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Vor grossem Impf-Start

Kann ich mich während der Arbeitszeit impfen lassen? Ja, sagt der Experte

Mario Trlaja, 15. Mai 2021, 18:47 Uhr
Wer sich gegen Corona impft, schützt sich und andere vor einer Ansteckung. Davon profitieren auch die Arbeitgeber, wenn zum Beispiel keine Mitarbeitenden mehr in Quarantäne müssen. Viele machen sich dennoch sorgen, dass ihr Termin in die Arbeitszeit fallen könnte.
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Quelle: Tele 1

Anfang 2021, als vor allem ältere Menschen geimpft wurden, war die Frage mit der Impfung während der Arbeitszeit noch kein grosses Thema. Pensionierte haben viel Freizeit und konnten die Impftermine dann wahrnehmen, wenn sie aufgeboten wurden.

Seitdem auch immer mehr Impftermine für die jüngere Bevölkerung vergeben werden, melden sich einige verunsicherte Leserinnen bei uns. Sie fürchten, dass sie ihre neu erhaltenen Impftermine verschieben müssen, weil diese während der Arbeitszeit anfallen.

Arbeitgeberin muss «gebührend Rücksicht nehmen»

Arbeitnehmer mit «9 to 5»-Impftermin müssen sich keine Sorgen machen, so Rechtsanwalt Ueli Grüter. Laut Obligationenrecht müssen Arbeitgeber auf die Gesundheit der Mitarbeitenden gebührend Rücksicht nehmen und ihnen für wichtige, dringende oder nicht verschiebbare persönliche Termine die nötige Zeit gewähren, so der Jurist, der an der Hochschule Luzern doziert und einen Blog betreibt.

Rechtsanwalt Ueli Grüter unterrichtet an der Hochschule Luzern in den Fächern International Business, Communication und Digital Law.

© Hochschule Luzern

Grundsätzlich müssten Mitarbeitende ihre Termine mit dem Arbeitgeber absprechen, dies sei in diesem Fall aber nicht möglich, weil die Impftermine ohne Rückfrage an die angemeldeten Personen vergeben werden. Deshalb geht Ueli Grüter davon aus, dass Corona-Impftermine auch während der Arbeitszeit wahrgenommen werden können.

Muss ich für den Impftermin frei nehmen?

Auch diese Frage beschäftigt die bald Geimpften. Ueli Grüter verweist wiederum auf das Obligationenrecht. Dieses besagt, dass Arbeitgeber ihren Mitarbeitenden für eine beschränkte Zeit den Lohn entrichten müssen, wenn diese wegen Krankheit, Unfall, Erfüllung gesetzlicher Pflichten oder Aus­übung eines öffentlichen Amtes unverschuldet der Arbeit fernbleiben müssen. Darunter fällt nach Ansicht von Rechtsanwalt Grüter auch der Corona-Impftermin.

Zentralschweizer Unternehmen sind kulant – Migros die grosse Ausnahme

Wie haben es die Zentralschweizer Unternehmen mit dem Impftermin während der Arbeitszeit? Wir haben bei den zehn grössten Arbeitgebern nachgefragt. Alle, die auf unsere Anfrage geantwortet haben, lassen ihre Mitarbeiter Impftermine während der Arbeitszeit wahrnehmen. Und bei fast allen gilt die Impfzeit als Arbeitszeit – mit einer Ausnahme. «Ob sich eine in der Migros Luzern beschäftigte Person impfen lässt oder nicht, ist und bleibt Privatsache», so Migros-Luzern-Mediensprecherin Antonia Reinhard auf Anfrage. Wer hier einen Impftermin während der Arbeitszeit bekommt, könne diesen zwar wahrnehmen, muss die verpasste Arbeitszeit aber kompensieren.

Damit steht der «orange Riese» bei den ganz grossen Zentralschweizer Unternehmen ziemlich alleine da. Egal ob Gesundheit, Logistik, Handel oder Sozialwesen: über alle Branchen hinweg könne man sich «auf Arbeitszeit» piksen lassen, heisst es auf Anfrage. Auch bei Konkurrent Coop: «Falls der Impftermin auf die Arbeitszeit fällt, können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dies über die Arbeitszeit abrechnen, analog einer Kurzabsenz für einen Arztbesuch», so Mediensprecher Andrea Ruberti.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 14. Mai 2021 18:43
aktualisiert: 15. Mai 2021 18:47