Antwort auf SP-Postulat

Inseliquai autofrei zugunsten der Määs? Stadtrat winkt ab – aus mehreren Gründen

14. Juni 2022, 11:26 Uhr
Ein Inseliquai ohne Durchgangsverkehr hätte negative Auswirkungen auf umliegende Strassen und Plätze – selbst nur temporär. Erst mit dem Durchgangsbahnhof ändert sich die Ausgangslage.
Die Lozärner Määs kann wohl nicht mehr auf dem Inseli stattfinden.
© Luzerner Zeitung/Corinne Glanzmann

Auf einem neu gestalteten Inseli hat's keinen Platz mehr für die Määs. Diese Ankündigung des Luzerner Stadtrats sorgte im vergangenen Winter für Riesenwirbel. Mittlerweile wurde eine Volksinitiative mit 5000 Unterschriften eingereicht. In einem Vorstoss fordert die SP zudem zu prüfen, ob der Inseliquai und die Frohburgstrasse dauerhaft oder temporär vom Durchgangsverkehr – vor allem Autos – befreit werden können. Dies ergäbe Platz für die Määs und eine geringe Anzahl Car-Anhalteplätze.

Nun liegt die Stellungnahme des Stadtrats zum Postulat vor: Demnach lehnt er das Begehren ab, wie die «Luzerner Zeitung» schreibt. Man habe die dauerhafte Sperrung der beiden genannten Strassen bereits im Rahmen der Testplanung «Linkes Seeufer» geprüft und «aufgrund des geringen Mehrwerts für die Aufenthaltsqualität und der erheblichen nachteiligen Auswirkungen auf das Verkehrsregime» verworfen. Zudem habe die Machbarkeitsstudie Inseli gezeigt, dass selbst eine temporäre Sperrung zugunsten des Määs-Lunaparks schwierig sei.

Das sind die wichtigsten Gründe für die Ablehnung:

  • Eine Sperre hätte grössere negative Auswirkungen auf andere Strassen. Von den täglich 4000 Fahrten auf dem Inseliquai würden 3100 auf die Zentralstrasse und den Bundesplatz verlegt.
  • Auf der Zentralstrasse würde der Verkehr um knapp 20 Prozent zunehmen, auf dem Bundesplatz (Zentralstrasse-Langesandbrücke) um 40 Prozent. Auch der Knoten Werkhof-/Tribschenstrasse käme an seine Belastungsgrenze.
  • Trotz Sperrung müsste die Erschliessung und des Zubringerdienstes von KKL, Universität, Schifffahrtsgesellschaft sowie weiterer Büro- und Wohngebäude gewährleistet bleiben.
  • Für schwere und gross dimensionierte Lunapark-Attraktionen ist der relativ schmale, von wertvollen Bäumen und von Anlieferungszonen der Geschäfte umgebene Strassenraum ungeeignet. 
  • Eine mehrwöchige Sperrung sei nicht mit den Anforderungen zur Freihaltung von Rettungs- und Notfallkorridoren vereinbar. 
  • Die nationale Veloroute wäre stark betroffen. Es sei nicht vertretbar, die Velofahrenden über die Route Bundesplatz, Zentralstrasse und Bahnhofplatz umzuleiten – notabene drei Unfallschwerpunkte.

Ganz autofrei würden beide Strassen nie

Einen Hoffnungsschimmer gibt es gemäss Stadtrat aber – und dieser heisst Durchgangsbahnhof. Die Testplanung dazu befasste sich auch mit dem Strassenraum und schlägt einen zusätzlichen Buskorridor vor. Dieser soll über die verlängerte Bürgenstrasse und durch das Tribschenquartier führen. Hierfür müssten aber die Abstellgleise der Zentralbahn neu angeordnet werden. Der Stadtrat schreibt: «Es zeigte sich, dass langfristig die Möglichkeit besteht, die Frohburgstrasse und den Inseliquai für den Durchgangsverkehr zu sperren.» Die Durchfahrt für den Fuss- und den Veloverkehr sowie für Anlieferungen müsse aber gewährleistet bleiben.

(Luzerner Zeitung/Roman Hodel)

Quelle: Luzerner Zeitung
veröffentlicht: 14. Juni 2022 11:24
aktualisiert: 14. Juni 2022 11:26
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