Spital Wolhusen

Graf zu Bauverzögerung: «Ich bin nervös, wir müssen jetzt bauen können!»

17. März 2021, 17:03 Uhr
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Quelle: Pilatus Today

Das neue Spital in Wolhusen dürfte über ein geringeres Angebot verfügen als ursprünglich vorgesehen. Die Luzerner Regierung prüft etwa bei der Geburtshilfe, ob ausschliesslich hebammengeleitete Geburten möglich sind. Trotzdem wird der Kanton künftig tiefer in die Tasche greifen müssen.

Zumindest äusserlich soll sich am geplanten Neubau beim Standort des Luzerner Kantonsspitals in Wolhusen nichts ändern. Der Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf (CVP) hat sich am Mittwoch vor den Medien in Luzern zum Spital Wolhusen bekannt. Dieses sei sowohl für die Gesundheitsversorgung im Einzugsgebiet als auch aus volkswirtschaftlicher Sicht wichtig für die Region.

Weil das heutige Gebäude aus dem Jahre 1972 saniert werden muss, hatte der Kantonsrat 2011 einen Neubau bewilligt. 2018 wurde das Siegerprojekt «Paimio» vorgestellt. Der 110-Millionen-Franken-Bau ist 120 Meter lang, 50 Meter tief und verfügt über zwei bis vier Stockwerke. Er wird neben dem bestehenden Spital zu stehen kommen, das abgerissen wird.

Im Februar erteilte die Gemeinde Wolhusen die Baubewilligung, gegen diese wurde jedoch Einsprache erhoben. Zum Inhalt der Einsprache, die beim Kantonsgericht liegt und aufschiebende Wirkung hat, konnten die Verantwortlichen keine Angaben machen.

Den Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf beschäftigt diese Einsprache, wie er gegenüber PilatusToday und Tele1 sagt. «Ich bin nervös. Ich muss wissen, was es mit dieser Einsprache auf sich hat. Ich hoffe, dass sie möglichst schnell behandelt werden kann. Sollte sich diese Beschwerde bis vor Bundesgericht ziehen, verzögert sich der Bau ungefähr um zwei Jahre. Das ist zu lange, wir müssen jetzt bauen können!», so Graf. 

Ungewiss ist also der Zeitpunkt für den Baustart oder die Eröffnung des neuen Spitals. Doch es sei wichtig, dass man jetzt beginnen könne, so Graf. Denn gerade in der Technik ändere sich in den kommenden Jahren sehr viel. Er habe Verständnis dafür, dass es Unsicherheiten gebe, wenn etwas Neues komme. «Ich bin aber überzeugt, dass wir die Weichen  richtig stellen müssen für die Zukunft, sonst haben wir dann ein Problem. Und ich habe als Gesundheitsdirektor keine Lust, Institutionen zu schliessen, weil die Infrastruktur veraltet ist. Das will ich nicht. »

Bezug in fünf bis sechs Jahren

Dank der modularen Planung des neuen Gebäudes könne man bei bestehender Aussenhülle die Innengestaltung anpassen. Und das wird nötig sein, zumal in den letzten Jahren in der Gesundheitsversorgung «viel passiert» sei, wie Graf betonte. Spitalratspräsident Ulrich Fricker sagte es so: «Es ist jetzt der richtige Zeitpunkt zu überlegen, welche medizinischen Leistungen im neuen Spital dereinst angeboten werden sollen.»

Die medizinischen Leistungen geben auch in Wolhusen selbst zu reden. Wie Gemeindepräsident Bruno Duss sagt, habe der Kanton 2014 ein Vorbildspital versprochen mit allen Grundversorgungen. «Wir sind froh, wird das neue Spital gebaut, aber die Stimmung wird durch das geschmälerte Angebot getrübt», so Duss. 

Die Regierung hat sich laut Graf im Sinne eines Kompromisses auf fünf Bereiche beschränkt: Angeboten werden soll ein tagesklinisches Zentrum mit einem Notfallangebot rund um die Uhr. Zusammen mit den Ärzten in der Region wird das Luks eine Liste jener Spitaleingriffe erstellen, die auch künftig in Wolhusen angeboten werden sollen.

Ausgebaut werden sollen das Orthopädiezentrum mit Schwerpunkt Gelenkersatz und das Rehabilitätszentrum. Auch Betten für stationäre Aufenthalte sind vorgesehen. Während die Gesamtzahl von über 70 Betten laut Luks-Direktor Fuchs stabil bleibt, dürften davon deutlich mehr als die bislang geplanten 20 Betten auf Reha-Patienten entfallen.

«Gynäkologie nicht weggedacht»

Prüfen will die Regierung zudem, ob künftig wie in einem Geburtshaus nur noch hebammengeleitete Geburten möglich sein sollen. Die Gynäkologie in Wolhusen sei allerdings «nicht weggedacht» sagte Fuchs. Es sei möglich, dass dereinst weniger Fachkräfte in Wolhusen arbeiten würden. Weil solche gesucht seien, könnten sie aber andernorts in der Luks-Gruppe angestellt werden.

Der nun definierte Leistungsauftrag bedingt eine Erhöhung der gemeinwirtschaftlichen Leistungen. Laut Graf muss der Kanton den Beitrag für die von ihm bestellten und nicht kostendeckenden Angebote in Wolhusen von heute 3 Millionen Franken auf bis zu 6,5 Millionen Franken jährlich erhöhen.

Helikopter und Kritik

Um die medizinische Versorgung in der Region zu verbessern, plant die Rettungsflugwacht Rega zudem eine Basis im Entlebuch, bestehend aus Helikopterlandeplatz und Hangar. Gemeinsam mit dem Kanton sei man daran, mögliche Standorte zu evaluieren, sagte Rega-Chef Ernst Kohler. Aktuell habe man seitens der Rega sowie des Kantons eine Absichtserklärung unterschrieben. Bei der Planung stehe man indes noch ganz am Anfang. «Nun müssen erst Machbarkeitsstudien und weitere Abklärungen gemacht werden.»

Eine überparteiliche Gruppe von sechs Kantonsräten aus der Region kritisierte in einer Reaktion die Infragestellung der Geburtenabteilung und der Abbau der Intensivstation als «Leistungsreduktion». Sie bezweifeln, ob sich dies mit dem gesetzlichen Grundversorgungsauftrag im kantonalen Spitalgesetz vereinbaren lasse.

Der Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) stellte sich nicht grundsätzlich gegen die Überprüfung und Umgestaltung des Angebots. Er bemängelte aber, dass das Personal bislang nicht miteinbezogen worden sei.

Quelle: sda
veröffentlicht: 17. März 2021 14:58
aktualisiert: 17. März 2021 17:03