«Colorful Friday»

Gegenbewegung zum Black Friday: «Müssen unser Konsumverhalten verändern»

Martina Birrer, 23. November 2022, 09:13 Uhr
Der Black Friday ist der Startschuss für das Weihnachtsgeschäft. Doch durch diese Aktion wird das Konsumverhalten der Gesellschaft zusätzlich angeregt, was einigen nicht zusagt. Deshalb wurde eine Gegenbewegung ins Leben gerufen – der «Colorful Friday». Mit dabei auch Zentralschweizer Geschäfte.
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Winter Sale, Mid Season Sale oder einfach eine «Aktions-Stange» im Kleiderladen. Im Herbst dann der Höhepunkt: Singles Day, Black Friday und noch Cyber Monday. Kann man überhaupt noch einkaufen, ohne von Super-Angeboten gelockt zu werden? Rebekka Sommerhalder von der Gegenbewegung hat das Gefühl, dass dies fast nicht mehr möglich ist. Überall wird um den besten Preis gekämpft. Deshalb hat sie mit einem Team die Gegenbewegung zum Black Friday ins Leben gerufen, den «Colorful Friday.»

Das Ziel der Aktion: keine Rabatte, keine Lockangebote, dafür faire Preise und ein gemeinsames Einstehen für eine umweltfreundliche und sozialere Modewelt. Durch den «Colorful Friday» möchten die Initianten auf den Überkonsum aufmerksam machen. «Wenn wir mit dem Konsum so weiter machen, dann rasseln wir immer weiter hinein. Wir müssen unser Konsumverhalten verändern, da führt kein Weg daran vorbei», sagt Rebekka Sommerhalder, die eine der Mitorganisatorinnen ist.

Black Friday wirtschaftlich problematisch 

Dass die Rabattschlachten überhaupt existieren, würde an der Überproduktion liegen, so die Einschätzung von Sommerhalder. Für Unternehmen, die beim Black Friday mitmachen, habe sie ein gewisses Verständnis: «Man möchte mit dem Trend mitgehen und sich mit den grossen Playern messen», aber: «Die Rabattschlacht ist wirtschaftlich ein grosses Problem.»

Mit dem Black Friday wird der Weihnachtsverkauf eingeläutet, was für viele Detailhändler die umsatzstärkste Zeit bedeutet. Doch Rebekka Sommerhalder hat ihre Zweifel: «Wirtschaftlich gesehen ist dies doch problematisch. Der Umsatz alleine sagt nichts darüber aus, was am Ende in der Kasse übrig bleibt.»

Party im Belohnungsnetzwerk des Gehirns

Trotzdem machen die Geschäfte beim Black Friday mit. Es würde sich übers Jahr gerechnet auszahlen, sagt der Marketingverantwortliche des Mediamarkts, Nicolas Bill. Weiter betont er, dass sie nur die Bedürfnisse der Kunden befriedigen würden: «Der Black Friday ist ein grosses Event und die Kunden warten ein ganzes Jahr darauf.»

Schlangen vor den Einkaufszentren und Kunden, die auf die Rabatte warten, seien natürlich und logisch, sagt der Psychologe Dr. Sebastian Ulbrich. Denn das Konsumverhalten am Black Friday würde sich belohnend auf das Hirn auswirken. «Bei vermeintlich knappem Angebot und hoher Nachfrage einen guten Deal zu landen – da ist Party im Belohnungsnetzwerk des Gehirns», so Ulbrich. Wer sich ein Super-Angebot schnappt, würde sich wie jemand fühlen, der etwas gewonnen hat.

Lieber einzelne Lieblingsstücke als viele verschiedene Kleider 

Doch braucht man das Super-Angebot am Ende wirklich, oder wurde im Menschen ein falsches Verlangen aufgrund der hohen Nachfrage und der knappen Verfügbarkeit erstellt? Genau diese Frage sollen sich die Konsumenten stellen, wenn sie am Black Friday in ein Geschäft mit einem «Colorful Friday» Kleber gehen. «Wir möchten mit den Leuten ins Gespräch kommen und ihnen Wissen mitgeben, damit sie selbst entscheiden können, ob sie beim Black Friday mitmachen möchten oder nicht», erklärt Rebekka Sommerhalder die Motivation hinter der Gegenbewegung «Colorful Friday».

«Bei Mode beispielsweise ist es doch schöner, wenn man einzelne Lieblingsstücke hat anstelle von ganz vieler Kleidung und man weiss nicht, was man anziehen soll.» Mit solchen Argumenten möchte Sommerhalder die Leute bei einem bewussten Einkauf überzeugen.

Eine Übersicht der Geschäfte, die mitmachen, findest du hier.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 23. November 2022 05:33
aktualisiert: 23. November 2022 09:13