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Erster Luzerner Streitfestival

Im Mai wird gestritten und um brennende Themen geboxt

Chantal Gisler, 2. Mai 2021, 18:18 Uhr
Vom 1. bis 11. Mai findet in Luzern das Streitfestival statt. An fünf Standorten werden Filme gezeigt und es finden Performances und Workshops rund ums Thema Streit statt. Um brennende Themen wird in der Peterskapelle auch geboxt.
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Quelle: PilatusToday

Die Schweizer streiten zu wenig, findet Klarissa Flückiger. «Streiten ist etwas Befreiendes, es hat eine eigene Energie.» Das will die in München lebende Performancekünstlerin würdigen: Sie und das Leitungsteam stellen im «Winkel» ein Streitfestival auf die Beine. Vom 1. bis 11. Mai wird in Luzern gestritten – für die Kunst. «Häufig gehen die Schweizerinnen und Schweizer dem Streit aus dem Weg. Etwa wenn sie merken, dass daraus nichts mehr wird», erklärt Flückiger. Aber genau hier müsse man weiter machen. Natürlich nicht so, dass es ausartet. «Der Streit kann ein Weg sein, sich seine Meinung zu bilden und diese zu verteidigen. Und um zu lernen, dass jede Meinung einen Wert hat und dass um gewisse Meinungen gerungen werden muss.»

Die Initianten wollen in Luzern ein Gefäss für Konfrontation mit kreativen Spielregeln erschaffen. Denn zum Streit braucht es auch Mut: «Man muss die Fähigkeit haben, sich dieser Situation und der Auseinandersetzung überhaupt stellen zu wollen.» Denn Streiten ist nicht nur schlecht, mit Konfrontationen kann man Veränderungen bewirken. «Wir wollen wissen: Wie sieht ein konstruktiver Streit aus?»

Aus Hass wird Streit

Aber: Wie kommt man auf die Idee, ein ganzes Festival dem Streit zu widmen? Klarissa Flückiger lacht. «Es ist aus dem Streit heraus entstanden», verrät sie. Ursprünglich sollte das Festival zum Thema Hass veranstaltet werden. Das Brainstorming begann Ende letztes Jahr, im Januar fand eine Klausur statt, bei der sich das Leitungsteam auf ein Vorhaben fixieren sollte. Es sollte ein Thema sein, das man im Alltag wiederfindet. Ein Hass-Festival also. «Aber bei der Umsetzung hatten wir viele Ideen und unterschiedliche Vorstellungen, wir haben im Leitungsteam diskutiert und gestritten. Da kam uns die Idee zum Streitfestival.»

Anlässe im Rahmen des Festivals finden im Kulturkeller Winkel, in der Peterskapelle, im Stadtkino und in der Kunsthalle Luzern statt. An jedem Ort können sich die Besucher mit einer anderen Facette des Streits befassen. Im «Winkel» wird es eine grosse Videoausstellung geben, bei der man das Streitverhalten analysieren kann. «Es sind Videos von vier Filmemachern, die 25 Menschen über ihr Streitverhalten erzählen lassen.»

Im Stadtkino und in der Luzerner Kunsthalle werden Filme und Performances gezeigt. Im öffentlichen und digitalen Raum werden ausserdem verschiedene Workshops rund ums Thema Streit durchgeführt. Dabei können die Besucher herausfinden, wie sie und andere Menschen mit Streit umgehen.

Ein Showkampf mit Musik

In der Peterskapelle geht es zur Sache: Hier wird konkret und aktiv gestritten. Auch die Besucher sollen mitmachen können. Wie genau, ist wegen der Pandemie noch offen. Aber: «Es wird Diskurse zu vier festgelegten Themen mit passenden Podiumsgästen geben.» Die Themen drehen sich um gesellschaftliche Themen wie Religion und Politik. Die Themen in der Peterskapelle werden mit Videos visualisiert.

Ein Highlight: Ebenfalls in der Peterskapelle wird ein Boxring aufgebaut, in dem um brennende Themen gerungen wird. Dazu wird es Musik geben, ein sogenanntes Musikboxbattle also. «Mehr können wir dazu aber noch nicht sagen, weil wir nicht wissen, wie sich die Pandemie entwickelt.»

Für alle Künstlerinnen und Künstler, deren Ausstellungen live wären, gibt es einen Plan B. «Wir hoffen, dass Ausstellungen bis dahin möglich sind, aber während der Pandemie muss man einfach flexibel sein und sich einen Plan B überlegen.» Durch die Pandemie haben sie auch beschlossen, eher klein zu bleiben. «Wir haben zwar Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Schweiz, aber das Festival bleibt in Luzern.»

Der 1. Mai wurde als Startschuss bewusst gewählt. «Auch bei Demonstrationen und in der Politik geht es ums Streiten», erklärt Flückiger. Die Organisatoren stehen im Kontakt mit dem 1.Mai-Komitee. «Sie werden am 1. Mai in der Peterskapelle etwas zu unserer Ausstellung beitragen.» Was genau es wird und wie das Projekt aussehen wird, darauf ist der Kulturkeller Winkel ebenfalls gespannt.

Suche nach einer neuen Bleibe

Es ist das erste «Winkel-eigene» Kulturfestival in Luzern. Vor vier Jahren stellte das Theater Luzern den «Winkel» jungen Künstlern zur Verfügung. Daraus hat sich eine Plattform für Junge entwickelt, der «Kulturkeller Winkel». «Wir arbeiten mit jungen Künstlern aus allen Sparten zusammen», erklärt Flückiger. Der Fokus liegt aber auf dem Experimentieren und Ausprobieren.

Bis jetzt wurde der Raum selbstständig vom Kulturkeller Winkel geführt. Aber bald ist Schluss: Das Luzerner Theater braucht den Platz wieder. «Es ist zwar schade, dass wir uns eine neue Bleibe suchen müssen. Aber wir werden bestimmt etwas finden.» Aktuell werden noch Gespräche geführt, Flückiger ist aber zuversichtlich, dass die junge Kultur in Luzern weiterleben wird.

Chantal Gisler
Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 29. April 2021 15:37
aktualisiert: 2. Mai 2021 18:18