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Afghanistan

«Ich habe gesehen, wie sie Leuten den Kopf abgeschnitten haben»

17. August 2021, 18:04 Uhr
Ali Azimi ist 2007 aus Afghanistan in die Schweiz geflüchtet. Im Gespräch erzählt Azimi, wie er den Vormarsch der Taliban nach Kabul erlebt. Er fürchtet um seine Bekannten und Familie.
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Quelle: PilatusToday

Afghanistan ist im Ausnahmezustand. Seit dem Abzug internationaler Truppen erobert die radikale Gruppierung der Taliban das Land. Die aktuelle Situation in der Hauptstadt Kabul und im ganzen Land fassen wir laufend in unserem Liveticker zusammen.

Flucht wegen Taliban

Ali Azimi lebte in Afghanistan, bevor er in die Schweiz flüchtete. Die aktuellen Ereignisse beunruhigen ihn sehr: «Ich bin 2007 auch wegen den Taliban geflüchtet. Jetzt wiederholt sich die Geschichte. Das ist für mich sehr hart.» Ali lebt mit seiner Frau in Kriens: «Ich kann von hier aus gar nichts machen. Trotzdem mache mir sehr viele Sorgen.»

Die vielen Informationen aus Afghanistan überschlagen sich. Die Taliban nutzen alle Kanäle für ihre Botschaften: «In den Sozialen Medien sprechen sie davon, allen zu verzeihen und die Leute in Ruhe zu lassen. In der Realität sieht es anders aus.»

Der direkte Kontakt zu den Angehörigen in Afghanistan funktioniert im Moment noch. Das ist aber nicht gesichert: «Die Taliban wissen selbst nicht, was sie jetzt machen sollen. Es ist alles durcheinander.»

Abzug der US-Truppen sei voreilig gewesen

Die afghanische Regierung sei nicht bereit gewesen, auf den Rückzug der US-Truppen zu reagieren, so Azimi. Die Ankündigung der USA sei viel zu kurzfristig erfolgt. Die Rolle der Regierung im aktuellen Konflikt ist für Ali noch unklar: «Wir vermuten, dass die Regierung die Konditionen für die Übergabe im Hintergrund mit den Taliban ausgehandelt haben. Sie hätten eigentlich genug Waffen gehabt. Die Regierung hat sich vermutlich verkauft.»

Zukunft im Land ungewiss

Mit der Machtübernahme der Taliban werde sich der Regierungsstil in Afghanistan stark verändern, mutmasst Ali Azimi: «Die Taliban werden sehr hart regieren. Ich sorge mich um die Minderheiten im Land.» Mit dem Wegzug der internationalen Truppen fehle jetzt eine wichtige Stütze: «Afghanistan muss wieder bei null anfangen.»

Engagement wichtig

Ali Azimi engagiert sich im Migrant*innenparlament des Kantons Luzern. Der Verein trägt die Anliegen der Migranten auf die politische Ebene des Kantons. Mehr über Ali und seine Frau erfährt ihr im Video.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 17. August 2021 11:57
aktualisiert: 17. August 2021 18:04