Zentralschweiz

Kellerhaus-Besetzer in der Stadt Luzern: «Wir wollen Eigentum abschaffen!»

Ultimatum gestellt

Kellerhaus-Besetzer: «Wir wollen Eigentum abschaffen!»

12.10.2022, 05:25 Uhr
· Online seit 12.10.2022, 05:24 Uhr
Seit der vergangenen Woche wird in der Stadt Luzern an der Kellerstrasse ein Haus besetzt. Nun sind zwei der Aktivistinnen und Aktivisten vor die Kamera getreten und haben Auskunft gegeben. Mit der Hausbesetzung wollen sie die Diskussion über die Abschaffung des Privateigentums herbeiführen.

Quelle: PilatusToday/Andreas Wolf

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Nachdem sich bereits im Juni, damals in der Bruchstrasse, Aktivistinnen und Aktivisten für mehr bezahlbaren und zentralen Wohnraum eingesetzt haben, wurde nun auch die Kellerstrasse zum politischen Protest-Schauplatz.

Ob es sich um dieselben Personen handelt, ist unklar. Die Besetzerinnen und Besetzer erschienen vermummt und namenlos zum Interviewtermin.

Billigerer Wohnraum ist der offizielle Aufhänger. Im Gespräch zeigte sich jedoch, dass die jungen Erwachsenen vor allem ein politisches Statement setzen möchten. «Ganz allgemein wollen wir hinterfragen, ob es wirklich Privateigentum braucht.»Die Aktivistinnen und Aktivisten seien dagegen, dass Menschen Eigentum besitzen dürfen. «Wir wollen Privateigentum abschaffen!», sagt eine der beiden Personen.

Die Schweiz ohne Privateigentum? Eine Aussage, die sich schwer mit dem Schweizerischen Gesetz und den breitvertreten Werten vereinbaren lässt. Die Aktion sei widerrechtlich, meint Rechtsanwalt und Notar, Benno Studer: «Das ist nicht zu dulden, das ist Hausfriedensbruch.»

Studer ist Willensvollstrecker des 2017 verstorbenen Erblassers. Die Erbgemeinschaft streitet sich seither vor Gericht. Ein Entscheid des Bundesgerichtes in dieser Angelegenheit wird in rund einem halben Jahr erwartet.

Doch Studers Ziel sei es nicht, dass die hausbesetzenden Personen strafrechtlich belangt werden. Zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt. «Es ist nicht mein Interesse, dass die Besetzer einen Eintrag im Strafregister erhalten. Ich will, dass die Liegenschaft wieder frei wird.»

Deshalb habe der Anwalt den Hausbesetzerinnen und Hausbesetzern ein Ultimatum zukommen lassen. Per Montag hätten sie zehn Tage Zeit, das Haus zu verlassen. «Dann werde ich auch keine rechtlichen Schritte einleiten.»

An der Kellerstrasse denkt man jedoch nicht daran, das Haus voreilig zu verlassen. Im Gegenteil. «Wir wollen das Haus kaufen», meinen die Besetzerinnen und Besetzer. Erreichen wollen die Menschen im Kellerhaus dies mit einer kollektiven Finanzierung, beispielsweise einem sogenannten «Mietshäuser-Syndikat».

In einer solchen Gesellschaftsform kaufen viele Menschen gemeinsam eine Immobilie, um sie dem «spekulativen und profitorientierten Häusermarkt zu entziehen». Mit einer Klausel soll geregelt werden, dass das Haus in Zukunft nie mehr verkauft werden dürfe. Wie sich das Kellerhaus-Kollektiv jedoch konkret finanzieren möchte, lassen die Interviewten unbeantwortet.

Das Kellerhaus soll in Zukunft jedoch nicht nur günstigen Wohnraum bereitstellen. «Wir wollen einen Ort des politischen Diskurses schaffen.» Auf die Frage, ob man bereit sei, diesen Diskurs auch mit bürgerlichen Politikern der Gegenseite zu führen, zögerten die beiden Gesprächspartner lange mit einer Antwort. «Wir müssen das zuerst im Kollektiv besprechen.» Man wolle sich jedoch nicht davor verschliessen, in Zukunft mit offener und konstruktiver Kritik einander entgegenzukommen.

Um das Kellerhaus in eine politische Arena zu verwandeln, muss die Immobilie aber zuerst einmal gekauft werden. «Mit dem Willensvollstrecker sind wir in laufenden Verhandlungen. Mehr wollen wir noch nicht dazu sagen», meinen die Besetzerinnen und Besetzer.

Der Willensvollstrecker selbst relativiert: «Der ganze Austausch hat bisher in einem Telefonanruf stattgefunden», sagt Benno Studer. Ausserdem stünde das Haus zum jetzigen Zeitpunkt sowieso nicht zum Verkauf. «Zuerst müssen die Besitzerverhältnisse geklärt und dann eine Zustandsanalyse gemacht werden.» Bis das Kollektiv die Immobilie also effektiv kaufen könnte, dürfte noch einige Zeit verstreichen. Es ist unwahrscheinlich, dass sie dann noch immer im Kellerhaus verweilen.

veröffentlicht: 12. Oktober 2022 05:24
aktualisiert: 12. Oktober 2022 05:25
Quelle: PilatusToday

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