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Slow-Down

Diese Verhaltensweisen bleiben uns auch nach Corona

16. Juni 2021, 06:17 Uhr
Wer hat während der Corona-Pandemie nicht alles mit Backen oder Kochen begonnen oder war mehr in der Natur und allgemein weniger hektisch unterwegs? Eine Studie der Hochschule Luzern zeigt auf, wie sich das letzte Jahr auf unsere Gewohnheiten ausgewirkt hat. Und, welche Schlüsse sich daraus ziehen lassen.

Ob in der Freizeit, bei der Arbeit, in unserem Reiseverhalten oder beim Einkaufen: Corona hat sich in vielen unserer Lebensbereiche bemerkbar gemacht. Nach einem Jahr der Pandemie lassen sich jetzt erste Schlüsse ziehen, wie dauerhaft die Veränderungen sind. Diese Schlüsse zeigt eine neue Studie der Hochschule Luzern (HSLU) auf.

Freizeit: Langsame Aktivitäten bleiben wichtig

So haben sich einige unserer Verhaltensweisen, die wir im ersten Lockdown angenommen haben, inzwischen etabliert. Besonders sogenannte «Slow»-Aktivitäten wie kochen, in der Natur unterwegs sein oder Zeit mit der Familie verbringen haben dauerhaft an Bedeutung gewonnen. «Offenbar haben sich viele Menschen schon vor Corona nach einer gewissen Entschleunigung gesehnt – die Pandemie war nun der Anlass, um diesen persönlichen Wandel einzuläuten», sagt Dominik Georgi, Co-Studienleiter und Konsumentenforscher an der HSLU.

Wertschätzung für sichere Arbeit könnte schwinden

Laut der Studie haben die 1'000 Befragten zudem angegeben, dass sie seit dem ersten Lockdown ihre Arbeit mehr zu schätzen wissen. Vielen sei während der Pandemie bewusst geworden, dass eine sichere Arbeitsstelle besonders in Krisenzeiten ein grosses Privileg sei, sagt Georgi. Allerding könne es sein, dass dieses Bewusstsein wieder schwindet: «Wenn die Pandemiestimmung verfliegt, kann durchaus wieder der Wunsch nach mehr Dynamik in Job und Karriere erwachen», sagt der Co-Studienleiter.

Reiselust wird wieder so sein wie vor Corona

Beim Verreisen nimmt die zwischenzeitliche Zurückhaltung indes ab. Laut der Studie wollen nur 30 Prozent der Bevölkerung in den nächsten zwölf Monaten auf Ferien verzichten. Im November 2020 waren es noch 47 Prozent gewesen. Rund die Hälfte aller Befragten planen in den nächsten zwölf Monaten Ferien in der Schweiz, etwas mehr als ein Drittel will ins europäische Ausland verreisen. Nach Übersee zieht es nach wie vor wenige (ca. 10 Prozent). «Das liegt in erster Linie daran, dass bei Überseereisen nach wie vor viele Restriktionen und Unsicherheiten bestehen», sagt Georgi. Die Reiselust per se scheint sich allerdings durch Corona nicht verringert zu haben.

Einkaufen: Regional und kleine Läden bleiben Trend

Laut der Studie sind Bäckereien, Metzgereien, Quartier- und Bauernhofläden seit Pandemiebeginn beliebter geworden, weil regionale Produkte im Trend liegen. Dieser Trend hatte allerdings schon weit vor Corona begonnen und wurde in den letzten zwölf Monaten verstärkt. Weil viele Menschen im Homeoffice gearbeitet hätten, hätte man auch mal Zeit gehabt, zum Beispiel auf einem Wochenmarkt einzukaufen, erklärt Marcel Zbinden, Co-Studienautor und Wirtschaftspsychologe an der HSLU. Regionale Produkte könne man allerdings auch im Supermarkt kaufen. Zbinden: «Die Bauernhofläden müssen sich wohl darauf einstellen, dass die Kundenzahlen wieder etwas zurückgehen werden, auch wenn die Vorsätze der Konsumentinnen und Konsumenten etwas anderes erahnen lassen.»

Fazit: Der Lockdown war eine Art «Trainingslager»

Grundsätzlich, sagt Zbinden, brauche es beim Menschen sehr viel, bis sich Verhaltensweisen dauerhaft änderten. Das zeige sich auch in den Umfrageresultaten: Im November 2020 haben viel mehr Leute angegeben, dass sie in Zukunft häufiger direkt auf dem Bauernhof einkaufen wollen, als das im Mai 2021 dann auch getan haben. «Auch wenn die Absichten oftmals gut sind, kommt dann eben doch der Alltag dazwischen.» Trotzdem ist der Wirtschaftspsychologe überzeugt, dass die Coronakrise eine Chance sein kann, die positiven Absichten auch umzusetzen: «Die vorübergehenden Lockdowns waren für uns eine Art Trainingslager.» Neben einem Gesinnungswandel bei den Konsumenten brauche es aber auch die Rahmenbedingungen, die es den Menschen so einfach wie möglich machen, ihre Absichten umzusetzen: «Die Verantwortung liegt nicht nur bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern, sondern auch bei den Herstellern und Detailhändlern», sagt Zbinden.

(gea)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 16. Juni 2021 06:17
aktualisiert: 16. Juni 2021 06:17