Tourismus auf der Rigi

Begrenzung auf 800'000 Gäste – «kaum umsetzbar»

20. Oktober 2022, 19:33 Uhr
Soll der Tourismus den CO2-Ausstoss deutlich senken, müssen weniger Gäste mit dem Flugzeug reisen. Am Beispiel der Rigi zeigt eine Studie auf, welchen Einfluss Überseetouristen auf die Klimabilanz haben und wie ein Wegfall kompensiert werden könnte – die Rigi Bahnen sind skeptisch.

Quelle: Tele 1

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Die aktuelle Strategie der Rigi Bahnen sei auf Wachstum und Überseemärkte ausgerichtet. Das sei nicht klimaverträglich, heisst es in der Studie der Ostschweizer Fachhochschule, die im Auftrag der Petitionäre «Rigi: 800'000 sind genug!» erarbeitet und von diesen finanziert wurde. Sie rät daher sowohl der Rigi als auch dem Tourismus allgemein zu einem «grundsätzlichen Kurswechsel».

Äusserst klimaschädlich sei die touristische Mobilität, Asien- und Überseegäste würden wegen der Anreise mit dem Flugzeug am meisten zum CO2-Ausstoss beitragen. Gemäss einer Schätzung verursachte der Rigi-Tourismus vor der Pandemie jährlich rund 488'337 Tonnen CO2.

Der Grossteil davon fällt bei der An- und Abreise an, nämlich rund 477'229 Tonnen. Das sei mehr als die gesamten CO2-Emissionen des jährlichen Personen- und Güterverkehrs in der Stadt Zürich. Vor der Pandemie kamen rund 40 Prozent der rund 1 Million Gäste auf der Rigi aus Übersee.

«Deshalb geht es darum, die Zahl der Übersee-Gäste in den nächsten Jahren zu reduzieren. Das ist eine Transformation über mehrere Jahre, das geht nicht sofort», sagt der Verfasser der Studie, Dominik Siegrist.

Obergrenze von 800'000 Gästen

Wollen die Rigi Bahnen ihre Klimabilanz verbessern, müssten die Überseegäste durch solche aus der Schweiz und den Nachbarländern ersetzt werden, heisst es in der Studie. Die Autoren schlagen zudem vor, die Gästezahl auf jährlich 800'000 Personen zu begrenzen.

Damit die Rigi Bahnen dennoch auch künftig ein Auskommen haben, müsse der Ertrag pro Gast gesteigert werden. Nötig seien dazu etwa Mehrtagespauschalen. Zu prüfen sei weiter die Aufhebung des Generalabonnements. Stattdessen sollen Einzelbillette verkauft werden.

Um auf diese Strategie umschwenken zu können, bräuchte es neue Angebote bei Gastronomie, Hotellerie und regionalen Produkten. Die Studie schlägt rund 120 mögliche Projekte und Massnahmen vor, darunter beispielsweise auch Hotelsanierungen auf der Rigi.

Kaum umsetzbar

Laut Karl Bucher, Verwaltungsratspräsident der Rigi Bahnen, seien die Massnahmen realitätsfern. «Wenn man die 122 Massnahmen zusammenzählt, dann sind das geschätzt 100 Millionen, die ausgegeben werden müssten.» Woher das Geld stammen soll, wird in der Studie aber nicht erwähnt, auch nicht, wie hoch das Ertragspotenzial ausfallen könnte. «Dies hätte ich von einer wissenschaftlichen Studie erwartet.»

Auch der Chef der Rigi Bahnen ist skeptisch, was die Studie betrifft. Sie habe zwar viele gute Inputs, sagte Frédéric Füssenich auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Eine Deckelung der Gästezahl sei aber nicht zielführend. Zudem sei die Umsetzung einer Obergrenze schwierig, so Bucher. «Wenn wir auf Gäste verzichten sollen, die mit dem Flugzeug nach Europa kommen, müssen wir dann in den Bahnhöfen anschreiben, dass jede Person, die mit dem Flugzeug anreiste, nicht transportieren? Wie lässt sich das mit der schweizerischen Gastfreundschaft vereinbaren?»

Nur Verzicht ist keine Lösung

Die Konsequenz der Studie wäre das Ende des interkontinentalen Tourismus. Doch nur Verzicht sei keine Lösung, so Füssenich. Die Herausforderungen des Klimawandels seien auch mit technischem Fortschritt zu lösen, etwa mit nachhaltigem Treibstoff. Diese Ansätze würden in der Studie aber überhaupt nicht gewürdigt.

Ob die Hochrechnungen zum Reiseertrag realistisch sind, ist laut Füssenich schwierig zu beurteilen, da die Vorschläge dazu «sehr schwammig» seien. Grundsätzlich setzt er ein Fragezeichen hinter höhere Preise und den Verzicht auf das GA-Angebot, mit dem die Rigi Bahnen den nachhaltigen öffentlichen Verkehr fördern würden.

Quelle: SDA /PilatusToday
veröffentlicht: 20. Oktober 2022 12:22
aktualisiert: 20. Oktober 2022 19:33