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Kriminalgericht Luzern

Ex-Freundin gewürgt und vergewaltigt – mehrere Jahre Haft

10. Januar 2022, 09:30 Uhr
Ein Brasilianer hat seine Ex-Freundin beinahe getötet und sie vergewaltigt. Nun hat das Luzerner Kriminalgericht den Mann zu 6 Jahren und 11 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Mann ist mehrfach vorbestraft.
Das Kriminalgericht Luzern hat über eine Vergewaltigung entschieden. (Symbolbild)
© Michi Huser

In der Nacht auf den 12. April 2018 ist in der Wohnung der Frau ein Streit zwischen ihr und ihrem Ex-Freund eskaliert. Der 31-jährige Brasilianer, der mit der Frau eine fünfjährige Tochter hat, hat seine ehemalige Partnerin in der Küche bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Nachdem die Frau ihr Bewusstsein wieder erlangt hatte, sollte sie dem Mann versprechen, niemandem etwas zu erzählen, sonst würde er alles verlieren.

Er drohte ihr und machte deutlich, dass er fähig sei, sie zu töten, schreibt die «Luzerner Zeitung». Gemäss seinen Ausführungen hatte sich der Beschuldigte nach dem Vorfall in der Küche ins Schlafzimmer begeben. Dort ist es laut Anklageschrift der Luzerner Staatsanwaltschaft erneut zum Streit gekommen.

Nach dem Würgen wollte er Versöhnungssex

Später habe er sich mit Geschlechtsverkehr mit ihr versöhnen wollen. Die sogenannte Versöhnung war laut Gerichtsurteil jedoch eine Vergewaltigung. Die Frau gab ihrem Ex-Freund laut Anklageschrift mehrfach deutlich zu verstehen, dass sie nicht wollte. Er gab zwar zu, dass sie zuerst «Nein» gesagt habe. Danach hätten sie jedoch Sex gehabt. Für ihn sei es normal, dass in einer Beziehung nicht immer beide Personen Lust hätten. Er finde, wenn man sich liebe, sei es normal, dass man Verkehr habe, selbst wenn die andere Person nicht möchte.

Bei den Einvernahmen hielt der Brasilianer wiederholt fest, dass sie oft einvernehmlich harten Sex mit Schlägen und Würgen praktiziert hätten. So auch an diesem Abend. Später gab er jedoch die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen zu. Wie im begründeten Urteil beschrieben ist, betonte der Verteidiger während der Gerichtsverhandlung, die Ex-Freundin des Mannes habe den Geschlechtsverkehr schliesslich über sich ergehen lassen. Dies sei im Lichte einer zwischen den beiden während Jahren gelebten Beziehungsdynamik zu würdigen, gemäss der es nach erfolgtem Streit jeweils zu «Versöhnungssex» gekommen sei.

Die eigene Tochter verletzt

Fakt ist, dass die zwei während rund zwei Jahren eine Beziehung führten und sie sich auch nach deren Beendigung für längere Zeit immer noch oft trafen und intim wurden. Sie stritten sich jedoch öfters und der Mann wendete auch Gewalt an seiner Partnerin an, weswegen mehrmals die Polizei alarmiert wurde. 2016 hatte er zudem die Tochter verletzt. In der Folge durfte er sich auf gerichtliche Anordnung hin nicht mehr dem Wohnort der Frau und ihren Kindern nähern, was er trotzdem tat.

Im Laufe der Untersuchung wurden mehrere forensisch-psychiatrische Gutachten angefertigt. Der Beschuldigte, der sich im vorzeitigen Massnahmenvollzug befindet, leidet an einer Persönlichkeitsstörung mit zusätzlichen psychopathischen Zügen. Er ist als Jugendlicher in mehreren Heimen und Kliniken untergebracht worden und ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Drohung, Gewalt und Sexualdelikten.

Haftstrafe aufgeschoben

Das Kriminalgericht verurteilte ihn nun für versuchte (eventual-) vorsätzliche Tötung, Vergewaltigung und Freiheitsberaubung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und elf Monaten. Unter Aufschub des Vollzuges der Freiheitsstrafe wird eine stationäre Massnahme angeordnet. Zudem muss der Beschuldigte seiner Ex-Freundin eine Genugtuung von 14'000 Franken bezahlen. Auch trägt er die Verfahrenskosten von rund 58'000 Franken.

(Luzerner Zeitung/Roger Rüegger)

Quelle: Luzerner Zeitung
veröffentlicht: 10. Januar 2022 09:28
aktualisiert: 10. Januar 2022 09:30