Luzern

Handgranaten werden aus dem Rotsee geborgen

Raffaele Keller, 4. September 2020, 08:28 Uhr
Aus dem Rotsee wurden rund ein dutzend Handgranaten geborgen. (Archivbild)
Am kommenden Donnerstag, 3. September, werden Polizeitaucher der Luzerner Polizei zusammen mit Tauchern der Schweizer Armee Handgranaten aus dem Rotsee bergen.

Wie die Luzerner Polizei in einer Mitteilung schreibt, werden die eigenen Taucher der Wasserpolizei bei der Bergungsaktion von Tauchern des Bereichs Kampfmittelbeseitigung der Schweizer Armee unterstützt. Christian Bertschi, Kommunikationschef der Luzerner Polizei, sagt auf Anfrage von PilatusToday und Tele 1, dass die Taucher der Armee für die Bergung und die Entsorgung der Handgranaten zuständig seien. So sei auch der Zeitpunkt der Tauchgänge gewählt worden. Die Spezialisten der Armee haben aktuell ein Zeitfenster, in dem sie der Luzerner Polizei bei der Bergung helfen können.

Bereits in den Jahren 1979, 2000, 2001 und zuletzt im November 2019 wurden insgesamt rund 1’700 Handgranaten in der Nähe der Rotsee-Badi aus dem Rotsee geborgen.

Keine Schaulustigen!

Die aktuelle Bergung der Handgranaten findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Christian Bertschi betont gegenüber PilatusToday und Tele 1, dass sich keine Passanten in den abgesperrten Bereichen aufhalten dürfen, da ein kleines Restrisiko bestehe, wenn die Handgranaten an die Oberfläche gebracht werden. Auch sollen Schwimmer den Bereich unbedingt meiden.

Die genaue Anzahl der zu bergenden Granaten wird am Donnerstag bekannt gegeben. Eine Lokalisierung der Handgranaten im Rotsee hat bereits stattgefunden, wie Bertschi ausführt. Es sei am Ende eine Budgetfrage des Kantons, wie viele Granaten geborgen werden können.

Keine Gefahr für Badegäste

Bei der letzten Bergung von rund zwölf Handgranaten im November 2019 erklärte Armeesprecher Stefan Hofer gegenüber der «Luzerner Zeitung», dass eine fachgerechte Bergung aus dem Wasser durch Experten als nicht gefährlich erachtet werde. Dies gelte jedoch nicht für nichtsachverständige Personen. «Die Munition kann ein Gefahrenmoment beherbergen, insbesondere wenn sie austrocknet», so Hofer. Doch: «Eine Selbstzündung oder Explosion im Wasser kann ausgeschlossen werden, da die benetzten Explosivstoffe nicht reagieren können, wie ursprünglich vorgesehen».

Die Handgranaten sind somit auch ungefährlich für die Badegäste der Rotsee-Badi, solange sie im Wasser bleiben. Das bestätigt auch Bertschi. Im Wasser gehe von den Granaten grundsätzlich keine Gefahr aus. Jedoch bestehe an der Luft ein Restrisiko, weshalb die Granaten auch von Experten geborgen würden.

Daher kommen die Granaten

Am 20. Oktober 1916 explodierte am Rotsee ein Magazin mit Handgranaten. Damals starben fünf Angestellte. Bei der Explosion flog eine unbekannte Zahl an Handgranaten in den Rotsee. Das Ganze fand mitten während des ersten Weltkrieges statt.

Ein Privatbetrieb am Rotsee stellte in dieser Zeit sogenannte Defensivhandgranaten des Typs Siegwart DHG 16 her – die jedoch nie zum Einsatz kamen. Als Mitarbeitende die mit Handgranaten gefüllten Kisten verlöteten, kam es zur Explosion.

Das gesamte Magazin flog in die Luft. Gebäudeteile und Handgranaten wurden in den See geschleudert. Seither sind immer wieder Handgranaten aus dem See geborgen worden.

Im Juli 2000 berichtete «SRF aktuell» über eine der Bergungen

(kra)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 1. September 2020 15:19
aktualisiert: 4. September 2020 08:28