Stromsparen im Breitensport

Innerschweizer Fussballverband: «Bis zu 20'000 Spiele müssten neu angesetzt werden»

Lara Abderhalden, 22. September 2022, 07:08 Uhr
Im Schweizer Profisport hat die Swiss Football League Massnahmen beschlossen, wie Strom gespart werden kann. Unter anderem, in dem die Dauer der Stadionbeleuchtung bei Spielen reduziert wird. Im Zentralschweizer Breitensport werden analoge Massnahmen geprüft – dadurch könnte es zur Verlängerung der Fussballsaison bei Hobbysportlern kommen.
Im Breitensport wird über verschiedene Szenarien zum Stromsparen diskutiert.
© Getty Images

Leichter Schweissgeruch liegt in der Luft und mischt sich mit dem Duft von grillierten Würsten. Am Spielrand stehen Mamis, Papis, Grosseltern und Juniorinnen und spornen ihren Dorfverein an. Die helle Flutlichtanlage gibt dem Breitensport-Spiel eine gewisse Aufmerksamkeit. Das Grün des Rasens schimmert hell und jeder im Dorf bekommt mit, dass an diesem Abend gekickt wird.

Alle Spiele bei Tageslicht austragen

Diese Lichter könnten bald früher ausgehen. Um Strom zu sparen, wird wie in den Profiligen auch im Breitensport über eine Reduktion der Beleuchtung nachgedacht. «Wir werden eine Empfehlung analog der Swiss Football League machen. Da wir in der ganzen Schweiz dieselben Massnahmen wollen, läuft zurzeit die Vernehmlassung bei allen 13 Regionalverbänden», erklärt Urs Dickerhof, Präsident des Innerschweizer Fussballverbands.

Die Regionalverbände, so auch der Innerschweizer Verband, erarbeiten derzeit verschiedene Szenarien, wie im Fall von Stromsparmassnahmen, die Meisterschaft zu Ende gespielt werden kann. «Eine Möglichkeit, die wir prüfen, ist beispielsweise alle Spiele bei Tageslicht auszutragen, damit wir weniger Licht brauchen.» Das sei aber nicht einfach, weil es gewisse Regeln gibt. So dürfen Kinder nur bis zu einem gewissen Zeitpunkt am Abend spielen und Erwachsene erst ab einer gewissen Zeit.

Erschwerend komme hinzu, dass nun der Winter ansteht, es früher dunkel wird oder die Plätze aufgrund der Witterung wie Regen oder Schnee nicht bespielbar sind.

Urs Dickerhof, Präsident des Innerschweizer Fussballverbands

Saison könnte verlängert werden

Deshalb könnte es zu einer Verlängerung der Saison kommen. «Eine Möglichkeit besteht darin, die Rückrunde im Frühling früher zu beginnen und zu verlängern», sagt Dickerhof. Dadurch könnten die Anspielzeiten bei Tageslicht angesetzt werden. «Unter gewissen Umständen müssen wir bis zu 20'000 Spiele neu ansetzen, da wir 1200 Mannschaften in der Innerschweiz haben.» Das sei schwierig, aber machbar.

Bis zum 15. Juni müsse die Saison abgeschlossen sein, da ab dem 1. Juli die neue Saison beginnt. «Für die Zeit dazwischen müssen wir nun abklären, wo wir ab wann spielen können. Ausserdem müssen wir überlegen, ob wir gewisse Ligen priorisieren, damit diese die Meisterschaft sicher zu Ende spielen können.» Auch Schiedsrichter müssen organisiert und koordiniert werden, da diese je nach Liga verschiedene Qualifikationen brauchen. Wann es diesbezüglich einen Entscheid gibt, sei schwierig zu sagen und hänge mit den Entscheiden der anderen Regionalverbänden zusammen.

Die Situation sei ähnlich wie während Corona. Bereits damals mussten Alternativen her, damit es in den einzelnen Meisterschaften zu Punkteverteilungen kommen konnte.

Trainingsbetrieb ist Sache der Gemeinden

Was den Trainingsbetrieb im Breitensport angeht, liegt die Verantwortung bezüglich Beleuchtung bei den Gemeinden oder Städten. Auf Anfrage bei der Stadt Luzern heisst es, dass Überlegungen gemacht werden, wie in der Stadt sinnvoll Energie gespart werden kann. Ob es Einschränkungen in der Beleuchtung von Sportstadien gibt, ist unklar.

Auch die Stadtregierung von Zug befasst sich mit dem Thema Energiesparen. Unter anderem werde die Beleuchtung von Aussensportanlagen diskutiert. Diese werde von einer internen Arbeitsgruppe geprüft. Die Stadt wird an ihrer Sitzung am 4. Oktober beschliessen, welche Massnahmen umgesetzt werden. Die Stadt Sursee hat ebenfalls eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema Stromsparen auseinandersetzt. Auch städtische Liegenschaften wie Sportanlagen werden dabei thematisiert.

In den kommenden Tagen ist das Lichterlöschen somit noch nicht Realität – das grelle Grün vom beleuchteten Rasen wird somit noch einen Augenblick lang die Aufmerksamkeit des Dorfes auf sich ziehen.

Gibt es in eurem Verein Sparmassnahmen, die bereits umgesetzt werden? Schreibt uns einen Kommentar oder via WhatsApp.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 22. September 2022 07:08
aktualisiert: 22. September 2022 07:08
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