Fasnacht 2021

Ist sie in Gefahr? «Auch wir müssen realistisch sein»

Andrée Getzmann, 6. Mai 2020, 21:59 Uhr
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Quelle: PilatusToday

Das Coronavirus zwingt momentan diverse Branchen und Anlässe in die Knie: Bis Ende August sind Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen verboten. Peti Federer, Medienchef vom Lozärner Fasnachtskomitee hofft, dass die Massnahmen nachher gelockert werden. Ansonsten sieht er die Fasnacht 2021 in Gefahr.

Peti Federer, wo steht ihr in der Planung für die nächste Fasnacht?

Für das Lozärner Fasnachtskomitée LFK heisst es natürlich immer «Nach der Fasnacht ist vor der Fasnacht». Wir haben verschiedene Anlässe und Events wie die Inthronisation des neuen LFK-Präsidenten oder das «Chrampferfest», die anstehen. Auch die neue Plakette muss ausgesucht werden, die dann im Herbst präsentiert wird. Wenn ich jetzt das Sommerhalbjahr anschaue, gibt es relativ viele Termine die organisatorischer Natur sind. Theoretisch.

Peti Federer vom Lozärner Fasnachtskomitee
© Eveline Beerkircher / Luzerner Zeitung

Was heisst theoretisch?

Die aktuellen Zeiten werfen auch unsere Planung über den Haufen. Wir mussten bereits einige Anlässe absagen aufgrund des Versammlungsverbots, wie die Inthronisation des neuen Präsidenten Dani Abächerli Ende Juni. Typischerweise geht diese mit grossem Brimborium über die Bühne. Dies müssen wir heuer verschieben. Auch das «Chrampferfest» haben wir vorerst abgesagt respektive verschoben. Wenn wir die bisherigen Prognosen betrachten, gehen wir sehr defensiv an die Sache heran.

All diese Anlässe absagen oder verschieben zu müssen, was macht das mit euch?

Ich glaube, dass ist wie bei vielen, die ihre Hobbies oder ihren Beruf zurzeit nur mit Einschränkungen ausüben könnnen: Das geht einem mittlerweile an die Nieren. Vor wenigen Wochen hätte man sich nie getraut zu glauben, dass man eine Fasnacht absagen könnte. Leider ist das schliesslich eingetroffen. Wir in Luzern hatten noch Glück, aber andere Regionen nicht. Sie mussten ihre Fasnacht absagen.

Mittlerweile ist die die Unsicherheits gross. Man weiss einfach nicht, was passieren wird. Wir können dieser Gegebenheit nur realistisch ins Auge sehen. Aber es fehlt natürlich etwas, wenn gewisse Anlässe nicht durchgeführt werden können und die Fasnacht dadurch nicht ausklingen lassen kann.

Beispielsweise würden Guggenmusiken bald ihre GVs abhalten oder ihre neuen Sujets bestimmen. Da muss man einfach kreativ werden und sich die Online-Tools zunutze machen. Aber das ersetzt natürlich nicht die Geselligkeit mit den Kollegen. Und das ist genau so wichtig.

Wie sieht es mit der kommenden Fasnacht aus?

Wenn ich jetzt ja oder nein sagen würde, wäre ich Prophet. Ganz realistisch gesehen, wenn sich die Situation nicht beruhigen würde oder im Herbst eine zweite Welle kämen würde, wenn da noch was passieren würde, wird es schwierig. Gerade bei der Fasnacht ist Social Distancing schwer umsetzbar, weil Vieles unkontrolliert stattfindet. An einem Umzug beispielsweise sind viele Zuschauer vor Ort oder eine Tagwache oder der Fötzeliräge wäre unter diesen Umständen sicher schwierig durchzuführen.

In diesem Punkt klammern wir uns ganz fest an die Hoffnung. Wir wollen uns das gar nicht vorstellen und trotzdem wäre es falsch und blauäugig, wenn wir davor die Augen verschliessen würden. Wir müssen realisitsch sein.

Wie würde ein Plan B aussehen?

Natürlich sind wir jetzt dran und thematisieren den Plan B. Vor einigen Woche wäre das noch unvorstellbar gewesen und jetzt müssen wir uns mit dem Szenario Was-wäre-wenn beschäftigen. Was passiert, wenn irgendwann ein Entscheid käme, dass die Fasnacht abgesagt werden müsste. In Basel ist der Entscheid drei Tage vor der Fasnacht gefallen. Das ist natürlich ein Horrorszenario – wenn alles bereits vorbereitet ist und der Anlass abgesagt werden muss.

Ich kann hier keine Details verraten und es ist natürlich alles hypothetisch. Aber in unseren Überlegungen spielen diese Szenarien eine Rolle. Wir berücksichtigen dies für die nächsten Anlässe im Herbst und den Start der neuen Saison wie der Meisterkür mit. Wir überlegen uns, was wir allenfalls machen oder wie die Anlässe aussehen könnten, wenn die Anlässe nicht durchgeführt werden dürften.

Letztlich ist es aber die Behörde, die darüber entscheidet. Erst wenn dieser Entscheid gefallen ist, können wir im Detail planen und kommunizieren. Wir hoffen, dass wir gesund bleiben und dass sich die Lage beruhigt.

Heisst das, dass ihr ernsthaft über eine Absage oder einen Plan B nachdenkt?

Wir sind sicher nicht diejenigen, die eine Fasnacht absagen würden. Diese Entscheide kommen von der Regierung. Bis Ende August gibt es die Regelung, dass keine Anlässe mit mehr als 1'000 Personen durchgeführt werden dürfen. Diese Regelung muss gelockert werden und die Lockerung muss  im Verlaufe des Herbstes funktionieren.

Jeder Fasnachtsanlass in der Altstadt oder in den Gassen der Stadt Luzern oder auch die Anlässe in der Region muss diese Regeln einhalten. Darum müssen wir uns damit befassen, von Wollen ist keine Rede. Das ist wirklich ein Horroszenario!

Was wünschst du dir für die Fasnacht 2021?

Wenn die Fasnacht stattfindet und man Leute sorgenfrei treffen kann, dann haben wir viel erreicht und viel überstanden. Ich bin frohen Mutes, dass dies so geschehen wird. Wir müssen jetzt einfach Sorge tragen.

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Quelle: PilatusToday

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 6. Mai 2020 10:59
aktualisiert: 6. Mai 2020 21:59