Grünes Licht

«International attraktiv werden»: Uni Luzern erhält zwei neue Fakultäten

19. September 2022, 20:09 Uhr
Die Universität Luzern hat grünes Licht für die Schaffung von zwei neuen Fakultäten erhalten. Das Kantonsparlament stimmte nach der ersten Lesung einer entsprechenden Änderung des Universitätsgesetzes zu. Der Uni-Ausbau war aber nicht unbestritten.

Quelle: Tele 1

Die Universität Luzern will eine neue Fakultät für Verhaltenswissenschaften und Psychologie schaffen und das Departement für Gesundheitswissenschaften und Medizin in eine Fakultät umwandeln. Durch diese Ergänzungen würde die Universität im internationalen Wettbewerb attraktiver werden, sagt Bruno Staffelbach, der Rektor der Universität Luzern: «Wir sind eine Fachuniversität für Menschen und deren Institutionen. Wenn wir jetzt noch Verhaltenswissenschaft und Psychologie haben, können wir unser Fachspektrum erweitern.»

Die Universität Luzern gibt es erst seit 2000, und sie ist mit 3155 Studentinnen und Studenten die kleinste der Schweiz. Bislang verfügte die Universität über die vier Fakultäten Theologie, Kultur- und Sozialwissenschaften, Rechtswissenschaften sowie Wirtschaftswissenschaften.

Die geplante Fakultät für Verhaltenswissenschaften und Psychologie soll privat finanziert werden. Die Umwandlung des Departements für Gesundheitswissenschaften und Medizin in eine Fakultät soll kostenneutral sein, aber auch dieses Departement war genauso wie die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät privat finanziert worden.

Psychologie-Fakultät gab zu reden

Damit die Universität zwei neue Fakultäten gründen kann, musste das Kantonsparlament das Universitätsgesetz anpassen. Die Eintretungsdebatte zeigte, dass das Anliegen der Universität nicht unbestritten ist – vor allem wegen der neuen Psychologie-Fakultät.

Kritiker aus den Reihen der FDP und SVP bemängelten, dass mit der psychologischen Fakultät Studentinnen und Studenten am Arbeitsmarkt vorbei ausgebildet würden. SP und Grüne störten sich daran, dass die Fakultäten privat von Donatoren finanziert werden.

Karin Stadelmann (Mitte) unterstützte die Pläne der Universität. Allerdings werde mit dem Aufbau der zwei weiteren Fakultäten der Ausbau der Universität abgeschlossen sein. Bernhard Steiner (SVP) lehnte dagegen die beiden neuen Fakultäten ab. Mit diesen werde der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen nicht angegangen. Sein entsprechender Antrag blieb aber mit 19 zu 89 Stimmen chancenlos.

Gaudenz Zemp (FDP) forderte, dass trotz aller humanistischer Ideale die Universität auch auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet werde, denn der Fachkräftemangel sei das zentrale Thema der nächsten Jahre. Trotzdem stimme die FDP-Fraktion der Schaffung der beiden neuen Fakultäten zu. Die GLP-Fraktion sehe in diesem Ausbauschritt «eine grosse Chance», dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wie Angelina Spörri sagte. Sie stellte sich hinter den Ausbau.

SP und Grüne gegen private Finanzierung

Der geplante Uni-Ausbau überzeuge die SP, sagte Gisela Widmer Reichlin. Dies sei ein logischer Schritt. Die SP-Fraktion fordere aber eine staatliche Finanzierung. Die Fakultäten sollen langfristig geplant werden und zwar ohne die Abhängigkeit von Donatoren.

Auch Jonas Heeb (Junge Grüne) bezeichnete die Finanzierung als «kritischen Teil» der Vorlage. «Die Finanzierung einer Universität ist für uns eine zentrale Aufgabe des Kantons. Erstrecht, wenn es um derart wichtige Entwicklungen geht.» Seine Fraktion sei nicht einverstanden mit der vorgesehenen Drittfinanzierung. «Ein echtes Bekenntnis der Regierung zum Universitätsstandort sähe anders aus», sagte er. Die Grünen forderten, dass der Aufbau und der Betrieb durch den Kanton getragen werden.

Ein Problem mit den privaten Donatoren befürchtet der Rektor Bruno Staffelbach nicht. «Wir sprechen aus Erfahrung», so Staffelbach. Auch die Fakultät für Wirtschaftswissenschaft sei mit Donatoren finanziert worden. «Die Donatorinnen und Donatoren wissen von Anfang an, dass sie personell und forschungsmässig nichts zu sagen haben.»

Schlussendlich sprangen dann die Fraktionen, welche gegen eine private Finanzierung waren, über ihren Schatten. Denn der Antrag von links, die neue Fakultät für Verhaltenswissenschaften und Psychologie, nicht wie von der Regierung vorgesehen durch private Donatoren sondern staatlich zu finanzieren, scheiterte im Kantonsparlament mit 29 zu 75 Stimmen.

Quelle: sda
veröffentlicht: 19. September 2022 10:54
aktualisiert: 19. September 2022 20:09
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