Luzern

Hitze und Trockenheit: Fische müssen umgesiedelt werden

20. Juli 2022, 18:34 Uhr
Ausgetrocknete Bäche und warme Seen: Die Situation für die Fische ist derzeit in der Schweiz alles andere als angenehm. Weil viele Fische die Trockenheit und Hitze nicht überleben würden, werden sie umgesiedelt. So auch im Kanton Luzern in Hofstatt.
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Quelle: Tele 1

Mit einem elektrischen Stab werden die Fische im Ellbach, einem Bach in Hofstatt in der Gemeinde Luthern, angelockt. Der Bach ist an einigen Stellen ausgetrocknet. Das wenige Wasser, das es noch hat, ist warm und sauerstoffarm. Deshalb müssen die Fische umgesiedelt werden. «Die Pächter haben bereits einige Fische mit einem Netz herausgenommen, den Rest fischen wir nun mit Fanggeräten ab», sagt Olivier Menz, Kantonaler Fischereiaufseher in Luzern.

Fische erhalten leichten Stromstoss

Menz trägt das elektronische Fanggerät auf dem Rücken. Dieses erzeugt Strom, der auf einen Stab, den Menz in der Hand hält, übertragen wird. «Die Fische werden vom Strom angezogen und schwimmen auf die Stange zu. Dadurch bekommen sie ein bisschen Strom ab und bewegen sich nicht mehr so fest. Wir nehmen die Fische dann mit einem Netz heraus und legen sie in einen Wassertank», so der Fischereiaufseher. Die Fische tragen dadurch, gemäss Menz, keinen Schaden davon.

Im Wassertank, den die Fischer im Auto mitführen, werden die Fische mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt. «Dadurch erholen sie sich sehr schnell.» Anschliessend werden die Tiere an einen Ort weiter unten im Ellbach gebracht, der mehr Wasser führt und bei dem im besten Fall das Wasser auch kühler ist.

«So lange wir helfen können, helfen wir»

«Momentan ist es sehr trocken und warm. Durch die hohen Wassertemperaturen erhalten die Fische zu wenig Sauerstoff und verenden im schlimmsten Fall», sagt Phillip Amrein, Fachbereichsleiter der Fischerei beim Kanton Luzern. «Es wäre unfair, zuzuschauen, wie die Fische eingehen. So lange wir helfen können, helfen wir.»

Gemäss Amrein haben die Abfischungen in den vergangenen Jahren zugenommen. «Vor 34 Jahren gab es alle acht bis neun Jahre Abfischungen. Jetzt kommen sie alle drei bis vier Jahre vor.» Erklären kann sich das Amrein nur mit der Klimaerwärmung: «Der Klimawandel lässt sich nicht beschönigen. Die Grundwasserspiegel nehmen immer weiter ab und das führt zu solchen Situationen.»

Betroffen seien dieses Jahr vor allem Fliessgewässer, aber nicht nur jene im Tal, sondern auch solche in den Bergen. «Es sind vermehrt Flüsse betroffen, die in vergangenen Jahren relativ wassersicher waren. Das, weil es im Winter relativ wenig Schnee gegeben hat und deshalb wenig Schnee geschmolzen ist», sagt Amrein.

Auch andere Zentralschweizer Kantone führen Abfischungen durch

Es ist bereits der zweite Tag, an dem Abfischungen im Kanton Luzern stattfinden und wird auch nicht der letzte sein. «Wir machen das so lange, bis es mehr Wasser gibt und abkühlt», sagt Olivier Menz. Er und sein Team sind im ganzen Kanton Luzern unterwegs – dort wo Abfischungen nötig sind.

Auch andere Kantone in der Zentralschweiz mussten bereits Fische umsiedeln. Im Kanton Schwyz sei die Situation sehr heikel, heisst es auf Anfrage von Tele 1 und PilatusToday und Abfischungen wurden bereits notwendig. Die Muota in Brunnen habe aktuell 21 Grad. Nicht so schlimm ist die Situation in Nidwalden. Zwar führen die Bäche relativ wenig Wasser, dieses sei aber kühl.

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 20. Juli 2022 19:36
aktualisiert: 20. Juli 2022 19:36
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