Stimmen im Kopf

Gericht erklärt Baselstrasse-Messerstecher für schuldunfähig

14. Januar 2021, 22:48 Uhr
In der Baselstrasse in Luzern kam es 2018 zu einer Messerstecherei.
© Getty Images
Er hatte am helllichten Tag und auf offener Strasse mit einem Messer auf einen anderen Mann eingestochen und diesen dabei lebensbedrohlich verletzt. Ins Gefängnis muss der Beschuldigte jedoch nicht, da ihn das Luzerner Kriminalgericht für schuldunfähig erklärt hat.

Was geschah

Januar 2018 an der Baselstrasse: Alles hatte mit einem Streit zwischen einem 25-jährigen Kameruner (dem Beschuldigten) und einem Mann aus Eritrea begonnen. Die Stimmung war bereits aufgeheizt, als der Beschuldigte auf diesen und einen weiteren eritreischen Kollegen an der Baselstrasse traf. Kurz zuvor war der 25-Jährige in seine Wohnung gegangen, um ein Küchenmesser zu holen. Der beschuldigte Kameruner versetzte seinem Widersacher einen Schlag in den Rücken. Es kam zu einer «wilden Keilerei» zwischen den Männern, wie es im Urteil heisst.

In dessen Verlauf zückte der Beschuldigte, der wiederholt mit seinem aggressiven Verhalten aufgefallen war, ein Messer und versuchte auf die beiden Eritreer einzustechen. Als derjenige Eritreer, mit dem er bereits vorher im Streit war, versuchte auf die andere Strassenseite zu flüchten, verfolgte ihn der Beschuldigte und verletze ihn mit dem Messer an der Hand. Worauf der andere Eritreer seinem Freund zu Hilfe eilte. Doch dann stach der 25-Jährige diesem in die Brust, worauf der Mann schwer verletzt zusammenbrach. Der Beschuldigte flüchtete anschliessend nach Hause, wo er kurze Zeit später von der Polizei festgenommen wurde.

Was sagt das Gericht

Weil der Beschuldigte das Messer erst während der Auseinandersetzung aus der Hosentasche holte und den falschen Mann schwer verletzte, geht das Gericht nicht von Tötungsabsicht aus. Er habe eher instinktiv als kalkuliert gehandelt, erklärte es. Es sei deswegen nicht von einer versuchten Tötung, sondern von einer schweren Körperverletzung auszugehen.

Bereits in der Vernehmung hatte der Beschuldigte diffuse Aussagen gemacht und von einem Flüstern in seinen Kopf erzählt. Daraufhin wurde ihm eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Aufgrund dieser hat das Kriminalgericht Luzern den Messerstecher für schuldunfähig erklärt. Das Gericht sprach ihn zwar der schweren und der einfachen Körperverletzung schuldig, verzichtete aber wegen der Schuldunfähigkeit auf eine Bestrafung und einen Landesverweis und ordnete die Einweisung in eine Klinik an.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Berufung wurde angemeldet.

(hch)

Quelle: PilatusToday / sda
veröffentlicht: 15. Januar 2021 06:35
aktualisiert: 14. Januar 2021 22:48