Neue Notfallpunkte

Hier musst Du in einer Krisensituation im Kanton Luzern hin

18. Mai 2022, 16:26 Uhr
Wenn die Internetverbindung nicht mehr funktioniert, das Telefonnetz ausfällt und keine Notrufnummern gewählt werden können, ist die Bevölkerung bei einer Katastrophe auf analoge Unterstützung angewiesen. Hierfür hat der Kanton Luzern nun vorgesorgt.
Im ganzen Kanton Luzern gibt es neu Notfallpunkte.
© Luzerner Zeitung

Stellen Sie sich vor, aufgrund eines schweren Schadens fällt die Stromversorgung in mehreren Luzerner Gemeinden aus. Fünf Tage lang dauert dieser Zustand an, rund 50'000 Personen sind davon betroffen. Weil weder Herd noch Lampen funktionieren, müssen die Einwohnerinnen und Einwohner zum Campingkocher und Kerzen greifen. Es kommt vermehrt zu Bränden. Doch ohne Mobiltelefonnetz können sie die Notfallrufnummern nicht erreichen.

Dieses Szenario zeichnete Vinzenz Graf, Stabschef Kantonaler Führungsstab Luzern, zusammengefasst am Mittwoch, schreibt die «Luzerner Zeitung». Nicht etwa, weil eine akute Gefahr besteht, sondern weil es gute Neuigkeiten gibt: Im Kanton Luzern sind ab sofort 161 Notfalltreffpunkte eingerichtet, die als erste Anlaufstelle in derartigen Krisensituationen dienen. Kleine Gemeinden verfügen über mindestens einen solchen Standort, in der Stadt Luzern gibt es deren 19. Gerechnet wurde mit einem Treffpunkt pro 3000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Bevölkerung wird in Notfällen informiert und unterstützt

Um über die neuen Notfalltreffpunkte zu orientieren, lud Sicherheitsdirektor Paul Winiker (SVP) zu einer Medienkonferenz. Für ihn kommt der Zeitpunkt der Einführung gerade richtig: «Im Gegensatz zu vor ein paar Jahren haben die Bürgerinnen und Bürger heute mehr Sensibilität für Sicherheit und Vorsorge.» Kommunikation sei eine zentrale Voraussetzung zur Krisenbewältigung. Die Treffpunkte seien die Antwort auf die Frage, wie der Kanton die Bevölkerung informiere, «wenn gar nichts mehr geht».

Winiker bezeichnete sie als «Schnittstelle zwischen der Einsatzkommunikation und jener mit der Bevölkerung, um Massnahmen für Schutz und Rettung zu treffen.» Hier erhalten die Einwohnerinnen und Einwohner im Krisenfall Informationen und Unterstützung. Bei medizinischen Notfällen organisiert das Personal vor Ort etwa mittels Funkgeräten, die auf Polycom – dem Sicherheitsfunknetz der Blaulichtorganisationen – basieren, entsprechende Hilfe.

Feuerwehr und Zivilschutz sind gefragt

Betrieben werden die Standorte bei einer Katastrophe in erster Linie von Feuerwehrleuten und Zivilschützern, bei Bedarf springt das Verwaltungspersonal der jeweiligen Gemeinde ein. Sie alle werden regelmässig bezüglich des richtigen Umgangs mit Leuten in einer schwierigen Lage geschult.

Zu jedem Notfalltreffpunkt gehört auch eine graue Kiste, die entweder vor Ort oder bei der Feuerwehr gelagert wird. Darin befinden sich ein Notstromaggregat, Kabelrollen, Beleuchtungsmaterial, ein Megafon, ein Radio, eine Ladestation für die Polycom-Geräte, Schreibzeug, Signalisation und Westen fürs Personal, Masken sowie Desinfektionsmittel. Für die Wartung des Materials ist der Zivilschutz zuständig.

Notfalltreffpunkte können auf Website nachgeschaut werden

Bislang verfügte der Kanton Luzern über kein Konzept, wie die Bevölkerung erreicht werden kann, wenn die Informations- und Kommunikationstechnologien länger unterbrochen sind. Die Massnahme wurde in der Kantonalen Gefährdungs- und Risikoanalyse von November 2019 festgelegt. Das Konzept, das vom Kantonalen Führungsstab und den Gemeinden entwickelt wurde, funktioniert laut Graf gefährdungsunabhängig und kann etwa auch bei einem Erdbeben oder einem grossen Rutsch zum Tragen kommen, wenn ein Teil der Bevölkerung evakuiert werden muss.

Graf riet, sich bereits jetzt über die nächstgelegenen Notfalltreffpunkte schlauzumachen. Deren Standorte können Luzernerinnen und Luzerner online (www.notfalltreffpunkt.ch) mittels Eingabe der Wohnadresse ermittelt werden. Oft befinden sie sich in einem öffentlichen Gebäude wie einem Schulhaus oder dem Gemeindehaus. Erkennbar sind die Treffpunkte auch anhand der permanent angebrachten Tafeln mit dem schweizweit einheitlichen Logo drauf:

Sie sieht das schweizweit einheitliche Logo aus.

© notfalltreffpunkt.ch

Zudem erhalten alle Haushalte in den nächsten Tagen eine Broschüre mit Informationen zur Alarmierung bei drohender Gefahr, dem richtigen Verhalten bei einem Stromausfall, der Zusammensetzung eines Notvorrats sowie der Anlaufstelle im Ereignisfall.

Quelle: Luzerner Zeitung
veröffentlicht: 18. Mai 2022 16:26
aktualisiert: 18. Mai 2022 16:26
Anzeige