Aber nicht für lange

«Diese Situation ist brandgefährlich»: Schwellen in Ebikon bremsen Velofahrer

2. Mai 2022, 13:40 Uhr
Schindler hat auf seinem Firmenareal für schnelle Velofahrer Schikanen eingebaut. Nach Kritik wurden sie kurzerhand wieder entfernt.
Blick auf Schwellen und Steine auf der Gleisstrasse beim Schindler-Areal.
© Luzerner Zeitung / René Meier

Sie sind gelb-schwarz, aus Kunststoff und sollen Velofahrer bremsen: Seit kurzem setzt Schindler auf seinem Gelände auf sogenannte Pacer-Schwellen. Die Firma hat auf der Strasse entlang der SBB-Strecke zwischen Ebikon und Dierikon drei mehrere Zentimeter hohe Schwellen auf der Strasse und auf dem Trottoir angebracht, schreibt die «Luzerner Zeitung». «Die Schwellen sollten die Geschwindigkeit der Velofahrer reduzieren», schreibt die Medienstelle auf Anfrage.

Offenbar ist es in den letzten Monaten immer wieder zu brenzligen Situationen zwischen Velofahrern auf schnellen E-Bikes und Autofahrern gekommen. Ob es auch Unfälle gegeben hat, wollte Schindler nicht sagen. Die zusammengesteckten und quer zur Fahrbahn verschraubten Plastikelemente sind bei nicht wenigen Velofahrerinnen und Velofahrern gefürchtet. Gerade bei Nässe kann das Vorderrad beim Überqueren abrutschen. Ein Umfahren der Hindernisse ist nicht möglich.

Kein öffentliches Fahrwegrecht

Bei der Kreuzung und der Strasse entlang der Bahngleise handelt es sich um eine Privatstrasse und keinen offiziellen Veloweg, obwohl die Bodenmarkierung einen solchen erahnen lassen könnte. Die offiziellen Velowege führen entlang der Kantonsstrasse oder auf der anderen Bahnseite entlang der Ron. Trotzdem wird das Areal regelmässig von Velofahrern befahren.

Velofahrer müssen abbremsen.

© Luzerner Zeitung / René Meier

Pro Velo Luzern kritisiert die Anordnung der Schwellen in Kombination mit den Steinen. «Die Situation ist für Velofahrer brandgefährlich. Die Gestaltung ist nicht nur sehr schlecht. Sie entspricht auch in keiner Weise geltenden Normen», wie Bruno Ruegge, Geschäftsleiter von Pro Velo Luzern, auf Anfrage sagt. Die Steine wurden vor Jahren platziert, damit Lieferwagen des nahe gelegenen Logistikkonzerns DHL die Strasse nicht als Schleichweg missbrauchen. Ruegge: «Es ist eine unschöne Vorstellung, wenn dort ein mit Kindern beladener Anhänger seitlich anhängt.» Es gebe etwa elastische Pfosten, die Gleiches leisten und viel weniger gefährlich seien. Noch absurder scheint die Schwelle auf dem Trottoir. Ruegge: «Weshalb zwingt man jeden Rollstuhlfahrer und jede Rollatorpilotin über dieses Hindernis? Weshalb muss eine blinde Person an der Schwelle hängenbleiben?»

Steine und Schwellen wurden entfernt.

© Luzerner Zeitung / René Meier

Schindler hat die Gefährlichkeit in der Zwischenzeit erkannt. «Die Schwellen waren keine optimale Lösung. Deshalb wurden sie bereits wieder demontiert und durch eine Links-rechts-Schikane ersetzt», schreibt die Medienstelle. Diese temporäre Lösung sei in Absprache mit einem Verkehrsplaner geschehen.

Die für Velofahrer hohen Schwellen beim Zuger Brüggli.

© Luzerner Zeitung / Zoe Gwerder

Dass es auch anders geht, zeigt etwa die Stadt Zug: Sie setzt – aus Sicherheitsgründen – beim Brüggli zwar ebenfalls auf Schwellen. Aber diese wurden versetzt montiert, was ein Umfahren mit gemässigtem Tempo möglich macht.

Quelle: Luzerner Zeitung
veröffentlicht: 2. Mai 2022 14:00
aktualisiert: 2. Mai 2022 14:00
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