzunterkunft spezifisch für Mädchen und Jugendliche. Daher wurden sie in Unterkünften in anderen Kantonen untergebracht, zum Beispiel im Zürcher Mädchenhaus oder im Schlupfhuus Zürich.

Dort sieht man sich wegen der vielen Fälle mit einem Platzproblem konfrontiert. «Wir mussten im vergangenen Jahr 178 Absagen an junge Menschen von überall her erteilen, weil wir schon voll waren», bedauert Institutionsleiter Lucas Maissen.

Schlupfhuus sollte nur Zwischenlösung sein

Ziel des Schlupfhuus sei, dass die Mädchen und Jugendlichen nur notfallmässig bei ihnen unterkommen und dann möglichst schnell wieder in die Familie zurückkehren können oder in ein Heim gebracht werden. «Wenn jedoch auch die Heime voll sind, bleiben die Betroffenen länger bei uns.» Und dann gebe es leider noch mehr Abweisungen.

Es sei zu vergleichen mit einer Notaufnahme im Spital, führt Lucas Maissen vom Zürcher Schlupfhuus aus. Wenn alle Stationsbetten belegt sind, bleiben die Patienten länger auf dem Notfall.

Zentralschweiz braucht Plätze

Dass es in der Zentralschweiz aktuell keine Notanlaufstellen für Mädchen und jungen Frauen gibt, findet er bedenklich. Gerade für 14- bis 17-Jährige sei es wichtig, dass sie in der Nähe ihres Umfelds bleiben können. «Es ist etwas anderes, ob ich einfach nicht mehr zu Hause schlafen kann, der Alltag mit der Schule aber gleich bleibt, oder ob ich in einen anderen Kanton umziehen muss», so Maissen.

Die Studie zeigt denn auch, dass die Mehrheit der befragten Personen aus der Zentralschweiz von einem zunehmenden oder stark zunehmenden Bedarf an Unterkünften ausgeht. Daher ist es laut den Studienautoren wichtig, auch in der Zentralschweiz solche Unterkünfte wie ein Schlupfhuus zu realisieren.

An welchen Orten soll es Unterkünfte geben?

Die Schwierigkeit bestehe laut Maissen darin, wo man solche Institutionen platzieren will. Macht man einen Standort mit vielen Plätzen oder viele kleinere Standorte mit wenig Plätzen, damit die geografische Nähe gewährleistet ist?

Fragen, welcher sich nun die Politik stellen muss. Die Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren will das Angebot überprüfen und Vorschläge machen, wie Lücken geschlossen werden können, heisst es beim Bund.

(van)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 30. Juni 2022 11:26
aktualisiert: 30. Juni 2022 11:26
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