Gutscheine und Geld

Kanton Luzern will pflegende Angehörige entlasten

Noah Zimmermann, 21. September 2022, 19:17 Uhr
Die Betreuung von Angehörigen, die Unterstützung brauchen, ist oft eine Belastung. Darum sollen pflegende Personen im Kanton Luzern finanziell entlastet werden. Da sind sich die Regierung und die Initianten der Betreuungsinitiative einig. Die Initiative geht der Regierung aber zu weit. Desswegen hat sie am Mittwoch einen Gegenvorschlag präsentiert.

Quelle: Tele1

Die Luzerner Regierung hat die Privatpflege- und Betreuungsinitiative von Beginn an abgelehnt. Diese wurde bereits 2019 von «die Mitte» eingereicht. Nun hat die Regierung einen Gegenvorschlag ausgearbeitet. Dieser will die Angehörigen mit Gutscheinen entlasten.

Die Geldleistungen beim Gegenvorschlag scheinen auf den ersten Blick um einiges tiefer als bei der ursprünglichen Initiative. So will die Regierung eine Zahlung von jährlich 800 Franken an Angehörige einer zu betreuenden Person ausbezahlen. Alternativ kann der Betrag auch auf zwei Personen aufgeteilt werden, die je 400 Franken erhalten. Dazu kommt jährlich ein Gutschein von mindestens 1200 Franken für Betreuungsangebote im Kanton Luzern.

Die Initiative hingegen will die pflegenden Angehörigen über einen Abzug vom steuerbaren Einkommen entlasten. 5000 Franken sollen abgezogen werden können. Vergleichbar sind diese beiden Beträge nur bedingt, da sich ein Abzug beim Vermögen nur indirekt auf die effektiv zu bezahlenden Steuern auswirkt.

Darum bevorzugt Kanton den Gegenvorschlag

Die Kombination von Geldzahlungen und Gutscheinen überzeuge, so Edith Lang, Leiterin der Dienststelle Soziales und Gesellschaft: «Er berücksichtigt die Anerkennung und den Bedarf nach Entlastung.» Der Gegenvorschlag sei primär keine Entlöhnung, sondern eine Subventionierung der unentgeltlich geleisteten Entlastungsarbeit.

Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf ergänzt, der Wertschätzungsbeitrag von jährlich 800 Franken werde direkt ausbezahlt: «Die Personen können selbst entscheiden, was sie mit dem Geld machen.» Kontrolliert werde mit Stichproben: «Wir setzen auch auf Vertrauen.»

Kosten: Rund fünf Millionen Franken

Auch aus finanzieller Sicht ist der Gegenvorschlag für den Kanton Luzern attraktiver. Insgesamt schätzt die Regierung die jährlichen Kosten auf fünf Millionen Franken. Diese Summe soll je zur Hälfte durch Kanton und Gemeinden getragen werden. Die finanzielle Belastung sei beim Gegenvorschlag halb so hoch wie bei der Initiative, argumentiert die Luzerner Regierung.

Bei den Initianten kommt der Gegenvorschlag grundsätzlich gut an. Die wesentlichen Punkte der Initiative nehme auch der Gegenvorschlag auf, schreibt «die Mitte» in einer Mitteilung. Ob sie die Initiative zurückziehe, müsse die Partei nun prüfen.

Eine Alternative: Zeitgutschrift statt Geld

Die 85-jährige Marlis Britschgi ist auf Betreuung angewiesen. Ihr Betreuer Charles Vogelbacher hält nicht viel von Geld und Gutscheinen als Gegenleistung: «Marlis sagt Danke und lädt mich zum Znacht ein. Das ist Wertschätzung genug.»

Die beiden haben sich über den Verein Zeitgut Luzern gefunden. Dieser bietet eine Möglichkeit, ohne finanzielle Entschädigung betreut zu werden. Für die Einsätze erhalten die freiwilligen Helfer Zeitgutschriften. Konkret heisst das: Braucht man selbst Unterstützung, kann man diese über diese Gutschriften selbst kostenlos erhalten.

Mehr zur alternativen Betreuungsform von Zeitgut Luzern siehst du im Video oben.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 21. September 2022 19:17
aktualisiert: 21. September 2022 19:17
Anzeige