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50 Jahre Frauenstimmrecht

Frauen und Medien: Es gibt noch viel zu tun

31. August 2021, 17:50 Uhr
Nur jede vierte in den Medien erwähnte Person ist eine Frau. Damit ist die Frau im Vergleich zur restlichen Bevölkerung krass untervertreten. Eine Veranstaltung im Rahmen des 50-Jahr-Jubiläums des Frauenstimmrechts setzte sich engagiert damit auseinander.
Eine Wissenschaftlerin und vier Journalistinnen diskutierten über Frauen und Medien.
© Verein «50 Jahre Frauenstimmrecht Luzern»

Wäre die Präsenz von Frauen in den Medien so hoch wie an dieser Veranstaltung, bräuchte es den Anlass gar nicht – oder dann eher für die Gegenseite. Denn lediglich ein Mann sass am Montag in Luzern im Saal. Auf dem Podium waren eine Wissenschaftlerin und vier Journalistinnen. Sie schauten kurz zurück und skizzierten einen langjährigen Kampf, der nur allmählich und nur langsam Früchte trägt.

Bei der Veranstaltung «Frauen & Medien», organisiert vom Verein «50 Jahre Frauenstimmrecht Luzern», ging es um Fragen, wie und wie häufig Frauen in Medien dargestellt werden, welche Rollen sie in Medienunternehmen übernehmen und wie sie als Medienschaffende agieren.

Frauen krass untervertreten

Zu Beginn schlüsselte die Soziologin Sophie Mützel die aktuelle Situation auf – und der Titel ihres Vortrags hätte passender nicht sein können: «Es gibt noch viel zu tun». Zu den Fakten: In Medienorganisationen arbeiten 30 Prozent Frauen, in schlecht bezahlten Medien – wie Online-Medien – sind es mehr. Vor allem in höheren Positionen sind Frauen selten zu finden. Die Lohnungleichheit ist dementsprechend auch bei den Medien hoch, vor allem im Bereich Print. Auch bezüglich Ressorts gibt es Unterschiede. In Sport, Politik und Wirtschaft sind Frauen deutlich in Unterzahl. Dies betrifft nicht nur die Schreibenden, sondern eben auch die Dargestellten.

Nur 23 Prozent der erwähnten Personen sind Frauen. Dabei liegt der Fokus oft beim Privaten, bei Männern ist das selten ein Thema. Weibliche Personen kommen laut Mützel vor allem in «weicheren» Themen vor, sprich Lifestyle, Gesellschaft und Kultur. Wenn dann einmal über Frauen berichtet wird, kann es auch vorkommen, dass ein Artikel nur so vor Sexismus trieft. Als Beispiel nennt Mützel den Artikel über die neue WTO-Chefin, die in den Zeitungen von CH Media als «Grossmutter» betitelt wurde. Mützel dazu: «Den Sexismus, der in diesem Artikel herrscht, kann man gar nicht überbieten.»

Mehr Solidarität unter Frauen gefordert

Die Problemfelder sind also zahlreich, wie die Soziologin in ihrem Vortrag festhält. Was Frau und Mann dagegen machen kann: Frauen verstärkt gezielt ansprechen, ihnen eine Plattform bieten und weibliche Expertinnen anfragen. Dies versucht beispielsweise SRF mit ihrem Programm «50:50» umzusetzen. Lis Borner, Chefredaktorin von Radio SRF, sagte dazu: «Wir müssen Frauen oft davon überzeugen, dass sie die kompetenteste Person für dieses Thema ist.» Borner ist eine von vier Frauen, die zur Podiumsdiskussion eingeladen wurden. Ergänzt wurde die Runde von Martina Fehr, Direktorin der Journalistenschule MAZ und Jolanda Spiess-Hegglin, Geschäftsführerin von #Netzcourage. Moderiert wurde die Diskussion von Marguerite Meyer, Journalistin für die Republik.

Ein weiteres Problem, dass sich bezüglich Frauen und Medien zeigt, sind Angriffe auf weibliche Medienschaffende. 73 Prozent der Frauen, die im Medienbereich arbeiten, sind gemäss eigenen Angaben bereits beschimpft, bedroht oder verbal angegriffen worden. Dabei handelt es sich meist um frauenfeindliche, identitätsbasierte Angriffe. Jolanda Spiess-Hegglin, die in diesem Bereich mit ihrem Verein tätig ist, sagte dazu: «Solidarität unter Frauen ist wichtig.» Betroffene Frauen sollen vom Umfeld sowie auch vom Arbeitgeber unterstützt werden.

Unbequem und beharrlich bleiben

Ein Thema, das bei der anschliessenden Podiumsdiskussion mehrfach aufgegriffen wurde, ist die gendergerechte Sprache. MAZ-Direktorin Martina Fehr stellt diesbezüglich eine Veränderung fest: «Bei der jüngeren Generation ist die Idee einer gendergerechten Gesellschaft vorhanden.» Und Borner ergänzt: «Wenn sich die Sprache verändert, verändert sich die Gesellschaft.» Sie ist überzeugt davon, dass die Medien in diesem Bereich einen Beitrag leisten können – einerseits mit der Vermeidung des generischen Maskulinums, andererseits mit Doppelnennungen.

An diesem Abend kamen viele Themen zusammen, die im Rahmen des 50-Jahr-Jubiläums des Frauenstimmrechts diskutiert wurden, erzählt Ylfete Fanaj, Präsidentin des Vereins «50 Jahre Frauenstimmrecht Luzern». Umso wichtiger sei es, «unbequem und beharrlich zu blieben», bis diese Themen eben keine mehr seien. Dieser Meinung war auch Sylvia Egli von Matt, ehemalige Direktorin am MAZ: «Wir müssen noch lange kämpfen, aber auch nach vorne schauen.» In ihrer Schlussrede nahm sie denn auch die ganze Gesellschaft in die Pflicht: «Denn ohne Männer geht es nicht.»

(hch)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 31. August 2021 17:50
aktualisiert: 31. August 2021 17:50