Von Prinzessinnenfeeling bis Diskriminierung

Zwei Rollstuhlfahrerinnen sprechen übers Luzerner Nachtleben

Livia Barmettler, 15. August 2022, 20:06 Uhr
Es sind bereits einige Wochen her, seit ich mit Wayra im Club tanzen war – heute treffe ich sie und ihre beste Freundin Silvana (24) in ihrer Lieblingsbeachbar in Nottwil. Die beiden Freundinnen sitzen im Rollstuhl und gehen gerne feiern. Im gemeinsamen Gespräch erzählen sie, mit welchen Hürden sie im Luzerner Nachtleben zu kämpfen haben, wie in ihren Augen der perfekte Club aussehen würde und welche Sprüche sie sich von anderen Nachtschwärmern manchmal anhören müssen.

«Darfst du überhaupt noch fahren, wenn du betrunken bist?», «mega cool, dass du trotz Rollstuhl hier bist» oder «du bist mega schön, auch wenn du im Rollstuhl sitzt» – die beiden Freundinnen Wayra und Silvana lachen, während sie aufzählen, was andere Nachtschwärmerinnen und Nachtschwärmer im Ausgang manchmal zu ihnen und ihrer Gehbehinderung sagen und äffen diese nach.

Ich finde es weniger lustig – ob sie solche Sprüche nicht furchtbar wütend machen, frage ich die beiden Rollstuhlfahrerinnen. «Für uns ist das nichts Neues. Am besten nimmt mans mit Humor», so Silvana (24), Wayras beste Freundin. «Oder man gibt eine mindestens genauso doofe Antwort zurück», ergänzt Wayra und schmunzelt.

Oft doofe Sprüche, manchmal aber auch Over-Friendliness aufgrund ihrer Behinderung – so schildern die beiden die Reaktionen des Luzerner Partyvolks auf ihren Rollstuhl im Club. Dabei wärs doch eigentlich ganz einfach: «Wir möchten im Ausgang einfach so behandelt werden wie alle anderen, die auch im Club sind», so Silvana.

Sensibilisierte Clubbetreiber

Während vonseiten der Partygängerinnen und Partygänger oft unüberlegte Kommentare kommen, ist laut Wayra und Silvana bei den Bar- und Clubbetreibern in der Stadt Luzern ein relativ grosses Bewusstsein vorhanden: «Die meisten Mitarbeitenden der Clubs sind sensibilisiert. Sie wissen, dass Rollstuhlfahrende auch feiern möchten und sind hilfsbereit», so Wayra.

Die beiden jungen Frauen schätzen die Hilfsbereitschaft und nehmen diese auch gerne an. «Ich habe kein Problem damit, wenn mich die Türsteher die Treppe hoch- oder hinuntertragen», so Silvana. «Nein, gar nicht. Im Gegenteil: Man fühlt sich fast ein wenig wie eine Prinzessin», ergänzt Wayra und lächelt.

Der perfekte Club

Was die Infrastruktur betreffe, gäbe es aber schon noch Luft nach oben, Hilfsbereitschaft hin oder her. Ich frage die beiden, wie in ihren Augen der perfekte Club aussehen würde. «Ein rollstuhlgängiger Eingang, niedrigere Theken, ein Rollstuhl-WC und ein Glas-Verbot – weil man sich sonst rasch einen Platten holt», so Silvana.

Was sagen die Club- und Barbetreiber in Luzern zu diesen Vorstellungen? Inwiefern sind Silvanas und Wayras Ideen umsetzbar und was tun die Bar- und Clubbetreiber in Luzern, um niemanden von ihren Partys auszuschliessen? Wir fragen im vierten Teil unserer Serie «Sitzend tanzend» nach.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 15. August 2022 20:03
aktualisiert: 15. August 2022 20:06
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