Ab nächstem Sommer

Stadtluzerner Kinder und Jugendliche erhalten ÖV-Gutscheine

23. September 2022, 08:50 Uhr
Das Stadtparlament gibt grünes Licht für die Einführung von 300-Franken-ÖV-Gutscheinen. Profitieren können alle zwischen 6 und 16 Jahren.
Kinder bei der Bushaltestelle Eichhof.
© Manuela Jans-Koch / Luzerner Zeitung

Im nächsten Sommer werden alle Stadtluzerner Kinder und Jugendliche wertvolle Post im Briefkasten haben: Einen 300-Franken-Gutschein für die Benutzung des ÖV. Mit dem Gutschein kann man an einem VBL-Schalter ein Jahresabo, Monatsabos oder Mehrfahrtenkarten für die Tarifzone 10 (Stadt und Agglomeration Luzern) kaufen, wie die Luzerner Zeitung schreibt. Konkret bedeutet dies: Ein Jahresabo für Kinder, das normalerweise 610 Franken kostet, verbilligt sich um die Hälfte.

Wer bloss Monatsabos lösen will, kann maximal zwei auf einmal kaufen, dies im Wert von 122 Franken. Das verbliebene Guthaben des Gutscheins kann dann für Mehrfahrtenkarten verwendet werden. Wichtig ist: Man kann den Gutschein nur einmal einlösen. Werden nicht die ganzen 300 Franken gebraucht, verfällt der Rest.

Auslöser war das Kinderparlament

Profitieren können Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 16 Jahren in der Stadt Luzern – sie erhalten den Gutschein einmal pro Jahr. Zu verdanken ist das dem Stadtluzerner Kinderparlament. Dieses machte 2020 von seinem Recht Gebrauch, einen Vorstoss im Stadtparlament einzureichen. Die Forderung lautete: Für Kinder soll der ÖV gratis oder stark vergünstigt sein.

Das Stadtparlament hatte die Forderung 2021 gegen den Willen des Stadtrats überwiesenIm vergangenen August präsentierte der Stadtrat dann seinen Umsetzungsplan: Der ÖV soll dank der Gutscheine zwar nicht gratis, aber doch viel günstiger werden.

Kosten: 5 Millionen für 3 Jahre

Am Donnerstag gab nun auch das Stadtparlament grünes Licht dazu. Es bewilligte einen Kredit von fünf Millionen Franken, um die Gutscheine während drei Jahren (ab Mitte 2023) zu finanzieren. Danach soll über die definitive Einführung des Gutscheinsystems entschieden werden.

Wie schon 2021, als es um den Antrag des Kinderparlaments ging, waren die Bürgerlichen skeptisch, während Linke und GLP vom Vorschlag des Stadtrats überzeugt waren. So sagte Regula Müller (SP): «Es ist wichtig, Kinder frühzeitig mit dem ÖV vertraut zu machen». Vor allem aber solle niemand auf Freizeitaktivitäten verzichten müssen, weil er oder sie das teure Busbillett nicht bezahlen kann. Mit dem Gutscheinsystem nehme die Stadt Luzern daher eine Vorreiterrolle ein. Jules Gut (GLP) fand sogar, «eigentlich müsste der ÖV für Kids und Teenager generell gratis sein».

FDP kritisiert Giesskannenprinzip

Marc Lustenberger (FDP) lobte zwar das Engagement des Kinderparlaments. Doch der Gutschein-Vorschlag überzeugte ihn nicht. «300 Franken sind sehr viel.» Das Geld werde mit der Giesskanne verteilt und setze falsche Anreize. Zudem könnten bald Forderungen nach noch stärkerer Verbilligung aufkommen. «Dann würde das Ganze komplett aus dem Ruder laufen», so Lustenberger. Statt den ÖV zu verbilligen, würde man besser das Zufussgehen und Velofahren fördern. Lisa Zanolla (SVP) begrüsste eine Preishalbierung der Jahresabos. Dass die Gutscheine aber auch für Mehrfahrtenkarten verwendet werden können, sei überflüssig und fördere bloss die Bürokratie.

Das Kinderparlament ist mit dem Gutscheinsystem einverstanden, wie es in einer Stellungnahme am Donnerstag verlauten liess.

Quelle: Luzerner Zeitung
veröffentlicht: 23. September 2022 08:33
aktualisiert: 23. September 2022 08:50
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