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Saison 2021/22

Laientheater in der Zentralschweiz spielen – oder auch nicht

Chantal Herger, 21. August 2021, 13:47 Uhr
Die Werbung ist geschaltet, der Vorverkauf gestartet – die «Märli-Biini» feiert am 25. September 2021 ihre Premiere. Damit ist sie eines der wenigen Laientheater, das den Versuch wagt, ein Stück auf die Bühne zu bringen.
Die Märli-Biini wird im September ihre Premiere feiern.
© Emanuel Wallimann / Theatergesellschaft Stans

Im Herbst beginnt bei den ersten Laientheatern die Saison – besser gesagt würde. Denn auch in diesem Jahr werden die meisten Theater kein Stück auf die Bühne bringen. Tom Schmid, Präsident des Regionalverbands Zentralschweizer Volkstheater, rechnet mit 75 - 90 Prozent der Laienbühnen, die ihre Saison absagen respektive verschieben werden. «Die Restlichen sind motiviert, bringen den Mut auf und gehen das Risiko ein.»

Ein Verein, der es wagt, ist die Märli-Biini Stans. Man habe die Saison «nicht aufs Geratewohl absagen» wollen, schreibt der Präsident, Dave Leuthold, auf Anfrage von PilatusToday und Tele 1. «Zum Zeitpunkt des definitiven Entscheides war die Lage positiv und wir konnten davon ausgehen, dass es weitere Lockerungen geben wird.» Aktuell plant der Verein mit einer Auslastung von 60 Prozent – und wird dadurch einen Verlust einfahren. Dies könne man einmalig verkraften: «Es war uns viel wichtiger, etwas auf die Bühne zu bringen, als einen Gewinn zu erwirtschaften», so Leuthold.

Noch wird das Schutzkonzept ausgearbeitet, eine Zertifikationspflicht wird es aber nicht geben. Doch nicht nur die immer ändernden Schutzmassnahmen sind herausfordernd, auch die Suche nach helfenden Händen. Laut Leuthold sei eine gewisse Lethargie spürbar und immer wieder seien Aussagen wie «Es wird sowieso wieder abgesagt» oder «Es wird sowieso niemand ins Theater wollen» zu hören.

Den Mehraufwand mit den ganzen Schutzmassnahmen muss man als Verein auf sich nehmen wollen. Laut des Präsidenten des RZV wäre es aktuell möglich, Aufführungen zu spielen und mit einer schwarzen Null abzuschliessen. Werden die Massnahmen aber wieder verschärft, ist eine kostendeckende Produktion für einen Verein kaum möglich. Doch das finanzielle ist nicht das einzige Problem. Bekanntermassen sind die Gäste eher mittleren bis älteren Semesters, Schmid fragt sich deshalb: «Werden die Leute überhaupt ins Theater kommen?»

Diese Unsicherheit hat beispielsweise beim Theater Buochs dazu geführt, dass die Spielsaison 2022 abgesagt wurde. Die Gesundheit aller Beteiligten und des Publikums stehe an erster Stelle, auch finanzielle Aspekte haben zum Entscheid beigetragen, schreibt das Theater auf ihrer Website.

Der Präsident des RZV sieht einige Herausforderungen auf das Laientheater zukommen. So werde es schwierig, nach zwei abgesagten Saisons die Spielerinnen und Spieler sowie weitere Mitglieder dazu zu motivieren, sich weiter im Verein zu engagieren: «Viele wissen, dass es einen Neustart geben wird und nicht alle sind bereit, nochmals neu anzufangen.» Schmid befürchtet deshalb, dass es zu einem Theatersterben kommen könnte. Trotzdem lässt er den Kopf nicht hängen: «Ich hoffe und wünsche mir, dass wir eines Tages alle wieder spielen werden – aber ich weiss es nicht.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 21. August 2021 12:49
aktualisiert: 21. August 2021 13:47