Auf dem Polizeirevier

Eine Kammer voll illegaler Schätze

Mario Trlaja, 8. Oktober 2020, 19:10 Uhr
Die Luzerner Polizei hat viele Waffen. Eine riesige Menge davon liegt in einem abgelegenen Keller am Hirschengraben. Hier werden lauter illegale Waffen gelagert.

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Quelle: Tele 1

Auf die Frage, wie viele beschlagnahmte Waffen im kühlen Kellerraum liegen, weiss Josef Rust keine genaue Antwort. Immer wieder kommen neue dazu und immer wieder werden Waffen vernichtet. 85 Tonnen habe man seit 2009 vernichtet, sagt Fachbereichsleiter Waffen und Sprengstoff. «Ich will es vielleicht auch gar nicht genau wissen», sagt er und lacht.

Klingen, Schlagstöcke und täuschend echte Softair-Pistolen

© PilatusToday

Auf zwei Tischen breitet Josef Rust die beschlagnahmten Waffen für uns aus. «Was möchten Sie sehen», fragt er uns, denn er hat die Qual der Wahl. Kistenweise zeigt uns der Polizist die Sammlung: Schlagringe, Butterfly-Messer, Teleskop-Schlagstöcke und Elektroschocker. Dazwischen gibt es jede Menge Softairwaffen, Pistolen mit Druckluft, die echten Waffen zum Verwechseln ähnlichsehen und deshalb verboten sind. Aber auch Kuriositäten sind zu sehen, krallenartige Messer im Wolverine-Stil oder eine Art Peitsche, die aus scharfen Klingen besteht.

Schlagringe in allen Farben

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Per Klick strafbar gemacht

Illegale Waffen geraten fast überall ins Netz der Polizei. Sie werden auf der Strasse getragen, im Auto mitgenommen oder sogar an Schulen von Jugendlichen hergestellt. Die Polizei stellt aber einen Trend zum Waffenkauf im Internet fest. Anbieter, oft aus Fernost, bietet Waffen für alle und zu tiefen Preisen an. Die Anbieter seien den Zollbeamten aber oftmals bekannt, sagt Josef Rust. «Der Zoll gibt uns Hinweise und wir beschlagnahmen die Waffen.» Und das ist nicht alles, denn wer Waffen kauft, die in der Schweiz illegal sind, macht sich strafbar. Es drohen ein Eintrag ins Strafregister und hohe Bussen.

Solche Butterfly-Messer sind verboten, weil sie einhändig geöffnet werden können.

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Faszination bei Jugendlichen

Woher kommt die Faszination für scharfe Klingen und scharfe Waffen? Es fange bereits in der Kindheit an, sagt Josef Rust. «Jeder Junge hat ein Sackmesser.» Es seien aber nicht nur Männer, die sich wegen Waffendelikten strafbar machen. Die Polizei erwischt immer wieder Mütter, die verbotene Waffen im Internet für ihre Söhne bestellen.

Elektroschocker in allen Ausführungen, zum Beispiel getarnt als Handy

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Eine Kalaschnikow unter dem Tresen

Die Beamten kennen aber auch härtere Fälle als den Lehrling, der sich einen Elektroschocker auf Wish bestellt. Erst kürzlich habe man ein russisches Maschinengewehr gefunden, das sich unter dem Tresen einer Bar befand. «Das Gewehr war geladen und nicht gesichert,» erzählt Josef Rust.

Sensibilisierung ist wichtig

Damit es gar nicht zur Beschlagnahmung und Anzeige kommt, sei es wichtig, die Menschen zu sensibilisieren. Erst kürzlich hatte die Luzerner Polizei auf Facebook auf den Online-Handel mit illegalen Waffen aufmerksam gemacht. Aber auch Berichte wie dieser helfen, meint Josef Rust. «Wenn wir wenigstens ein paar junge Menschen davon abbringen können, sich übers Internet eine Waffe zu besorgen, dann sind wir zufrieden.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 8. Oktober 2020 18:49
aktualisiert: 8. Oktober 2020 19:10