Luzernerinnen in Afrika

Im Einsatz «für eine gerechtere und sozialere Welt»

Chantal Herger, 13. Dezember 2021, 09:12 Uhr
Sibylle Freiermuth und Anna Hartmann setzen sich in Afrika für eine gerechtere Welt ein. Die beiden Luzernerinnen verbringen die nächsten drei Jahre in Sambia und Namibia und leisten dort einen humanitären Einsatz. Wir begleiten die beiden Frauen in dieser Zeit und zeigen, wie sie den Alltag erleben, mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert werden und welche Begegnungen sie prägen.

Quelle: Comundo

«Inmitten der globalen Pandemie wagte ich es, meinen früheren Job zu kündigen im Vertrauen darauf, dass ich meinen Weg finden würde,» erzählt Sibylle Freiermuth. Letzten Sommer habe sie gespürt, dass sie in einer Organisation arbeiten wollte, die ihren Werten entspreche und das Ziel hat, die Welt zu verbessern. Deshalb schaute sie sich schon seit Jahren regelmässig auf der Website der Non-Profit-Organisation Comundo nach einer Stelle um. So kam es, dass sie sich als Englisch-Lehrperson in Sambia beworben hat.

Sibylle Freiermuth arbeitet an einer Schule in Sambia.
© Comundo

Weil die Luzernerin bereits in China, Indien, Spanien und den USA gelebt und unterrichtet hat, war es für ihr Umfeld keine grosse Überraschung, dass es sie wieder in die Ferne zog. Trotzdem, einfach war der Abschied nicht: «Auch wenn ich es gewöhnt bin, die Zelte abzubrechen und mich in das Unbekannte zu begeben, war der Abschied von Luzern schon schwer.» Die Reise nach Lusaka musste sie jedoch nicht alleine auf sich nehmen. Ihre Hündin Maya durfte mit nach Pakachele.

Ein Bild von ihrem neuen Zuhause machen

Die ersten zwei Monate verbrachte die Englischlehrerin direkt auf dem Schulgelände und freundete sich mit ihren Nachbarinnen, allesamt Unistudentinnen, an. Die erste Aufgabe für die 32-Jährige lautete, sich von Sambia ein «Bild zu machen», wie sie sagt.

In Pakachele wird sie in einer Gemeinschaftsschule mit Kindern von der erster bis zur neunten Klasse und einer Special Class für schwerhörige Kinder arbeiten. Mit dem Beginn des neuen Schuljahres ab Januar 2022 wird sie dann die elf Lehrpersonen in der Pakachele Community School vor allem in den Bereichen Literacy (Lesen und Schreiben) und in der Pädagogik allgemein unterstützen. «Am wichtigsten ist es, dass ich zusammen mit dem lokalen Team meine Rolle kläre und die Ziele für meine Zeit bei Pakachele festlege», so die erfahrene Lehrerin.

Die Eingewöhnungszeit von Sibylle Freiermuth in Sambia wurde jedoch von einem tragischen Ereignis erschüttert. Die Schulgründerin und Schulleiterin Angela Malik, die während ihres Einsatzes ihre Ansprechperson gewesen wäre, verstarb überraschend. «Dies war natürlich ein grosser Schock und schwerer Verlust für alle. Angela Malik war die Mutter von allen, und für viele Kinder überlebenswichtig.» Es folgten schwierige Tage, die geprägt waren von der Frage: Wie weiter? Trotzdem habe man sich als Team wieder aufgerafft und sei durch die gemeinsame Trauer zusammen gewachsen, so die Luzernerin. «Ich fühle mich jetzt wirklich als Teil des Teams.» Gemeinsam haben sie beschlossen, den Traum von Angela Malik weiter zu verwirklichen: «Die Hoffnung besteht, dass Angelas Traum weiterleben wird.»

Anna Hartmann leistet ihren Comundo-Einsatz in Namibia.
© Comundo

Ihren Traum verwirklichen 

Seit einem sechsmonatigen Praktikum im Jahr 2019 in Kapstadt hat Anna Hartmann eine besondere Verbindung zu Afrika. Der damalige Aufenthalt prägte sie nachhaltig und hat ihre Sicht auf die Welt verändert. Die Krienserin verspürte deshalb den Wunsch, für längere Zeit auf dem afrikanischen Kontinent zu leben und zu arbeiten. Mit ihrem Einsatz für Comundo ging dieser in Erfüllung. Nicht nur in fremde Kulturen einzutauchen und diese kennenzulernen, motivierte die 34-Jährige, sondern noch etwas anderes bewog sie zu diesem Schritt: «Mir fehlte immer wieder der Sinn in meiner täglichen Arbeit. Mit Comundo und meinem Einsatz in der personellen Entwicklungszusammenarbeit in Namibia kann ich beide Wünsche vereinen.» Die Reaktionen fielen in ihrem Umfeld positiv aus. «Sie freuten sich für mich, dass ich meinen Traum verwirklichen kann, auch wenn sie mich vermissen werden», erzählt Hartmann.

Finanzmittel und Ressourcen sollen richtig eingesetzt werden

Nun wartet auf die Krienserin in Afrika eine neue Aufgabe. Als Business-Administration-Spezialistin wird sie ihr Wissen teilen, das sie zuletzt im Museum Aargau als Leiterin Gästeservice und IT sammeln konnte. Konkret wird Hartmann in der Administration des Bildungsdirektorats arbeiten, wo sie in den Bereichen Finanzen, IT, Kommunikation und Personalwesen mitwirken wird. Es sei eine grosse Herausforderung, ihr Fachwissen und ihre langjährige Erfahrung in einem völlig neuen Umfeld und einem anderen kulturellen Kontext einzubringen, sagt die 34-Jährige. Auf etwas wird sie dabei besonders Wert legen:  «Um die Schulbildung in einem Land zu verbessern, sind nicht alleine die Anzahl Lehrkräfte oder die Lehrmethoden ausschlaggebend. Die vom Staat zur Verfügung gestellten Finanzmittel und Ressourcen müssen auch richtig eingesetzt werden.»

Der Einsatz passe optimal zu ihr und ihrem Profil. «Mit meinem Engagement als Comundo-Fachperson im Bildungsdirektorat von Kavango-West setze ich mich für eine gerechtere und sozialere Welt ein.» Bildung sei der Schlüssel zu einer sozialen, gerechten und leistungsfähigen Gesellschaft. Umso dankbarer sei sie, dass sie die Chance erhalte, «einen kleinen Beitrag dazu zu leisten und mit meiner Arbeit die Lebensbedingungen der Kinder und Jugendlichen in Namibia zu verbessern.»

Seit September befindet sich Anna Hartmann nun in Nkurenkuru, einem Dorf im Norden Namibias an der Grenze zu Angelo. Die 34-Jährige beschreibt das Dorf mit folgenden Worten: «Nkurenkuru ist klein und ruhig, aber stetig am Wachsen. Das Dorf ist Hauptort der Region Kavango-West und direkt am Fluss Kavango gelegen. Es hat ein paar Einkaufsläden, eine Bank, ein Post-Office, eine einfache Klinik und ein paar kleine, lokale Restaurants.»

In einem nächsten Artikel werden die beiden Frauen berichten, wie sie die Adventszeit in Afrika erleben und wie Weihnachten im Süden gefeiert wird. 

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 4. Dezember 2021 13:44
aktualisiert: 13. Dezember 2021 09:12
Anzeige