Stadt Luzern

Hochwasser-Schutz kommt an seine Grenzen

11. Juli 2022, 16:28 Uhr
Die Stadt Luzern ist zunehmend von Überschwemmungen betroffen. Vor allem in der Region Verkehrshaus kann das Wasser bei Starkregen nicht genügend abfliessen. Stadt und Kanton setzen Massnahmen um.
Die Stadt Luzern ist zunehmend von Überschwemmungen betroffen. Vor allem kommt auf der Haldenstrasse zu grösseren Überschwemmungen bei Starkregen-Ereignissen. (Archivbild)
© Philipp Schmidli/Luzerner Zeitung

Überschwemmte Strassen, Keller oder Wohnungen. Die zahlreichen Gewitter führten bereits mehrfach zu grossen Schäden. Gemäss Experten ist in Zukunft mit noch mehr und stärkeren Extrem-Wetterereignissen zu rechnen. Wir haben deshalb bei der Stadt Luzern nachgefragt, ob die bestehenden Schutzbauten noch ausreichen.

Valéry Catanzaro, Projektleiterin Siedlungsentwässerung und Naturgefahren der Stadt Luzern, erzählt, dass auch sie eine steigende Anzahl an Überschwemmungen wahrnimmt. Dies sei jedoch nicht nur eine Folge der zunehmenden Starkregen-Ereignisse. «Auch aufgrund der verdichteten Siedlungsstrukturen», erklärt sie. Das Wasser hätte immer weniger Platz, um abzufliessen. Versiegelte Böden verhindern zudem die Versickerung des anfallenden Regenwassers.

Zudem seien viele Bäche und Flüsse für die anfallenden Wassermengen zu wenig breit. Die bestehenden Kapazitäten würden oftmals nicht mehr ausreichen. «Viele Aspekte, welche für die heutigen Wassermengen notwendig wären, wurden früher beim Bau, insbesondere, wenn die Bäche in unterirdische Leitungen geführt werden, noch nicht beachtet», sagt Catanzaro.

Hotspot: Würzenbach beim Verkehrshaus

In der Stadt Luzern ist die Region Verkehrshaus häufig von Überschwemmungen betroffen. «Hier haben wir einen Hochwasser-Hotspot», sagt die Expertin. Das Siedlungsentwässerungs-System käme an seine Grenzen. Auch deshalb, weil die Einlaufbauwerke oder auch Fängeranlagen rasch durch Dreck und weiteren Materialien versperrt würden. «Dann überläuft der Bach und das Wasser fliesst auf die Strassen oder ins Siedlungsgebiet», erläutert sie.

In Bereich des Hochwasser-Schutzes gibt es auch die Strategie, Wasser via Strassen abfliessen zu lassen. So beispielsweise auf der Autobahn A2 in Seedorf. Falls die Reuss überläuft, wird das Wasser auf die Strasse geleitet.

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Quelle: PilatusToday

«In der Stadt Luzern verfolgen wir jedoch noch keine solche Strategie», sagt Catanzaro und fügt hinzu: «Auch wenn es ein sehr interessantes Konzept ist.» Falls also in der Region Verkehrshaus die Strassen überschwemmt sind, sei dies keinesfalls gewollt. «Es kann aber punktuell immer wieder passieren», sagt sie. Kanton und Stadt Luzern arbeiten gemeinsam an Lösungen. Zum Beispiel soll ein übergeordnetes Konzept zum Quartier Würzenbach, welches alle Hochwasserquellen wie oberflächliche und unterirdische miteinbezieht, ausgearbeitet werden.

Stadt bietet Beratungen an

Weitere Schutzbauten und Massnahmen werden nicht nur in diesem Stadtteil fortlaufend ausgebaut. Auf Stadtgebiet wurden in den vergangenen Jahren diverse Fängeranlagen, zum Beispiel diejenigen beim Bruchmattbach oder beim Schlösslibach, ausgebaut. Für den Neubau des Schulhauses Staffeln wurde ein eingedolter Bach offengelegt und auf dem Schulhausareal eine neue, nach heutiger Erkenntnis ausgelegte Leitung gebaut. Das Schulhausareal wäre davor bei Starkregen im Einzugsgebiet des Bachs von Überschwemmungen betroffen gewesen und ist jetzt aber gegen hundertjährige Hochwasserereignisse geschützt.

Kanton und Stadt wissen, dank Naturgefahrenkarte und Oberflächenabflusskarte, wo der Bedarf am grössten sei. «Primär sind es dann Kosten-Nutzen Überlegungen, anhand welchen wir uns für Projekte entscheiden», sagt Catanzaro. Auch als Private kann und soll man sich schützen.

Hier sieht man schön, welche Abflusskorridore sich das oberflächlich abfliessende Wasser suchen.

Ein gewisses Restrisiko für Überschwemmungen werde es jedoch immer geben. «Auch trotz fortlaufend weiter umgesetzten Schutzbauten und Massnahmen zur sicheren Ableitung von Hochwasserereignissen», sagt Catanzaro. Wer sich fürchtet, dass seine Wohnung von einer Überschwemmung betroffen werden kann, darf sich gerne an die Fachstelle Siedlungsentwässerung und Naturgefahren wenden. «Wir beraten gerne und suchen gemeinsam nach Lösungen. Oft hilft auch die Gebäudeversicherung mit Beratungen zu Objektschutz», schliesst Catanzaro ab.

(bsv)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 12. Juli 2022 11:13
aktualisiert: 12. Juli 2022 11:13
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