Betroffener erzählt

«Dachte, ich hätte etwas gewonnen» – so schützt du dich gegen «Päckli-Betrüger»

Martina Birrer, 21. September 2022, 12:23 Uhr
Sandro Pigoni aus Luzern staunte nicht schlecht, als der «Pöstler» ihm vor seiner Haustüre fünf Pakete in die Hand drückte: «Ich hab doch gar nichts bestellt?» Trotzdem nahm er die Pakete entgegen. Beim Auspacken realisierte er, dass er Opfer eines versuchten Betruges wurde.
So schütz man sich vor einem möglichen «Päckli-Betrug».
© KEYSTONE/Christian Beutler
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Sandro Pigoni war glücklich, ganz unerwartet erhielt er von einem Postboten fünf Pakete. Freudig schleppte er sie in die Wohnung. «Ich dachte, ich hätte etwas gewonnen», so der Luzerner. Mit Vorfreude öffnete er die ersten beiden Pakete: Ein iPhone 6 und ein iPhone 6 Plus. «Langsam kam mir die Sache spanisch vor», so Pigoni. Drei Pakete später standen zwei iPhone 6, ein iPhone 6 Plus, eine Powertube, Kopfhörer von Beats, ein Lenovo-Tablet und eine PS4 inklusive dem Spiel FIFA 16 vor ihm.

Pigoni wurde schnell klar, dass die Pakete nicht für ihn gedacht waren. «Normalerweise wäre ich bei der Arbeit gewesen, doch wegen des Feiertages St. Leodegar hatte ich frei und konnte die Pakete abfangen.» Glück für ihn, Pech für den potenziellen Dieb, welcher sehr wahrscheinlich in der Nähe der Haustüre gewartet hatte.

Nicht der einzige Fall

Die Geschichte von Sandro Pigoni liegt bereits sechs Jahre zurück. Er hatte damals Glück. Anders ausgegangen ist es bei dem Fall, der vor Kurzem vor dem Luzerner Kriminalgericht verhandelt wurde. Es verurteilte einen Mann und dessen Freundin wegen eines ähnlichen Betrugs. Zwischen Juni 2019 und März 2020 haben die beiden monatelang Ware von Zalando bestellt. Die Kleider, Schuhe, Schmuck, Kosmetik und Pflegeprodukte hatten einen Wert von 170'000 Franken, bezahlt haben sie diese Ware jedoch nie. Sie bestellten alles unter falschem Namen und gaben falsche Adressen an, die Pöstler fingen sie kurz vor der Zustellung ab.

Nebst dieser Verurteilung kommt es nur selten zu solchen Betrugsfällen. Wie das Kriminalgericht Luzern auf Anfrage sagt, hat es in den vergangenen fünf Jahren bei Luzerner Gerichten vier Verurteilungen gegeben, die in Zusammenhang mit Paketen von Online-Händlern stehen. Alle durch das Kriminalgericht.

Wie kann ich mich gegen Betrug schützen? 

Trotzdem kann es vorkommen, wie die beiden oben genannten Beispiele zeigen. Auf Anfrage sagt Silvana Grellmann, Mediensprecherin der Post: «Betrugsfälle wie der von Zalando mit der Ware im Wert von 170'000 Franken sind glücklicherweise Einzelfälle. Hinter solchen Fällen steckt viel kriminelle Energie.» Trotz Einzelfällen würde die Post jedoch sensibilisieren und sei im engen Austausch mit den Versandfirmen sowie der Polizei.

«Meine Sendungen»

Zudem gäbe es immer mehr Kontrollen, um solche Betrugsfälle vorzubeugen. So zum Beispiel der Service «Meine Sendungen» von der Post. Mit diesem Service erhält der Kunde eine Benachrichtigung per E-Mail, SMS oder als Pushnachricht über die Post-App, sobald ein Paket an die eigene Adresse zugestellt wird.

«Damit weiss der Kunde sofort, ob ein Unbekannter in seinem Namen Produkte bestellt und er somit Opfer eines Betrugs geworden ist», erklärt Silvana Grellmann. Der Service «Meine Sendungen» kann auf der Webseite der Post eingerichtet werden und benötigt ein Login des Kundencenters der Post.

Auch Zalando sagt auf Anfrage, dass sie verschiedene Verfahren zur Betrugsprävention einsetzen. «Wir investieren dabei viel Zeit und Know-how, um sich stetig ändernde Muster professionellen Betrugs noch früher erkennen und ihnen entgegenwirken zu können», so Katharina Hein, Kommunikationsverantwortliche von Zalando.

Anbieter kontaktieren und Anzeige erstatten

Grundsätzlich sollten unbekannte Sendungen vor der Haustüre immer abgelehnt werden. Dies empfiehlt die Beraterin beim Konsumentenschutz, Andrea Peter. Sich ganz vor ungewollten Paketen zu schützen, sei aber schwierig. «Wichtig ist, dass die Rechnungen oder Mahnungen danach nicht ignoriert, sondern die Unternehmen kontaktiert werden», sagt Peter.

Die Unternehmen selbst hätten oft schon eigene Schutzmechanismen oder erkennen, wenn etwas nicht stimmt. «In vielen Fällen werden die Lieferungen schon von selbst gestoppt.» Gleichzeitig mit dem Kontakt soll bei der Polizei eine Anzeige gegen Unbekannt gemacht werden.

Das beste für Privatpersonen wie auch für Unternehmen sei es aber, wenn man Bestellungen nicht mehr auf Rechnung machen kann. «So würden sich Betrugsfälle am besten verhindern lassen.»

Im Fall von Sandro Pigoni ging am Ende alles gut aus. So sagt er: «Ich war genervt und es war äusserst mühsam, alle Pakete wieder zurückzuschicken. Mit gewissen Anbietern musste ich sogar diskutieren. Trotzdem hat es mich aber nicht geschädigt".

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 21. September 2022 11:58
aktualisiert: 21. September 2022 12:23