Brenzlige Brennholzlage

Hamsterkäufe: Luzerner Anbieter können nur noch Stammkunden bedienen

Livia Barmettler, 9. Oktober 2022, 19:54 Uhr
Im Sommer ging er los, bis jetzt hält er an: Der Brennholzboom. Die meisten Luzerner Anbieter können nur noch ihre Stammkunden bedienen. Der Grund: Hamstereinkäufe aus Angst vor der Winterkälte.
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«Ausverkauft», «die unerwartet hohe Nachfrage an Brennholz zwingt auch uns in die Knie», «nur noch Aufträge von Stammkunden» – wer zurzeit Brennholz kaufen möchte, wird von den meisten Anbietern in der Region enttäuscht. Der Grund: ein bereits über Monate anhaltender Brennholzboom.

«Man vergleicht die aktuelle Brennholz-Situation teils mit dem Run auf WC-Papier anfangs der Pandemie – das hat schon was. Im Moment ist der Boom klar zu spüren, sowohl gesamtschweizerisch als auch im Kanton Luzern», schreibt der Verband WaldLuzern auf Anfrage von PilatusToday und Tele 1.

Boom begann bereits im Sommer

Die Nachfrage ist nicht nur rasant gestiegen, sondern begann auch schon viel früher als üblich: «Die Bestellungen kamen schon im Sommer und nicht wie gewohnt im Herbst, zum Teil wollten die Kunden das Holz vorbestellen und bezahlen», so ein Anbieter aus dem Seetal. Auch andere Holzlieferanten aus dem Pilatusland berichten von ähnlichen Erfahrungen.

«Hamsterei war verrückt»

«Die Hamsterei war gerade im September verrückt», erzählt Reto Waldis, Geschäftsführer von Wald & Garten GmbH aus Weggis, im Interview mit PilatusToday und Tele 1. «Viele der Kunden wissen nicht, wie lange ein Ster überhaupt reicht und haben einfach mal auf Vorrat eine gewisse Anzahl Ster bestellt», so Waldis weiter.

Dabei reiche ein Ster für einen Einfamilienhaushalt, der ab und zu gerne das Cheminée anfeuert, gar für mehrere Monate. Und selbst wenn ein Einfamilienhaushalt das ganze Jahr über ausschliesslich mit Holz heizen möchte, würden 14 Ster für das gesamte Jahr reichen.

Brennholz braucht Zeit

Die Konsequenz der Hamsterei: «Stand jetzt haben wir fast kein trockenes Brennholz mehr –  oder anders gesagt: Wir hätten noch, aber dieses wird erst gegen Winter trocken», so Waldis. Das sei die Hauptproblematik, nicht etwa die Erntebegrenzung, die im Forstgesetz steht: «Nach Gesetz dürften wir noch um 25 Prozent mehr ernten.»

Weil das Holz aber Monate trocknen muss, sei es nicht möglich, sich auf die Schnelle dem Markt anzupassen. Von dieser Problematik seien zurzeit die meisten Anbieter betroffen.

Vordenker aus dem Entlebuch 

Alain Bürgin gehört nicht dazu: Er hat sich vor drei Jahren zusammen mit seiner Partnerin auf die Brennholzproduktion spezialisiert und führt seither eine mechanische Trocknung durch.

Dies ermöglicht es ihm zurzeit, rascher auf die erhöhte Nachfrage zu reagieren. Aber auch für ihn ist der Boom erstaunlich: «Unsere bisherigen Kunden bestellen doppelt so viel wie in anderen Jahren. Dazu kommen neue Kunden, die denken, sie werden diesen Winter sonst frieren müssen und Übermengen bestellen.» Auch grössere Player, denen ebenfalls das Brennholz ausgeht, würden zurzeit bei ihm anklopfen.

Angst vor Energienotstand > Nachhaltigkeitsgedanke

Der Verband WaldLuzern sieht die Hauptursache für den Brennholzboom an ähnlicher Stelle: «Vielfach dürfte nicht der Nachhaltigkeitsgedanke Grund sein für das Umsteigen auf den klimaneutralen Energieträger Holz, sondern die Angst vor einem Energienotstand, dass Gas und Strom abgestellt werden», so der Verband.

Verband besorgt 

Die logische Folge der Hamsterkäufe sind nebst der Knappheit steigende Preise. Diese Entwicklung sorgt beim Verband für Besorgnis, denn: «Holz sollte denjenigen Verarbeitungskanälen zugeführt wird, wo es möglichst wertig verarbeitet werden kann. Es klimaneutral zu verbrennen ist die letzte Option.»

Derzeit zeige der aktuelle Trend aber in eine andere Richtung: «Die Energieholzpreise könnten aufgrund des steigenden Energiehungers dem Industrieholz schon bald den Rang ablaufen. Das wäre eine schlechte Entwicklung für alle Beteiligten.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 9. Oktober 2022 06:13
aktualisiert: 9. Oktober 2022 19:54