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Luzerner Kriminalgericht

83-jähriger Bankräuber muss nicht ins Gefängnis

28. Juli 2021, 06:39 Uhr
Das Kriminalgericht Luzern hat im Januar 2021 entschieden, dass ein 83-jähriger mehrfacher Bankräuber nicht ins Gefängnis muss. Wie die am Dienstag veröffentlichte Urteilsbegründung zeigt, stufte das Gericht das Verschulden als eher leicht ein. Es zeigte sich auch wegen des Alters des Beschuldigten gnädig.
Das Kriminalgericht Luzern schickt einen betagten Bankräuber nicht hinter Gitter, sondern fällt nur eine bedingte Freiheitsstrafe aus. (Symbolbild)
© KEYSTONE/URS FLUEELER

Das Kriminalgericht verurteilte den Schweizer Chauffeur und Mechaniker wegen mehrfacher räuberischer Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten auf Bewährung (PilatusToday berichtete). Der Staatsanwalt hatte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren, nur teilweise auf Bewährung, gefordert, die Verteidigung eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten auf Bewährung.

Mit dieser Freiheitsstrafe erfüllte das Gericht den Wunsch des Beschuldigten (PilatusToday berichtete). Es wäre sein Untergang, wenn er ins Gefängnis gehen müsste, hatte er erklärt. Auch der Verteidiger sprach sich mit Hinweis auf das Alter und die schlechte Gesundheit seines Mandanten gegen eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung aus.

Mit Beute davon spaziert

Der Beschuldigte war 2012 mit einer Druckluftwaffe in einer Bankfiliale im Kanton Luzern aufgetaucht. Er legte einen Zettel mit der auf italienisch geschriebenen Forderung nach 10'000 Franken hin. Er erhielt das Geld und spazierte davon.

Fünf Jahre später überfiel der Beschuldigte im selben Dorf die Nachbarbank auf die gleiche Art. Nach der Tat fuhr er mit 14'000 Franken Beute mit dem Bus nach Hause, wo er später festgenommen wurde.

Der Staatsanwalt hatte die Taten als ganz normale Raubüberfälle bezeichnet. Der Beschuldigte habe trotz seines Alters eine erhebliche kriminelle Energie an den Tag gelegt.

Auch das Gericht kam zum Schluss, dass der Mann eine nicht zu vernachlässigende kriminelle Energie gezeigt habe. Er habe die Taten geplant, obwohl er sich nicht in einer finanziellen Notlage befunden habe. Sein Unrechtsbewusstsein sei zudem klein.

Nicht gedroht

Zu Gute hielt das Gericht dem Bankräuber, dass er nicht versucht habe, möglichst viel Geld zu erhalten. Er habe keine Drohungen ausgestossen und die Waffe nicht deutlich gegen die Bankangestellten gerichtet. Deren Leib und Leben seien nie gefährdet gewesen. Sein Tatverschulden sei als eher leicht einzustufen.

Die den beiden Banküberfällen angemessene Freiheitsstrafe bezifferte das Gericht auf 28 Monate. Wegen seines Alters, seiner Herzkrankheit und weiterer Gebrechen attestierte es dem Beschuldigten eine erhöhte Strafempfindlichkeit und kürzte die Strafe um 4 Monate auf 24 Monate.

Weil die ausgesprochene Strafe damit nicht länger als zwei Jahre ist, kann sie gerade noch vollständig auf Bewährung vollzogen werden. Ein unbedingter Vollzug sei nicht nötig, weil der Beschuldigte keine Vorstrafen habe und weil ihm keine schlechte Prognose gestellt werden könne, heisst es im Urteil. Die Probezeit beträgt zwei Jahre.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es wurde bereits Berufung angemeldet, was bedeutet, dass sich das Luzerner Kantonsgericht mit dem Fall beschäftigen wird.

Quelle: sda
veröffentlicht: 28. Juli 2021 05:28
aktualisiert: 28. Juli 2021 06:39