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50 Jahre Frauenstimmrecht

Feministinnen wünschen sich mehr Zusammenhalt unter Frauen

Chantal Herger, 22. Oktober 2020, 18:24 Uhr
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Quelle: Pilatus Today

Erst 50 Jahre ist es her, seit Luzernerinnen eine politische Stimme erhielten. Dieses Ereignis will der Verein 50 Jahre Frauenstimmrecht gebührend feiern. Und auch das Historische Museum Luzern blickt in einer Ausstellung auf 100 Jahre Kampf für Gleichberechtigung zurück.

Frauen prägen das Bild anlässlich der Jubiläumsfeier zu 50 Jahre Frauenstimmrecht im Hotel Schweizerhof Luzern – von jung bis alt, von blond bis ergraut. Die Botschaft ist klar: «Wir Luzerner Frauen kämpfen weiterhin für unsere Rechte.» Und dass es diesen Kampf immer noch braucht, bestätigen die vier Frauen in der Diskussionsrunde: Die erste Regierungsrätin im Kanton Luzern, Brigitte Mürner, die Journalistin Monika Fischer von der GrossmütterRevolution, die Jungpolitikerin Michelle Meyer sowie die Luzerner Soziologin Lucia Lanfranconi. Mürner bringt es auf den Punkt: «Die Gesetze sehen auf Papier zwar schön aus, es hapert aber noch im praktischen Leben.»

Die Podiumsrunde: Flurina Valsecchi, Luzerner Soziologin Lucia Lanfranconi, erste Regierungsrätin im Kanton Luzern, Brigitte Mürner, die Journalistin Monika Fischer von der GrossmütterRevolution und die Jungpolitikerin Michelle Meyer
© Nadia Schärli

Frauen sollten sich mehr unterstützen

Damit die Gesetze auch tatsächlich umgesetzt werden, braucht es Frauen, die immer wieder vorpreschen: Pionierinnen und Vorkämpferinnen, wie es auch die Frauen vor 50 Jahren waren. Diese würdigt Ylfete Fanaj, Präsidentin des Vereins und Kantonsratspräsidentin, in ihrer Eröffnungsrede: «Danke, dass Sie damit den Weg für andere Frauen geebnet haben». Sie sind zusammengestanden und haben zusammengehalten. Etwas, das es in Zukunft mehr braucht. In diesem Punkt sind sich auch die Podiumsteilnehmerinnen einig: «Wir sollten nicht unsere grössten Kritikerinnen, sondern unsere grössten Supporterinnen sein», so die jüngste Politikerin in der Runde, Michelle Meyer.

Bühnenpoetin und Kabarettistin Patti Basler fasste die Jubiläumsfeier zum Schluss in ein «Instant Protocolling».

© Nadia Schärli

Es war ein freudiger und hoffnungsvoller Abend, der die Stimme der Frauen hochleben lässt oder, um es in Patti Baslers Worten zusammenfassend zu sagen: «Frauen müssen 2020 immer noch alles doppelt so gut machen wie die Männer – das ist zum Glück nicht so schwierig.»

Eine Stimme haben

Das Historische Museum Luzern widmet dem Jubiläum zu 50 Jahre Frauenstimmrecht eine eigene Ausstellung. Unter dem Motto «Eine Stimme haben» porträtiert die Ausstellung verschiedene Luzerner und Schweizer Akteurinnen und Akteure, die für Mitsprache kämpften oder solche, die dagegen waren. Und stellt sich der Frage, wie es 1970 zum Wandel kommen konnte und was sich in den folgenden Jahren veränderte. Die Ausstellung gibt mutigen Vorkämpferinnen der 1920er-Jahre eine Stimme und erzählt vom konservativen Frauenbild der 1950er, der blumig-braven Werbekampagne der 1970er bis hin zu den lauten Frauenstreiks von 1991 und 2019.

Auch will die Ausstellung die Besucherinnen miteinbeziehen, sie zum Mitdenken und Reflektieren anregen. Um zu zeigen, dass der Kampf der Gleichberechtigung ein langer Weg ist und nur durch hartnäckiges Insistieren, vielen Rückschlägen und mit verschiedenen Strategien erreicht werden kann – damit frau endlich eine eigene Stimme hat.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 22. Oktober 2020 17:11
aktualisiert: 22. Oktober 2020 18:24